Lanzenkirchen auf Bourbonen-Spurensuche in Italien

Mathias FischerMathias Fischer
Gruppe von Personen steht auf einer Treppe vor einem Gebäude
© Marktgemeinde Lanzenkirchen

Die Marktgemeinde Lanzenkirchen besuchte vier Tage lang historische Stätten in Gorizia, Venedig, Triest und Nova Gorica. Im Fokus standen Orte mit Verbindung zu den französischen Bourbonen und Schloss Frohsdorf.

Eine viertägige Reise führte Vertreter der Marktgemeinde Lanzenkirchen nach Norditalien und Slowenien. Ziel war es, jene Orte zu besuchen, die eng mit den französischen Bourbonen und damit auch mit Schloss Frohsdorf verbunden sind. Persönliche Begegnungen vor Ort ermöglichten Zugang zu Sammlungen und Stätten, die unmittelbar mit der Geschichte Frohsdorfs zusammenhängen.

Görz als Doppelstadt an der Grenze

Den Auftakt bildete am Donnerstag Görz, das heute als Doppelstadt zu beiden Seiten der italienisch-slowenischen Grenze existiert. Das italienische Gorizia zählt rund 34.000 Einwohner, das slowenische Nova Gorica rund 32.000. Die Teilung entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, seit dem EU-Beitritt Sloweniens sind die beiden Städte wieder eng verbunden.

Dr. Stefano Cosma, Direktor des Museo della Civiltà Contadina del Friuli Imperiale in Aiello del Friuli, führte die Gruppe durch Gorizia. Der Autor und Journalist beschäftigt sich seit seiner Jugend mit der Geschichte der französischen Bourbonen und organisierte bereits mit 19 Jahren anlässlich des 150. Todestages von König Karl X. seine erste Bourbonen-Ausstellung.

Der Rundgang führte unter anderem zum Palazzo Strassoldo und zum Palazzo Lantieri, beide mit den Bourbonen verbunden, sowie zum Dom. Cosma zeigte zugleich Spuren des alten, multikulturellen Görz.

Empfang im ehemaligen Winterpalast in Venedig

Am Freitag stand Venedig auf dem Programm. Nach einer Stadtführung empfingen Sebastiano Pedrocco, Kanzler des Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti, und Dott. Antonio Metrangolo die Gruppe im Palazzo Cavalli-Franchetti.

Der Palazzo diente bis 1866 als Winterresidenz von Henri, Comte de Chambord, der ansonsten überwiegend auf Schloss Frohsdorf lebte. Heute ist dort das Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti untergebracht. Der Empfang ermöglichte einen Einblick in den ehemaligen venezianischen Wohnsitz des Comte de Chambord.

Ein Teil der Gruppe besuchte anschließend die Ca' Pesaro. Im dortigen Museo d'Arte Orientale führte Direktorin Dott.ssa Marta Boscolo Marchi durch die Sammlung. Auch dieses Museum hat direkten Bezug zu Frohsdorf: Sein Bestand geht wesentlich auf die Sammlung Heinrichs von Bourbon-Parma, Graf von Bardi, zurück. Er war der jüngere Bruder Herzog Roberts I. von Bourbon-Parma und verbrachte einen großen Teil seiner Jugend auf Schloss Frohsdorf bei seinem Onkel Henri, Comte de Chambord. Auf seinen Reisen nach Asien erwarb er rund 30.000 Objekte.

Grenzüberschreitende Weinkultur

Der Samstag war zunächst Triest gewidmet. Am Abend lud Miha Valentinčič, Direktor von Wines CRU Maria Theresia, zu einem gemeinsamen Abend mit Winzern aus dem italienischen und slowenischen Teil des Görzer Raumes ein. Auch Samo Turel, Bürgermeister von Nova Gorica, nahm daran teil.

Wines CRU Maria Theresia ist eine grenzüberschreitende Vereinigung von Winzern aus dem italienischen und slowenischen Teil der historischen Weinregion um Görz. Ihr gemeinsamer Bezugspunkt ist eine unter Kaiserin Maria Theresia entstandene Klassifikation der Weinlagen der damaligen Grafschaft Görz und Gradisca.

Die Winzer präsentierten ihre Weine und regionale Spezialitäten. Der Abend bot Gelegenheit zum persönlichen Austausch und führte zu konkreten Überlegungen für eine weitere Zusammenarbeit. Die Marktgemeinde hofft, einige der Winzer in absehbarer Zeit in Lanzenkirchen begrüßen zu können.

Kranzniederlegung in der Bourbonengruft

Am Sonntag besuchte die Gruppe das Franziskanerkloster Kostanjevica in Nova Gorica. Pater Boštjan Horvat OFM feierte die Sonntagsmesse, die gleichzeitig als Kindermesse zum Schulbeginn gestaltet war. Die Pfarrgemeinde begrüßte die Gruppe, Bürgermeister Bernhard Karnthaler wurde eingeladen, die zweite Lesung vorzutragen.

Auch die Stadt Gorizia war vertreten. Maurizio Negro nahm in Vertretung von Bürgermeister Rodolfo Ziberna an der Messe teil.

Im Anschluss erhielten die Besucher eine Führung durch das Kloster. Andrea Popov aus Frohsdorf übernahm die Simultanübersetzung. Danach versammelte sich die Gruppe gemeinsam mit den Franziskanern und dem Pater Superior in der Bourbonengruft unter dem Kloster. Hier befinden sich die Gräber von König Karl X. von Frankreich und weiterer Mitglieder der Familie. Im Rahmen einer kleinen Feier wurde ein Kranz der Marktgemeinde Lanzenkirchen niedergelegt und gemeinsam gebetet.

Karl X. verbrachte seine letzten Lebensmonate in Görz. Sein Enkel Henri, Comte de Chambord, lebte später über Jahrzehnte in Frohsdorf. Die Reise führte damit zu mehreren Orten, die unmittelbar zur Geschichte jener Familie gehören, die Schloss Frohsdorf im 19. Jahrhundert geprägt hat.

Bei den verschiedenen Empfängen überreichte die Marktgemeinde ihren Gastgebern Geschenke aus Lanzenkirchen. Vor allem aber konnten während der vier Tage zahlreiche persönliche Kontakte geknüpft und bestehende Verbindungen vertieft werden. Die ersten Gegenbesuche in Lanzenkirchen sind bereits im Gespräch.

Quelle: https://www.lanzenkirchen.gv.at/Bourbonen-Reise_der_Marktgemeinde_Lanzenkirchen

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