Lernsoftware soll individuelle Förderung erleichtern

Pia ProdingerPia Prodinger
Schüler mit Stift im Unterricht, mit anderen Kindern im Hintergrund
© Tima Miroshnichenko / Pexels (Symbolbild)

In Schulklassen mit 20 oder mehr Kindern stellt die individuelle Förderung Lehrkräfte vor große Herausforderungen. Ein Salzburger Anbieter hat eine Kompetenzdiagnose entwickelt, die automatisch passende Übungen zuordnet.

Unterschiedliche Lernstände innerhalb einer Klasse bedeuten für Lehrerinnen und Lehrer einen hohen zusätzlichen Aufwand. Sie müssen feststellen, auf welchem Niveau sich jedes Kind befindet, passende Übungen auswählen und diese laufend an den individuellen Lernfortschritt anpassen. Der Salzburger Lernsoftware-Anbieter LernMax hat dafür mit KIMARO eine Kompetenzdiagnose entwickelt, die Lehrkräfte bei diesem Prozess unterstützen soll.

Zu Beginn absolvieren Schülerinnen und Schüler einen Kompetenzcheck in Deutsch oder Mathematik. Die Auswertung zeigt auf, welche Inhalte bereits sicher beherrscht werden und in welchen Bereichen noch Förderbedarf besteht. Auf Grundlage dieser Ergebnisse erstellt das System automatisch passende Übungen und weist sie den einzelnen Kindern zu.

Volksschulpädagogin sieht Entlastung im Unterricht

Sonja Oberkirchner, Volksschulpädagogin an der Volksschule Adnet, setzt die Software seit längerer Zeit sowohl im Unterricht als auch für Hausübungen ein. Den herkömmlichen Weg beschreibt sie als deutlich zeitintensiver. Für jedes Kind müsse zunächst erhoben werden, wo Schwierigkeiten bestehen. Anschließend seien geeignete Übungen auszuwählen und individuell auf den jeweiligen Lernstand abzustimmen.

Gerade in Klassen mit 20 oder mehr Schülerinnen und Schülern entstünden viele unterschiedliche Förderbedarfe. Zudem müssten die Übungsangebote laufend angepasst werden, sobald Lernfortschritte erzielt werden oder neue Herausforderungen auftreten.

„Die Kompetenzdiagnose liefert mir zunächst eine strukturierte Grundlage, und anschließend werden passend zu den Ergebnissen individuelle Übungen vorgeschlagen beziehungsweise direkt zugeordnet“, erklärt Oberkirchner. Die pädagogische Verantwortung bleibe dabei bei der Lehrperson, ein besonders zeitaufwendiger Teil der Differenzierung werde jedoch deutlich vereinfacht.

Lehrkraft entscheidet weiterhin selbst

Die Software soll die pädagogische Arbeit nicht ersetzen. Nach der Kompetenzdiagnose erhalten Lehrkräfte eine detaillierte Auswertung und entscheiden selbst, wie die Ergebnisse im Unterricht genutzt werden. Oberkirchner betont: „Digitale Lernangebote können und sollen den Unterricht und die Arbeit der Lehrperson nicht ersetzen. Sie können aber eine wertvolle Ergänzung sein.“

LernMax lässt sich auch unabhängig von der Kompetenzdiagnose nutzen. Lehrkräfte können eigenständig festlegen, welche Übungen einzelne Schülerinnen und Schüler oder ganze Klassen bearbeiten sollen und innerhalb welchen Zeitraums dies erfolgt. Nach Abschluss der Aufgaben steht eine Übersicht über die erzielten Ergebnisse zur Verfügung.

Oberkirchner verwendete die Software beispielsweise regelmäßig als Ergänzung zu schriftlichen Hausübungen. So konnten alle Kinder an denselben Lerninhalten arbeiten, während Umfang und Auswahl der Übungen individuell an ihre Bedürfnisse angepasst wurden.

Entwicklung zur Onlineplattform

Seit 2007 entwickelt LernMax digitale Lernprogramme für Schulen. Mehr als 3.000 österreichische Volksschulen sowie über 800 österreichische Mittelschulen haben seitdem mindestens eines der Programme angeschafft.

Ursprünglich wurden viele Angebote als lokal installierte Windows-Programme mit zeitlich unbeschränkten Lizenzen vertrieben. Mit LernMax Online erfolgte die Weiterentwicklung zu einer plattformunabhängigen Lösung. Schülerinnen und Schüler können über persönliche Zugänge von verschiedenen Geräten aus sowohl in der Schule als auch zu Hause arbeiten.

Im Schuljahr 2025/26 nutzten rund 700 Schulen in Österreich und Deutschland die Onlineplattform. Im Zeitraum vom 1. August 2025 bis zum 31. Juli 2026 wurden dabei etwa 260.000 unterschiedliche Schülerkonten verwendet.

Bestellphase für den Marktplatz Lernapps beginnt

Vom 1. September bis zum 25. Oktober 2026 können Schulen der Sekundarstufen I und II über den österreichischen „Marktplatz Lernapps“ qualitätsgeprüfte digitale Lernangebote auswählen.

Für das Schuljahr 2026/27 steht den teilnehmenden Schulen dafür ein Budget von 26 Euro pro Schülerin beziehungsweise Schüler zur Verfügung. Welche Angebote genutzt werden, entscheiden die Schulen eigenständig.

Auch LernMax ist mit Produkten für die Sekundarstufe auf dem Marktplatz vertreten. Mittelschulen haben damit die Möglichkeit, die Software sowie die damit verbundenen Angebote zur individuellen Förderung über den Marktplatz zu beziehen und im Unterricht einzusetzen.

Quelle: OTS

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