Landwirt hält trotz Verbot weiter Tiere in Niederösterreich

Der Verein gegen Tierfabriken hat zum vierten Mal Anzeige gegen einen Mastbetrieb im Bezirk St. Pölten-Land erstattet. Trotz Tierhaltungsverbot soll der Landwirt weiterhin im Stall arbeiten und Tiere misshandeln.
Ein Mastbetrieb im Bezirk St. Pölten-Land steht erneut im Fokus des Vereins gegen Tierfabriken (VGT). Die Tierschutzorganisation hat zum vierten Mal Strafanzeige wegen Tierquälerei erstattet. Laut VGT haben sich die Zustände seit den letzten Aufdeckungen nicht verbessert: Rinder stehen in Gülle, unterernährte Schafe und Ziegen werden unzureichend versorgt. Neue Videoaufnahmen sollen zeigen, dass der Landwirt trotz eines gegen ihn verhängten Tierhaltungsverbots weiterhin im Stall tätig ist und Tiere misshandelt.
Der Betreiber war bereits wegen Tierquälerei vor Gericht gestanden, das Verfahren endete mit einer Diversion. Im Mai 2023 wurde gegen ihn ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen. Offiziell wird der Mastbetrieb nun von Familienmitgliedern weitergeführt.
Verwahrloste Ställe und hohe Sterblichkeit
Die dem VGT zugespielten Bildmaterialien zeigen nach Angaben der Organisation einen heruntergekommenen Stallkomplex. Die Bereiche seien verdreckt, keine saubere Tränke sei zu sehen. Rinder stehen tief in flüssigen Fäkalien, zahlreiche Tiere wirken krank. Sie husten, haben geschwollene Euter oder Hautveränderungen.
Videos sollen zeigen, wie der verurteilte Landwirt eine Ziege an den Hörnern über eine Buchtenwand zerrt. Eine weitere Person schlage mehrfach mit einer Mistgabel auf Tiere ein. Sterbende Tiere liegen laut VGT hilflos in den Buchten, Müllkübel seien voller Tierleichen. Die dokumentierte Sterblichkeit habe in vier Monaten – von Anfang April bis Anfang August 2026 – bei 249 Tieren gelegen, durchschnittlich rund zwei Tiere pro Tag.
Behörden gründeten Taskforce
Nach den Anzeigen des VGT in den Jahren 2022 und 2023 reagierten die zuständigen Behörden mit der Gründung einer „Taskforce Tierschutz“. Der Betrieb sollte zeitweilig im Zwei-Wochen-Takt kontrolliert werden. Die aktuellen Aufnahmen bestätigen laut VGT den Verdacht, dass der Landwirt weiterhin mit den Tieren tätig ist.
Tierhaltungsverbote unterliegen dem Paragrafen 39 des Bundestierschutzgesetzes. In der Praxis hängt es vom individuellen behördlichen Bescheid ab, was konkret vom Tierhaltungsverbot umfasst ist. In der Regel ist damit nicht nur die Haltung von Tieren verboten, sondern auch deren Betreuung.
VGT-Campaigner David Richter verfolgt den Fall bereits seit 2013: „Es ist nicht zu fassen, dass die Behörden in Österreich derart unwillig oder machtlos sind, wenn es um Tierquälerei im landwirtschaftlichen Bereich geht. Seit 13 Jahren ist dieser Betrieb amtsbekannt, seit 2022 beweisen Foto- und Videoaufnahmen unverändert schreckliche Zustände.“ Er verlangt Antworten von der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten-Land und dem Land Niederösterreich, warum bisher nichts unternommen wurde.
Petition und Demonstration geplant
Der VGT startet anlässlich der aufgedeckten Fälle eine neue Petition. Gefordert werden eine Erhöhung der Kontrollfrequenzen, eine Anhebung der Maximalstrafen für Tierquälerei sowie mehr Transparenz hinsichtlich akuter Missstände für die Öffentlichkeit. Im Bezug auf den aktuellen Betrieb fordert der VGT die endgültige Schließung, die Durchsetzung des Tierhaltungsverbots sowie die Abnahme der Tiere.
Der VGT ruft zur Demonstration vor dem Betrieb auf. Treffpunkt für den Demomarsch ist Donnerstag, 27. August 2026, um 16 Uhr in der Kremser Straße 1, 3133 Traismauer. Die Demonstration zieht dann gemeinsam zum Betrieb, wo sie ab etwa 16.30 Uhr erwartet wird.
Quelle: OTS
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