Männerberatung: Fürsorglichkeit schützt vor Gewalt

Pia ProdingerPia Prodinger
Fürsorglichkeit schützt vor Gewalt: Zwei stilisierte Figuren, eine fragend, die andere einladend, mit Telefonnummer
© Mit KI (Gemini) generiert

Der Dachverband Männerarbeit Österreich zieht nach zehn Jahren Präventionsarbeit Bilanz. Experten betonen: Gleichberechtigte Partnerschaften und fürsorgliche Männlichkeit sind zentrale Schutzfaktoren gegen Gewalt an Frauen.

Der Dachverband Männerarbeit Österreich ist seit einem Jahrzehnt in der Prävention gegen männliche Gewalt tätig. Die Krisenhelpline Männerberatung 24/7 besteht seit fünf Jahren. Am Dienstag präsentierten die Verantwortlichen eine Bilanz und kündigten neue Schwerpunkte an. Im Zentrum steht eine fürsorgliche und gleichstellungsorientierte Männlichkeit als Prävention gegen Gewalt.

Elli Scambor, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Dachverbands und Geschlechterforscherin, beschrieb einen Wandel in den Männlichkeitsbildern. Während traditionelle Erwartungen wie Ernährerrolle, Autorität und Dominanz weiterhin bestehen, gewinnen aktive Vaterschaft, Fürsorglichkeit, emotionale Offenheit und partnerschaftliche Gleichberechtigung an Gewicht. Männer, die sich an Kinderbetreuung, Hausarbeit und emotionaler Beziehungsarbeit beteiligen, berichten häufiger von Zufriedenheit in der Partnerschaft, egalitären Geschlechterhaltungen und hoher Qualität in familiären Beziehungen. Dies deute darauf hin, dass männliche Fürsorgeorientierung ein wichtiger Schutzfaktor gegen Gewalt in Familie und Partnerschaft darstellt.

Junge Männer zeigen Verunsicherung

Der Wandel verlaufe jedoch nicht geradlinig, so Scambor. Sie verwies auf eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2026 mit dem Titel „Männlichkeit im Wandel“, bei der 6.000 Personen zwischen 18 und 64 Jahren befragt wurden. Das Ergebnis: Besonders junge Männer zeigen Verunsicherung. 31 Prozent der 18- bis 24-jährigen Männer in der Schweiz vertreten stark dominante und problematische Männlichkeitsvorstellungen. Fast jeder dritte junge Mann weist eine höhere Akzeptanz von Gewalt sowie frauen- und queerfeindliche Einstellungen auf. Jeder zweite befürchtet, dass „richtige Männer“ in der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden.

Erich Lehner, Vorstandsvorsitzender des Dachverbands, warnte vor der „Manosphere“, einem vorwiegend antifeministischen Netzwerk, in dem junge Männer alte Rollenbilder vertreten. Dieses Phänomen gewinne an Bedeutung. „Das darf man nicht unterschätzen“, betonte Lehner.

Täterarbeit als Opferschutz

Männer- und Burschenarbeit sei deshalb „kein Randbereich“ in der Gewaltprävention, sondern ein zentraler Bestandteil. Wer Gewalt gegen Frauen nachhaltig verhindern wolle, müsse Männer erreichen, die Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen müssen. Gleichzeitig müssten Männer in Krisen unterstützt und Räume für Burschen geschaffen werden, in denen sie frühzeitig Unterstützung erfahren und vielfältige Formen von Männlichkeit entwickeln können. In den vergangenen Jahren seien die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen gestärkt, gemeinsame fachliche Standards entwickelt und österreichweite Formen der Zusammenarbeit aufgebaut worden. Mehrere tausend Betroffene konnten so erreicht werden.

Christian Scambor, Mitbegründer der Männerberatung Graz, sprach von einer großen Diskrepanz zwischen Hell- und Dunkelfeld. Mit niederschwelligen Angeboten könne auch die nicht erfasste Gewalt gegen Frauen und Kinder in die Beratung gebracht werden. „Täterarbeit ist ein wichtiger Beitrag zum Opferschutz“, sagte Scambor.

Manfred Kummer, Leiter der Männerberatung Steiermark und Burgenland, hob die Bedeutung der Männerberatung unter 0800 400 777 hervor. Die Hotline helfe gerade in Krisenzeiten – etwa nach Trennungen –, wo ein erhöhtes Risiko für fremd- oder selbstgefährdendes Verhalten bestehe. Die Hotline sei jederzeit erreichbar. „Und wir tragen dazu bei, das Bild von Männlichkeit neu zu prägen. Hilfe anzunehmen wird zur Stärke, Verantwortung zur Haltung und emotionale Offenheit zur Selbstverständlichkeit.“

Gesundheitsministerin betont Notwendigkeit

Die Männerberatungsstellen werden vom Gesundheitsministerium unterstützt. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) bedankte sich bei den Betreiberinnen und Betreibern. „Wenn wir Gewalt gegen Frauen verhindern wollen, müssen wir auch die Männer erreichen“, sagte Schumann. Die Zahlen der Klienten zeigten, wie notwendig die Männerberatungen seien. „Die Nachfrage steigt von Jahr zu Jahr.“ Auch die gendersensible Arbeit mit Kindern und Jugendlichen lege einen Grundstein, bevor problematische Rollenbilder und Verhaltensmuster verfestigt werden.

Service: In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter 0800-222-555, www.frauenhelpline.at; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at; Gewaltschutzzentrum Wien: www.gewaltschutzzentrum.at/wien/ und beim 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien: 01-71719 sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722 und den Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800/700-217; Polizei-Notruf: 133; für Männer in Krisen ist die Männerberatung 24/7 Krisenhelpline rund um die Uhr unter 0800 400 777 erreichbar.

Quelle: APA

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