Landwirte leiden häufiger unter Depressionen und Angst

Mathias FischerMathias Fischer
Bauernhof mit gestresstem Landwirt und Anzeichen von Depression, Angst und Stress
© Mit KI (Gemini) generiert

Österreichs Bäuerinnen und Bauern sind psychisch stärker belastet als die Gesamtbevölkerung. Eine Studie der Donau-Universität Krems zeigt deutlich erhöhte Werte bei Depressionen, Angstzuständen und Stress.

Die psychische Gesundheit von Landwirten in Österreich gibt Anlass zur Sorge. Eine Untersuchung der Donau-Universität Krems belegt, dass Bäuerinnen und Bauern deutlich höhere psychische Belastungen aufweisen als die Allgemeinbevölkerung. Das Forschungsteam befragte rund 2.000 Landwirte online und verglich die Ergebnisse mit einer repräsentativen Stichprobe österreichischer Erwachsener.

Die Resultate wurden im Fachjournal „Scientific Reports“ veröffentlicht. Demnach berichten Landwirte signifikant häufiger von Depressionen (28,0 Prozent gegenüber 21,4 Prozent), Angstzuständen (31,1 Prozent gegenüber 14,6 Prozent), Schlaflosigkeit (15,3 Prozent gegenüber 9,0 Prozent) und wahrgenommenem Stress (66,9 Prozent gegenüber 51,0 Prozent). Auch Suizidgedanken treten in der Landwirtschaft häufiger auf als in der Gesamtbevölkerung.

Vielfältige Belastungen außerhalb der Kontrolle

Das Team um Elke Humer vom Department für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie beschreibt die Landwirtschaft als stressreichen Beruf mit zahlreichen unkontrollierbaren Risikofaktoren. Extreme Wetterereignisse wie die anhaltende Dürre heuer, schwankende Marktbedingungen, geringe Gewinnspannen, Tier- und Pflanzenkrankheiten sowie unregelmäßige Arbeitszeiten würden zu emotionaler Belastung führen.

Die Folgen betreffen nicht nur die Betroffenen selbst. Ein schlechtes psychisches Wohlbefinden könne sich auch auf landwirtschaftliche Familienbetriebe, Produktivität, Tiergesundheit und die Nachhaltigkeit im ländlichen Raum auswirken, heißt es in der Studie.

Keine geschlechtsspezifischen Unterschiede

Auffällig ist, dass die in der Allgemeinbevölkerung üblichen geschlechtsspezifischen Unterschiede – etwa höhere Depressionsraten bei Frauen – in der Landwirtschaft nicht feststellbar waren. Sowohl männliche als auch weibliche Landwirte seien ähnlichen berufsbedingten Stressfaktoren wie finanziellem Druck, sozialer Isolation und langen Arbeitszeiten ausgesetzt, erklärte Humer gegenüber der APA.

Einzig beim Alkoholmissbrauch lag die Rate bei Landwirten mit 15,8 Prozent niedriger als in der Allgemeinbevölkerung mit 20,7 Prozent.

Suizidgedanken und regionale Unterschiede

In einer weiteren Analyse, veröffentlicht im Fachjournal „Archives of Suicide Research“, zeigte Humers Team, dass 19,7 Prozent der Landwirte von Suizidgedanken berichten – verglichen mit 14,3 Prozent in der Gesamtbevölkerung. Als wichtigste Risikofaktoren identifizierten die Forschenden finanzielle Not und hohe Arbeitsbelastung.

Landwirte in Ostösterreich weisen im Vergleich zu jenen in Westösterreich ein höheres Suizidrisiko auf. Schutzfaktoren seien körperliche Aktivität außerhalb der Arbeit und das Leben in einer Partnerschaft.

Bürokratie als größte Belastung

Bei der Analyse arbeitsbedingter Stressfaktoren, publiziert im „Journal of Rural Studies“, nannten die Befragten Bürokratie als größte Belastung, gefolgt von Agrarpolitik, Preisschwankungen und hoher Arbeitsbelastung. Männer gaben höheren Stress durch Tierschutzaktivismus, öffentlichen Druck und politische Maßnahmen an. Frauen empfinden mehr Stress durch Pflege, körperliche Arbeit und Generationenkonflikte.

Die Online-Umfrage fand zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 statt.

Forderung nach maßgeschneiderten Hilfsangeboten

Die Studienautorinnen und -autoren sehen dringenden Bedarf an maßgeschneiderten, niederschwelligen Interventionen im Bereich der psychischen Gesundheit. Diese sollten auf die spezifischen Stressfaktoren von Landwirten zugeschnitten sein und Finanzberatung, Netzwerke zur gegenseitigen Unterstützung sowie psychotherapeutische Betreuung umfassen.

Hilfsangebote: Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige finden Unterstützung auf dem Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei unter 142 erreichbar. Informationen für Jugendliche gibt es unter www.bittelebe.at.

Studien: Scientific Reports, Archives of Suicide Research, Journal of Rural Studies

Quelle: APA

Worüber spricht Niederösterreich morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.