Krankentaxis: Pensionisten kämpfen mit hohen Kosten

Pia ProdingerPia Prodinger
Frau mit Brille und dunklem Haar steht vor einem Fenster mit grünen Pflanzen
© PVÖ

Strengere Bewilligungsregeln bei Krankentransporten belasten ältere Menschen finanziell massiv. Der Pensionistenverband fordert die Rücknahme der Einschränkungen und warnt vor unbezahlbaren Arztbesuchen.

Seit mehreren Monaten haben die Krankenkassen ihre Regelungen für die Bewilligung von Krankentransporten verschärft. Die Folge: Viele ältere Menschen müssen Fahrten zu Ärztinnen, Facharztterminen oder Therapien nun aus eigener Tasche bezahlen. Für zahlreiche Pensionistinnen und Pensionisten bedeutet das eine erhebliche finanzielle Belastung.

Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) macht auf die dramatischen Auswirkungen aufmerksam. Zwei aktuelle Fälle von Mitgliedern aus ländlichen Gebieten zeigen das Ausmaß der Problematik. Besonders in Regionen mit schlechter Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel wird der Zugang zur medizinischen Versorgung für viele Betroffene zur enormen Herausforderung.

„Pensionisten sind nicht die Bankomaten der Krankenkassen. Es kann nicht sein, dass ausgerechnet kranke ältere Menschen die Zeche für Sparmaßnahmen bezahlen müssen“, kritisiert PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer. Wer medizinische Versorgung brauche, dürfe nicht daran scheitern, dass der Weg zur Ärztin oder ins Spital unbezahlbar werde.

Bis zu 150 Euro pro Arzttermin

Eine Pensionistin, die auf einen Rollator angewiesen ist, kann nur kurze Strecken zurücklegen. Hausarzt, Spital und Fachärzte sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum oder gar nicht erreichbar. Seit dem Wegfall der Kostenübernahme muss sie für einen einzigen Arzttermin bis zu 150 Euro aufbringen – Kosten, die mit ihrer geringen Pension auf Dauer nicht finanzierbar sind.

Ein weiterer Fall betrifft eine Pensionistin, die nach mehreren Stürzen kaum noch mobil ist und regelmäßig Infusionsbehandlungen benötigt. Bereits der Weg zum Hausarzt ist nur mit dem Taxi möglich und verursacht bei jedem Besuch zusätzliche Kosten. Facharzttermine kann sie seit der Regelungsänderung praktisch nicht mehr wahrnehmen.

„Das sind leider keine Einzelfälle“, betont Gerstorfer. Diese Beispiele stünden für viele ältere Menschen, die notwendige Arzttermine verschieben oder ganz absagen müssten, weil sie sich die Anreise nicht mehr leisten könnten.

Ländliche Regionen besonders betroffen

Die verschärften Regelungen treffen ältere Menschen im ländlichen Raum besonders hart. Wo Busse selten fahren, Haltestellen weit entfernt sind oder medizinische Einrichtungen ohne Auto kaum erreichbar sind, ist ein Krankentaxi häufig die einzige realistische Option für ärztliche Versorgung.

„Nicht jede Pensionistin und nicht jeder Pensionist hat Angehörige, Nachbarn oder Freunde, die als Fahrdienst einspringen können“, erklärt Gerstorfer. Viele ältere Menschen lebten allein oder ihre Familien wohnten weit entfernt. Es dürfe nicht vom familiären Umfeld abhängen, ob jemand eine notwendige Behandlung wahrnehmen könne.

Forderung nach Rücknahme der Einschränkungen

Der PVÖ fordert die Krankenkassen und die Bundesregierung auf, die Einschränkungen bei der Kostenübernahme von Krankentaxis zurückzunehmen. Notwendige Fahrten zu medizinischen Behandlungen müssten wieder flächendeckend übernommen werden, wenn Betroffene aufgrund ihres Gesundheitszustandes oder fehlender Mobilitätsalternativen den Weg nicht selbst bewältigen können.

Für den Verband sind die Einschränkungen bei den Krankentransporten Teil einer besorgniserregenden Entwicklung. Immer mehr Kosten würden auf Patientinnen und Patienten abgewälzt – ausgerechnet auf jene Menschen, die besonders häufig medizinische Leistungen benötigen.

„Die ältere Generation wurde in den vergangenen Monaten bereits mehrfach zur Kasse gebeten: durch höhere Krankenversicherungsbeiträge, steigende Selbstbehalte und den Wegfall beziehungsweise die Einschränkung wichtiger Leistungen“, so Gerstorfer. Die Verschärfung bei den Krankentaxis sei ein weiterer Schritt in die falsche Richtung und widerspreche dem Grundgedanken des solidarischen Gesundheitssystems.

Der PVÖ fordert eine Rückkehr zu einer patientenorientierten Regelung. Es sei eine Kernaufgabe des Staates, allen Menschen einen flächendeckenden und gleichberechtigten Zugang zur medizinischen Versorgung zu gewährleisten – unabhängig vom Wohnort und unabhängig von der finanziellen Situation. „Gesundheit darf keine Frage der Geldbörse sein“, betont die Präsidentin abschließend.

Quelle: https://pvoe.at/kaernten/themen/aktuelles/news/detail/verschaerfte-regeln-fuer-krankentaxis-bringen-aeltere-menschen-in-existenzielle-not

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