Kracher Winery: Vom Neusiedler See in die Welt

Mona HopfingerMona Hopfinger
Wein, Trauben und Fass am Neusiedler See, Österreich, mit Weltkarte
© Mit KI (Gemini) generiert

Das burgenländische Weingut Kracher hat sich als Spezialist für edelsüße Weine international einen Namen gemacht. Geschäftsführer Gerhard Kracher führt das Familienunternehmen in dritter Generation – mit 43 Mitarbeitern und Präsenz in über 50 Ländern.

Die Kracher Winery aus Illmitz am Neusiedler See zählt zu den renommiertesten Weinproduzenten Österreichs. Was als kleiner Mischbetrieb mit Schweinen, Hühnern und Getreide begann, entwickelte sich zu einem weltweit anerkannten Weingut. Der Großvater von Gerhard Kracher träumte davon, Winzer zu werden – 1959 wurde dieser Traum Realität und das Weingut offiziell gegründet.

Den Grundstein für den internationalen Erfolg legte Gerhards Vater, der 1981 die Leitung übernahm. Er organisierte hochkarätige Weinverkostungen und erschloss internationale Märkte. Ende der 1980er Jahre gelang bei einer Blindverkostung in London ein Durchbruch: Die Kracher-Weine traten gegen das weltberühmte Château d'Yquem an – und siegten. Die erste Bewertung durch Robert Parker im Jahr 1995 katapultierte die Marke ins globale Rampenlicht.

Generationswechsel mit 26 Jahren

Gerhard Kracher stieg zunächst nur zum Geldverdienen ins Familienunternehmen ein, fand sich aber rasch von der Weinwelt fasziniert. Nach dem frühen Tod seines Vaters übernahm er 2007 im Alter von 26 Jahren die Geschäftsführung. Heute beschäftigt das Unternehmen 43 Mitarbeiter und ist in mehr als 50 Ländern vertreten.

Parallel zum Weingut betreibt die Familie seit 2001 den Importbetrieb Kracher FineWine. Dieser vertreibt Weine aus Kalifornien, Bordeaux, Deutschland und Italien in ganz Österreich sowie an ausgewählte internationale Partner, darunter Kreuzfahrtschiffe und Freihandelszonen. Was als Hobby startete, ist zu einem eigenständigen Geschäftsbereich gewachsen.

70 Prozent edelsüß, 30 Prozent trocken

Das Sortiment besteht zu rund 70 Prozent aus edelsüßen und zu 30 Prozent aus trockenen Weinen. Das meistverkaufte Produkt ist die Beerenauslese Cuvée, ein Dessertwein, der weltweit glasweise in gehobenen Restaurants serviert wird. Die Grande Cuvée Trockenbeerenauslese erhielt bereits dreimal die seltene Höchstwertung von 100 Punkten durch Robert Parker. Bei trockenen Weinen spielt Welschriesling eine zentrale Rolle.

Das Weingut füllt nur herausragende Jahrgänge ab. „Wir sind die Nische der Nische der Nische“, beschreibt Gerhard Kracher die Positionierung. Das Terroir rund um Illmitz sei ideal für botrytisierte Weine. „Wir diktieren nicht, was produziert wird; die Region zeigt uns, was möglich ist“, erklärt er den nachhaltigen Ansatz des Betriebs.

Drei Boutique-Hotels und wachsendes Online-Geschäft

Zusätzlich zum Weingut führt die Familie drei Boutique-Hotels, die von Gerhards Ehefrau geleitet werden. Das Anwesen bietet Verkostungen in einem Garten unter Weinreben-Pergolas. In den vergangenen Jahren sei das Interesse jüngerer Weinliebhaber deutlich gestiegen, berichtet Kracher. Viele hätten den Namen durch ihre Eltern kennengelernt oder online entdeckt.

Der Vertrieb läuft fast ausschließlich über spezialisierte Händler, wobei E-Commerce zunehmend an Bedeutung gewinnt. „Unsere Importeure sagen dasselbe: Online-Kanäle sind keine Option mehr – sie sind essentiell“, so Kracher. Dennoch bleibe die physische Begegnung mit Wein unersetzlich.

Asien als Wachstumsmarkt, Nebenprojekte in den USA und Rumänien

Asien und insbesondere China gelten als wichtige Wachstumsmärkte. Das Unternehmen nimmt selektiv an Messen wie der ProWein oder der Vinexpo Paris teil, wenn wichtige Partner anwesend sind.

Gemeinsam mit dem Sommelier Aldo Sohm gründete Kracher das Label Sohm & Kracher, das sich auf Grüner Veltliner konzentriert und vor allem in den USA erfolgreich ist. Ein weiteres Projekt ist die Produktion von Eiswein in den Transsilvanischen Highlands in Rumänien, wo kalte Winter noch zuverlässig auftreten – eine Seltenheit in Mitteleuropa.

Trotz globaler Expansion bleibt Kracher ein Familienunternehmen. „Ich gehe so schnell nirgendwo hin, aber natürlich hoffe ich, dass eines Tages eines meiner Kinder übernimmt“, sagt Gerhard Kracher. „Wir denken nicht in Jahren oder Jahrzehnten. Wir denken in Generationen.“

Quelle: https://www.kracher.at/news/aktuelles/newsdetail/oesterreichs-meister-der-suessweine?email=rft61.82%40gmail.com

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