Levit und Hinterhäuser begeistern bei Salzburger Festspielen

Mathias FischerMathias Fischer
Tänzerin und Tänzer in opulenten Kostümen mit Discokugel über einer festlich gedeckten Tafel.
© Monika Rittershaus, Salzburger Festspiele (Symbolbild)

Igor Levit und Markus Hinterhäuser haben am Dienstagabend bei den Salzburger Festspielen mit Olivier Messiaens „Visions de l'Amen“ einen technisch beeindruckenden Klavierabend geboten. Die unterschiedlichen Herangehensweisen der beiden Pianisten verliehen dem Auftritt besondere Spannung.

Der siebenteilige Zyklus „Visions de l'Amen“ von Olivier Messiaen verlangt zwei Pianisten mit enormer klanglicher Fülle und technischer Virtuosität. Igor Levit und Markus Hinterhäuser verwandelten das Werk am Dienstagabend bei den Salzburger Festspielen in einen ungemein farbigen Klavierabend. Gerade ihre unterschiedlichen Arten, sich der Musik hinzugeben, verliehen dem Abend Spannung.

In seinen sieben Visionen lässt Messiaen musikalische Gedanken wiederkehren, ohne sie in ihren Grundfesten wesentlich zu verändern. Stattdessen werden sie immer dichter ausgeschmückt und neu koloriert, tonale Klänge treffen dabei ganz selbstverständlich auf atonale Komplexe. Ein choralartiges Thema, das bereits zu Beginn erklingt und immer wieder zurückkehrt, hält den Zyklus zusammen.

Rollenverteilung geriet in Bewegung

Die beiden Pianisten machten diese Schichtungen auch durch eine zunächst deutlich wahrnehmbare Rollenverteilung hörbar. Hinterhäuser trug am Beginn schwere Akkorde durch den Saal, während Levit darüber hohe Töne plätschern ließ. Doch je weiter der Zyklus voranschritt, desto stärker geriet diese Ordnung in Bewegung.

Hinterhäuser blieb dabei meist konzentriert in den Noten, während Levit seinem Partner immer wieder aufmerksam zuhörte und die Musik auch körperlich mitvollzog. Mal spielten sie einander Akkorde und Figuren zu, dann bündelten sie ihre Kräfte wieder in Unisono-Passagen. Aus dem Nebeneinander zweier unterschiedlicher Pianisten entwickelte sich so zunehmend das Miteinander eines eingespielten Teams.

Lichte Räume und pianistischer Kraftakt

Dazwischen öffneten sich immer wieder lichte Räume. Mal wirkten einzelne Töne wie kleine Steine, die in einen stillen See geworfen wurden und von dort ihre Wellen zogen. Besonders in Hinterhäusers Spiel schimmerte stellenweise eine Klangwelt durch, die an Debussys „Clair de lune“ denken ließ.

Richtung Ende wurde aus diesem Spiel mit Wiederkehr und Veränderung ein immer intensiverer pianistischer Kraftakt. Die Klangschichten türmten sich auf, Akkorde und Figuren flogen zwischen den Flügeln hin und her. Levit hatte dabei sichtlich Freude an den Sprüngen der letzten Passagen, während Hinterhäuser seinen Part mit konzentrierter Ruhe dagegenstellte. Technisch war das beeindruckend, ohne zum bloßen Virtuosenstück zu geraten: Zu deutlich war zu spüren, dass hier zwei Pianisten auf sehr unterschiedliche Weise Freude an Messiaens Musik hatten.

Jubel und Standing Ovations

Am Ende löste sich schließlich auch diese Unterschiedlichkeit im gemeinsamen Rausch auf. Levit und Hinterhäuser gingen mit voller Kraft ins Ziel, das Plätschern des Beginns blitzte noch einmal auf, bevor sich beide vom anschwellenden Klangstrudel mitreißen ließen. Das Publikum folgte ihnen bereitwillig. Binnen kurzer Zeit stand der Saal, es gab Jubel und Standing Ovations, sogar einige Blumen flogen Richtung Hinterhäuser auf die Bühne.

Quelle: APA

Worüber spricht Salzburg morgen?

Bald verfügbar: Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.