Lesung in Rappottenstein über sowjetische Gefangenschaft

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

In der Pfarrbücherei Rappottenstein stellte Christoph H. Benedikter am 17. Oktober das Schicksal von Ferdinand Riefler vor. Der frühere ÖVP-Landtagsabgeordnete hielt seine Erlebnisse in sowjetischer Gefangenschaft schriftlich fest.

Christoph H. Benedikter las am 17. Oktober in der Pfarrbücherei Rappottenstein aus dem Buch „Verschleppt – Verbannt – Unvergessen“. Darin sind die Erinnerungen von Ferdinand Riefler festgehalten, einem ehemaligen niederösterreichischen Landtagsabgeordneten der ÖVP. Zahlreiche Besucher folgten den Schilderungen mit großem Interesse. Viele hatten persönliche oder familiäre Bezüge zur Kriegs- und Nachkriegszeit.

Der aus Hollabrunn stammende Riefler wurde 1946 von der sowjetischen Besatzungsmacht in Österreich festgenommen. Ihm wurde „antisowjetische Propaganda“ vorgeworfen, woraufhin er zu vier Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde. Benedikter beschrieb die erschütternden Erlebnisse des Politikers in Gefängnissen, Arbeitslagern und während der Verbannung.

Die Haft hinterließ schwere gesundheitliche Spuren: Riefler verlor 43 Kilogramm an Gewicht. Nach einer Lungenentzündung brachte er zeitweise nur noch 39 Kilogramm auf die Waage, wie aus dem Buch hervorgeht.

Persönliche Perspektive auf historische Ereignisse

Über das Schicksal österreichischer Staatsbürger, die während der sowjetischen Besatzung verhaftet, verurteilt und verschleppt wurden, geben heute zahlreiche Akten und Prozessunterlagen Auskunft. Rieflers Fall ist dennoch außergewöhnlich: Als Politiker und Journalist dokumentierte er seine Erfahrungen selbst. Dadurch sind nicht nur historische Fakten überliefert, sondern auch persönliche Eindrücke eines Menschen, der Haft, Zwangsarbeit und das Lagerleben unmittelbar durchlitt.

Für die Neuauflage des ursprünglich 1956 erschienenen Buches wurden seine Erinnerungen wissenschaftlich aufgearbeitet und mit historischen Hintergrundinformationen versehen. Das Ergebnis ist ein wertvolles Zeitdokument, das die Ereignisse aus persönlicher Sicht greifbar macht. Rieflers Schicksal steht stellvertretend für rund 2.500 Österreicher, deren Fälle durch Prozessakten belegt sind.

Freundschaft trotz politischer Unterschiede

Besonders eindrücklich ist die Geschichte seiner Freundschaft mit Franz Gruber, einem ebenfalls verschleppten niederösterreichischen Landtagsabgeordneten der SPÖ. Obwohl sie unterschiedlichen politischen Lagern angehörten, lernten sich die beiden Männer in sowjetischer Gefangenschaft kennen und entwickelten eine enge Bindung.

Gruber überlebte die Strapazen der Lagerhaft nicht. Riefler kehrte 1952 schwer krank nach Österreich zurück.

Quelle: https://www.rappottenstein.at/Rappottenstein_Lesung_ueber_sowjetische_Gefangenschaft

Worüber spricht Rappottenstein?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – 1x pro Woche für Gemeinden.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.