Kreislaufwirtschaft: Aquaponik und Agri-PV in der Praxis

Das „Team Kreislaufwirtschaft“ besuchte am 4. September zwei innovative Landwirtschaftsbetriebe in der Region Melk-Scheibbs. Dabei standen ein Aquaponik-System sowie eine Agri-PV-Anlage über Beerenkulturen im Fokus.
Beim vierten Netzwerktreffen des „Team Kreislaufwirtschaft“ stand die praktische Anwendung von Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft im Zentrum. Die Teilnehmer besuchten im Rahmen der „Zukunft Höfe-Tour“ der Kreislauf-Region Melk-Scheibbs zwei Betriebe mit unterschiedlichen, aber gleichermaßen innovativen Konzepten.
Die Praxisbeispiele zeigten auf, wo Kreislauflösungen bereits funktionieren, welche Synergien möglich sind und wo technische, rechtliche oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen noch Weiterentwicklung benötigen.
Fischzucht und Gemüseanbau in einem System
Am Hof Aichberger verbindet ein Aquaponik-System die Zucht von 500 Welsen mit Gemüseanbau: Fischnährstoffe versorgen die Pflanzen, nach einem halben Jahr werden die Fische vermarktet, das Gemüse dient Eigenverbrauch und Verkauf – relevant für Österreichs niedrigen Selbstversorgungsgrad bei beidem. Diskutiert wurden auch offene Punkte wie hygienische Risiken beim noch unfertigen geschlossenen Wasserkreislauf sowie Rahmenbedingungen zur Bio-Zertifizierung, da Fischfutter, Wasserkultivierung und noch nicht überall zugelassene Alternativfuttermittel wie Insektenprotein die Zertifizierung beeinflussen.
Beeren unter Photovoltaik-Modulen
Auf rund 1,7 Hektar Beerenkultur errichtete die Familie Wurzer eine Agri-PV-Anlage: Rund 2.000 Heidelbeersträucher wachsen dort gemeinsam mit Himbeeren, Brombeeren und Paradeisern unter beziehungsweise zwischen den rund drei Meter hohen PV-Modulen.
Das Projekt zeigt, wie sich landwirtschaftliche Flächen mehrfach nutzen und gleichzeitig zusätzliche regionale Wertschöpfung schaffen lässt. Neben der landwirtschaftlichen Produktion entsteht erneuerbarer Strom, der über die „EEG Strombeeren“ gemeinschaftlich genutzt beziehungsweise vermarktet wird.
Für die Anlage setzten die Betreiber bewusst auf regionale Profile, um die regionale Wertschöpfung zu stärken. Als Demonstrationsanlage sammelt das Projekt zudem Erfahrungen für weitere Vorhaben: Geprüft wird unter anderem, ob sich der Ansatz auf andere landwirtschaftliche Kulturen und Standorte übertragen lässt.
Austausch und Perspektiven
Die „Zukunft Höfe-Tour“ zeigte vielfältige Wege zu einer ressourcenschonenden Landwirtschaft – wertvoll waren vor allem die direkten Einblicke und der offene Erfahrungsaustausch. Für das „Team Kreislaufwirtschaft“ lieferte die Exkursion neue Perspektiven, die in die Netzwerkarbeit und künftige Kooperationen einfließen. Das fünfte Netzwerktreffen findet voraussichtlich am 5. Dezember statt, der Themenschwerpunkt folgt in Kürze.
Quelle: https://oberoesterreich.klimabuendnis.at/netzwerktreffen-4-nachbericht
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