Luxusauto-Betrug: 100 Millionen Euro Schaden

Bei einer europaweiten Razzia gegen Mehrwertsteuerbetrug im Fahrzeughandel wurden fünf Personen festgenommen. Der Gesamtschaden übersteigt 100 Millionen Euro. In Österreich fanden zwölf Hausdurchsuchungen statt.
Am 4. November 2026 schlug die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) bei der Operation J.A.V.E.L.I.N. zu: Mehr als 100 Einsatzorte in mehreren europäischen Staaten wurden bearbeitet. Im Zentrum stand ein grenzüberschreitendes Netzwerk, das mit hochpreisigen Fahrzeugen Umsatzsteuerbetrug in Millionenhöhe begangen haben soll.
In Österreich waren 84 Mitarbeiter der Finanzverwaltung im Einsatz, unterstützt von Polizeikräften und internationalen Partnerbehörden.
Karussellbetrug mit Neufahrzeugen
Die Ermittler gehen von einem systematischen Mehrwertsteuerbetrug aus. Hochpreisige Fahrzeuge sollen über ein Netzwerk aus Unternehmen und Briefkastenfirmen geschleust worden sein, um die tatsächlichen Lieferwege zu verschleiern.
Auch gefälschte Transport- und Liefernachweise sollen die wahren Warenbewegungen und Abnehmer verdeckt haben. Beim Karussellbetrug nutzen Kriminelle Lücken im EU-Steuersystem: Sie lassen sich Umsatzsteuer erstatten, die sie oftmals nie bezahlt haben. Die EU schätzt die Steuerausfälle durch diese Betrugsform auf mindestens 50 Milliarden Euro jährlich.
Im österreichischen Ermittlungsstrang geht es um Fahrzeuglieferungen im Wert von rund 80 Millionen Euro. Der dadurch entstandene Einnahmenausfall wird auf über zehn Millionen Euro geschätzt. Europaweit übersteigt der Schaden 100 Millionen Euro.
Bei den Durchsuchungen stellten die Behörden umfangreiche Beweismittel sicher: Geschäftsunterlagen, elektronische Datenträger, hochwertige Vermögensgegenstände und Liegenschaften. Die Auswertung läuft noch.
Fünf Festnahmen – drei in Österreich
Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurden drei Personen direkt in Österreich festgenommen. Zwei weitere österreichische Staatsbürger nahmen deutsche Einsatzkräfte in Deutschland fest.
Die weiteren Ermittlungen laufen in enger Abstimmung mit der Europäischen Staatsanwaltschaft. Erst im Mai 2026 hatten sich die EU-Finanzminister auf einen verbesserten Datenaustausch zwischen EPPO und dem Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung geeinigt.
„Keine Toleranz beim Steuerbetrug“
Finanzminister Markus Marterbauer betonte: „Internationale Zusammenarbeit spielt bei der Betrugsbekämpfung eine immer größere Rolle, denn Betrug kennt keine Grenzen. Was in Österreich gilt, gilt natürlich auch international: Keine Toleranz beim Steuerbetrug.“
In den vergangenen Jahren konnten bereits mehrere spektakuläre Fälle von Karussellbetrug aufgedeckt werden – neben Luxusautos auch mit Smartphones und hochpreisigen Elektrogeräten.
Quelle: OTS
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