Kracher holte mit Süßwein die ersten Parker-Punkte

Pia ProdingerPia Prodinger
Michael Schottenberg mit verschiedenen Flaschen Wein aus dem Burgenland.
© kracher.at

Vor 30 Jahren gelang Winzer Alois Kracher der internationale Durchbruch mit der Weinlese 1995. Sohn Gerhard feierte das Jubiläum mit einer historischen Verkostung von 15 Trockenbeerenauslesen aus jenem legendären Jahrgang.

Der renommierte Weinkritiker Robert Parker beschrieb seine erste Begegnung mit dem burgenländischen Süßweinwinzer Alois Kracher einst so: „Alois Kracher platzte in mein Leben wie eine Fliegeralarmsirene während eines friedlichen Schläfchens.“ Auslöser für diese Begeisterung war die Weinlese 1995 – ein Jahrgang, der das Weingut Kracher in Illmitz für immer verändern und den österreichischen Wein ins internationale Rampenlicht rücken sollte.

15 Trockenbeerenauslesen aus einem einzigen Jahr

Gerhard Kracher holte nun, 30 Jahre später, diesen außergewöhnlichen Jahrgang in seiner ganzen Fülle aus dem Keller und lud zu einer historischen Verkostung. 15 Trockenbeerenauslesen umfasste die Kollektion – eine Zahl, die es am Weingut seither nie wieder gegeben hat. „Ich war damals vierzehn Jahre alt, als der Wein geerntet wurde. 16, als er auf den Markt kam“, erinnert sich Gerhard Kracher.

Der Jahrgang war derart außergewöhnlich, dass sein Vater nicht zu viele Fässer zu einem Wein verschneiden wollte. Die Weine wurden durchnummeriert – und zwar in jener Reihenfolge, in der Alois Kracher sie selbst getrunken hätte. Die Nummer 1 war eine „Trockenbeerenauslese Welschriesling Zwischen den Seen“. Nach drei Jahrzehnten hat dieser Wein nichts an Spannung verloren, auch wenn er sich dunkel verfärbt hat und die Aromen die Süße überdecken.

Alles auf eine Karte gesetzt

Was Gerhard Kracher als Teenager nicht wusste: Dieser Jahrgang musste gelingen. Sein Vater hatte 1991 seinen Beruf beim Pharmakonzern Immuno an den Nagel gehängt und sich ganz dem Weinbau zugewandt. Er kaufte Weingärten und Trauben zu. „In diesem Jahrgang steckte sein ganzes Geld und darüber hinaus“, betont Kracher.

Der Mut zum Risiko wurde belohnt. 1995 brachte nicht nur außergewöhnliche Qualität, sondern auch eine große Menge. Im Weinkeller wurden neue Fässer und Tanks aufgestellt, jeder Winkel genutzt. Sogar der Stadl musste als Weinnotquartier herhalten, einige Fässer wurden bei einem benachbarten Winzer untergebracht. Die 15 Weine lagerten in 60 bis 70 Gebinden. „Es war zehnmal so viel Wein wie in den Jahren zuvor“, erzählt Gerhard Kracher. Sein Vater habe kaum geschlafen und sei sogar mitten in der Nacht aufgeschreckt, um die Fässer zu kontrollieren.

Fast kein Wein geworden

Die „Trockenbeerenauslese Nr. 15, Welschriesling Zwischen den Seen“ mit 368 Gramm Restzucker wäre fast kein Wein geworden, wie Kracher erzählt. Laut österreichischem Weingesetz muss ein Wein mindestens fünf Volumenprozent Alkohol aufweisen. Drei Anläufe bedurfte es, bis die Prüfer 5,2 Volumenprozent attestierten und auf dem Etikett die erlaubt aufgerundeten 5,5 zu lesen waren. Heute duftet dieser Wein nach frischen Marillen und trinkt sich jugendlich.

Schwierige Vater-Sohn-Beziehung

Alois Kracher starb 2007 im Alter von nur 48 Jahren. Die Beziehung zu seinem Vater sei schwierig gewesen, gibt Gerhard Kracher zu. „Er war viel härter zu mir als zu allen anderen“, erzählt er. Am härtesten sei Alois Kracher allerdings zu sich selbst gewesen, berichten Weggefährten. Sein Perfektionismus habe ihm mitunter im Wege gestanden. „Er ist von einem Ideal ausgegangen, das in der Realität nicht erreichbar ist“, sagt ein renommierter Weinkritiker.

Den größten Krach zwischen den beiden gab es, als Alois erfuhr, dass Sohn Gerhard sein Wirtschaftsstudium hingeschmissen hatte. „Er hat drei Monate nicht mit mir geredet“, erzählt Gerhard. Sein Vater hätte so gerne studiert, aber es war ihm nicht möglich gewesen. „Ich wollte aber unbedingt Winzer werden“, sagt er und bereut seinen damaligen Entschluss keine Sekunde. „Bitte erzählt das aber nicht meinen Kindern“, sagt er heute lächelnd.

Heute bewirtschaften Yvonne und Gerhard Kracher eine knapp siebenmal so große Rebfläche wie Alois Kracher am Beginn seiner Winzerlaufbahn. Der Jahrgang 1995 werde aber immer ein Meilenstein des Weinguts sein, betont Gerhard Kracher.

Quelle: https://www.kracher.at/news/aktuelles/newsdetail/volles-risiko-1?email=pmcac23%40aol.com

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