Lehrmitteltafel zeigt Viskose-Geschichte der 1930er

Mona HopfingerMona Hopfinger
Ausstellungsvitrine mit Textilien, Nähutensilien und historischen Dokumenten aus Zellwolle und Reißwolle
© fachschulen.odilien.at

Eine historische Lehrmitteltafel der Firma Hübner aus den 1930er Jahren dokumentiert die Entwicklung der Viskose in der deutschen Textilindustrie. Ergänzt wird sie durch alte Schachteln, Materialproben und Firmenlogos.

Das zentrale Ausstellungsstück ist eine Lehrmitteltafel aus den 1930er Jahren, hergestellt von der deutschen Firma Hübner. Drumherum gruppieren sich alte Schachteln, Materialproben, historische Firmenlogos, moderne Modefotografien, textile Musterzeichnungen, Bordüren und Pflanzenteile.

Die Zusammenstellung wirkt „vintage“ und erzeugt beim Betrachten eine persönliche Perspektive. Die Schautafel dokumentiert die Entwicklung der Viskose in der deutschen Textilindustrie.

Vom Holz zur Spinnflüssigkeit

Aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz wurde Zellwolle produziert. Das Holz wurde gehobelt, gekocht und mit großen Mengen Natronlauge, Schwefelkohlenstoff und Schwefelsäure behandelt. Am Ende stand eine Spinnflüssigkeit. Die Umweltbelastung durch diesen Prozess war enorm.

Vistra, Zellwolle oder Viskose galt damals als Ersatz für Baumwolle und wurde im großen Stil im Land hergestellt. Wirtschaftskrisen und Krieg hatten lange Handelswege erschwert. Erdöl und damit Kunstfasern standen erst ab 1940 zur Verfügung.

In der Lehrmittelgestaltung fanden die ökologischen Nachteile der Produktion keine Erwähnung. Argumente, die der Wirtschaftsideologie widersprachen, wurden ausgelassen. Buchtitel wie „Das weiße Gold Deutschlands“ zeigen den Profilgedanken, der mit der Viskoseproduktion in Deutschland verbunden war.

Reißwolle als frühe Recycling-Methode

Die Herstellung der Reißwolle war eines der ersten industriell nachhaltigen Recyclingverfahren. Altstoffe und Altkleider wurden zerfetzt und mit stahlbesetzten Walzen bearbeitet, bis sie in ihre Faserstoffe zerfielen. Daraus konnten wieder neue Garne gesponnen werden. Dieses Verfahren liegt dem heutigen Recyclinggedanken nahe und hätte damals als Vorbild für die künftige Textilindustrie dienen können.

Frakturschrift auf der Schautafel

Die Vintage-Schautafel trägt einen Text in deutscher Frakturschrift. Diese Schriftform wurde vom 16. Jahrhundert bis 1941 – rund 500 Jahre lang – in Deutschland für alle Printmedien wie Bücher und Bibeln verwendet. Im Nationalsozialismus wurde sie per Erlass abgeschafft.

Die Kurrentschrift ist im Unterschied dazu eine reine Schreibschrift, die Menschen immer nur mit der Hand geschrieben haben.

Quelle: https://fachschulen.odilien.at/zur-geschichte-der-viskose

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