Lenzing steigert Marge trotz Umsatzrückgang

Der Faserhersteller Lenzing hat in den ersten neun Monaten 2026 die Profitabilität verbessert. Die bereinigte EBITDA-Marge kletterte auf 18,3 Prozent, während der Umsatz leicht auf 1,93 Milliarden Euro sank.
Lenzing erzielte von Jänner bis September 2026 Erlöse von 1,93 Milliarden Euro – ein Minus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (1,97 Mrd. Euro). Verantwortlich dafür waren vor allem geringere Absatzmengen durch das bewusste Drosseln der Standardfaserproduktion sowie niedrigere Zellstoffpreise. Das Marktumfeld blieb volatil, geprägt von geopolitischen Spannungen wie dem Iran-Konflikt, handelspolitischen Unsicherheiten und erhöhten Energie- sowie Chemikalienkosten.
Das bereinigte EBITDA blieb mit 353 Millionen Euro nahezu stabil (Vorjahr: 352,7 Mio. Euro). Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich von 17,9 auf 18,3 Prozent. Besonders deutlich zeigte sich der Fortschritt im dritten Quartal: Die bereinigte Marge stieg im Jahresvergleich um 4,0 Prozentpunkte von 13,3 auf 17,3 Prozent.
Das nicht bereinigte EBITDA sank um 7 Prozent auf 316,4 Millionen Euro (Vorjahr: 340,4 Mio. Euro). Belastend wirkten Restrukturierungskosten von 36,6 Millionen Euro im Zuge der strategischen Neuausrichtung. Die EBITDA-Marge lag bei 16,4 Prozent.
Wertberichtigungen drücken Betriebsergebnis ins Minus
Das Betriebsergebnis (EBIT) rutschte auf minus 55,1 Millionen Euro (Vorjahr: plus 20,6 Mio. Euro). Hauptgrund waren nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen auf langfristige Vermögenswerte der Standorte Heiligenkreuz und Grimsby in Höhe von 136,1 Millionen Euro. Im Vorjahr waren 82 Millionen Euro auf Assets in Indonesien abgeschrieben worden.
Das Ergebnis vor Steuern belief sich auf minus 126,9 Millionen Euro (Vorjahr: minus 98,7 Mio. Euro), das Ergebnis nach Steuern auf minus 130,3 Millionen Euro (Vorjahr: minus 105 Mio. Euro). Bereinigt um Wertberichtigungen und Restrukturierungseffekte lag das Ergebnis nach Steuern bei plus 42,4 Millionen Euro – nach minus 10,8 Millionen Euro im Vorjahr.
Die Investitionen (CAPEX) stiegen leicht auf 97 Millionen Euro (Vorjahr: 93,2 Mio. Euro). Schwerpunkte waren eine neue Holzverarbeitungsanlage und ein Projekt zur Verbesserung der Wasserversorgung am Standort Lenzing.
Strategie „Grow Nonwovens. Reset Textile“ zeigt Wirkung
Georg Kasperkovitz, CEO der Lenzing Gruppe, sieht im dritten Quartal einen „wichtigen Meilenstein in der Neuausrichtung“. Die im Juli beschlossene Strategie setze einen klaren Fokus auf Profitabilität. „Die stabile Ergebnisentwicklung und die verbesserte Marge zeigen, dass unsere Maßnahmen Wirkung entfalten“, so Kasperkovitz. Bis Jahresende sollen weitere Weichen zur Optimierung von Produktportfolio und Produktionsnetzwerk gestellt werden.
Im Zentrum der Transformation steht das profitable Wachstum im Vliesstoffgeschäft, die Konzentration auf differenzierte Premium- und Spezialanwendungen im Textilgeschäft sowie die Stärkung des Zellstoff- und Bioraffineriebereichs. Gleichzeitig zieht sich Lenzing schrittweise aus margenschwachen Standardfasersegmenten und teuren Produktionsstandorten zurück.
Kostenprogramm: 600 Stellen werden abgebaut
Nach Einsparungen von über 200 Millionen Euro im Jahr 2025 sollen bis Ende 2027 weitere 120 Millionen Euro eingespart werden. Darin enthalten sind jährliche Personalkosteneinsparungen von 45 Millionen Euro durch den Abbau von rund 600 Positionen, überwiegend in administrativen Bereichen. Bis Ende September 2026 waren bereits mehr als 260 Vollzeitäquivalente rechtlich beendet, was annualisiert 27 Millionen Euro einspart. Weitere 35 Millionen Euro sollen durch Optimierungen bei Energie und operativen Kosten erzielt werden.
Im Rahmen der Netzwerkoptimierung läuft der Verkaufsprozess für den indonesischen Faserstandort. Die Produktion in Heiligenkreuz soll bis Ende des ersten Quartals 2027 eingestellt werden, jene in Grimsby bis Ende 2027. Für beide Standorte werden wertoptimierte Verkaufsoptionen geprüft. In Österreich wurde der Personalabbau in Heiligenkreuz fristgerecht beim AMS gemeldet.
Zum 30. September 2026 beschäftigte Lenzing 7.374 Vollzeitäquivalente (31. Dezember 2025: 7.738).
Finanzstruktur gestärkt
Im Oktober 2026 schloss Lenzing eine Kapitalerhöhung über rund 300 Millionen Euro ab. Zusätzlich wurden neue Finanzierungsvereinbarungen von ebenfalls rund 300 Millionen Euro getroffen, von denen bereits rund die Hälfte verbindlich vereinbart ist. Die vollständige Umsetzung wird bis Jahresende 2026 erwartet und soll zusätzliche finanzielle Flexibilität für die strategische Transformation schaffen.
Die Nettofinanzverschuldung lag per 30. September 2026 bei 1.418,9 Millionen Euro (31. Dezember 2025: 1.350,1 Mio. Euro). Die bereinigte Eigenkapitalquote sank auf 26,6 Prozent (31. Dezember 2025: 29,6 Prozent).
Ausblick: EBITDA soll auf bis zu 460 Millionen Euro steigen
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Lenzing mit einem bereinigten EBITDA zwischen 430 und 460 Millionen Euro – über dem Vorjahreswert von 425,6 Millionen Euro. Die strategische Transformation unter „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ soll konsequent fortgesetzt werden.
Geplant sind Kapazitätsumstellungen von Textil- auf Vliesstofffasern, Portfolioerweiterungen im Hygiene- und Filtersegment sowie die Entwicklung neuer Fasern. Im Textilgeschäft stehen Premiumsegmente, Spezialitätenlösungen und strategische Kundenpartnerschaften im Fokus. Innovative Technologien wie TreeToTextile und LENZING™ Nonwoven Technology sollen das Wachstum beider Bereiche unterstützen.
Mittelfristig strebt Lenzing wieder Umsatzwachstum an, eine EBITDA-Steigerung um 150 Millionen Euro, eine EBITDA-Marge von 20 bis 25 Prozent sowie einen Verschuldungsgrad (Leverage) unter 2,5x. Der tatsächliche Geschäftsverlauf könne jedoch von geopolitischen und wirtschaftlichen Faktoren sowie der Branchenzyklizität beeinflusst werden.
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