Leoncillo-Retrospektive in Mailand zeigt 40 Jahre Keramikkunst

Die Galerie Thaddaeus Ropac in Mailand widmet dem italienischen Künstler Leoncillo Leonardi bis 14. November 2026 eine umfassende Ausstellung. Gezeigt werden Skulpturen und Arbeiten auf Papier aus vier Jahrzehnten, die seine innovative Arbeit mit Terrakotta dokumentieren.
In der Mailänder Galerie Thaddaeus Ropac läuft bis 14. November 2026 die Schau „Perché più bruci“, kuratiert von Lorenzo Fiorucci, Alberto Salvadori und Azalea Seratoni. Es ist die erste Einzelausstellung des italienischen Künstlers Leoncillo Leonardi bei der Galerie und zugleich der Auftakt einer Trilogie zu seinem Werk. Die Ausstellung markiert den Beginn der Vertretung der Fondazione Leoncillo durch Thaddaeus Ropac.
Alberto Salvadori erläutert gegenüber askanews das Konzept: Die Ausstellung zeige 40 Jahre künstlerisches Schaffen Leoncilos. Der rote Faden durch alle gezeigten Skulpturen sei eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Körper – einem Körper, der eng mit der Natur verbunden ist. Zu sehen sei unter anderem eine außergewöhnliche Zeichnung von Olivenstämmen aus den 1930er-Jahren. Diese Verwurzelung in jahrhundertealten Traditionen habe Leoncillo durch die konsequente Verwendung eines einzigen Materials neu interpretiert, dekonstruiert und erfunden.
Terrakotta als blutiges Fleisch
Lorenzo Fiorucci beschreibt die besondere Qualität des Materials: Terrakotta nehme besonders in der Informel-Periode eine visuelle Eigenschaft an. Sie werde zu blutigem, verbranntem, geschnittenem und gequältem Fleisch, das den existenziellen Schmerz eines rastlosen, aber brillant kreativen Geistes ausdrücke. Salvadori ergänzt, Leoncillo sei einer der ganz wenigen, wenn nicht der einzige italienische Künstler des 20. Jahrhunderts, der ausschließlich mit diesem Medium gearbeitet habe.
Die Ausstellung vereint Skulpturen und Papierarbeiten aus vier Jahrzehnten und macht die Kohärenz des künstlerischen Wegs sichtbar. Sie verbindet die subversive Kraft, mit der Leoncillo die Ausdrucksmöglichkeiten von Ton neu definierte und ihn zu einer der innovativsten Sprachen der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts transformierte.
Restaurierte Taube als Schlüsselwerk
Fiorucci stellt abschließend die „Colomba“ von 1952–53 vor: Dank der Fondazione Leoncillo und Thaddaeus Ropac sei es gelungen, dieses Werk vollständig zu restaurieren und den ursprünglichen Aufhängemechanismus zu reaktivieren. Es sei das einzige bekannte Werk Leoncilos, das für eine Hängung konzipiert wurde.
In einem Brief an Roberto Longhi aus dem Jahr 1954 habe Leoncillo über diese Arbeit geschrieben: „Am Ende der Biennale 1952 entwickelte ich eine neue Idee, in der die Ebenen wieder rund werden, und zum ersten Mal sah ich dieses Bild vollständig.“ Es sei das Bild einer Bewegung – eine Taube, die sich bewegt, den Raum erobert, wobei die Farbe funktional für diese Bewegung werde.
Das Werk stelle einen echten Wendepunkt dar, so Fiorucci. Es schließe die post-kubistische Phase ab und säe den Samen für die spätere naturalistische, informelle Schaffensperiode. Es sei nicht nur ein bisher unveröffentlichtes, sondern auch ein Schlüsselwerk in Leoncilos Karriere.
Quelle: https://ropac.net/news/3113-perche-piu-bruci-leoncillo-exhibited-at-thaddaeus-ropac-in-milan
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