Maßnahmenvollzug: Personalmangel trotz Verdreifachung

Nach einem tödlichen Zwischenfall im Forensisch-Therapeutischen Zentrum Garsten kritisiert ein Experte die Personalsituation im Maßnahmenvollzug scharf. Die Zahl der Untergebrachten hat sich seit 2001 mehr als verdreifacht, die Ressourcen sind nicht mitgewachsen.
Wolfgang Gratz, früherer Leiter der Justizanstalt Mittersteig, hat erneut auf den massiven Personalmangel im Maßnahmenvollzug aufmerksam gemacht. Der internationale Standard sehe einen Betreuungsschlüssel von mindestens 1:1 vor, erklärte er gegenüber der APA. Die Personalentwicklung sei jedoch hinter dem Anstieg der Untergebrachten deutlich zurückgeblieben.
Eine 1:1-Betreuung in Justizanstalten, die zu Forensisch-Therapeutischen Zentren umfunktioniert wurden, bezeichnete der Kriminologe als „unrealistisch“. Gratz, der zuletzt auch die Hirtenberg-Untersuchungskommission leitete, verwies auf die dramatische Entwicklung der Belagszahlen: Im Jahr 2001 waren 557 Personen nach Paragraf 21 StGB untergebracht. Mit Stichtag 1. September 2026 registrierte das Justizministerium 1.688 Insassen im Maßnahmenvollzug, davon 947 zurechnungsunfähig.
Betreuung bleibt hinter Notwendigkeiten zurück
Die begrenzten Ressourcen führten dazu, dass Menschen, die als psychisch erheblich gestört und gefährlich gelten, trotz Engagement des Personals nicht ausreichend intensiv betreut werden könnten, so der Experte. Es sei zu einer suboptimalen Betreuung und Behandlung gekommen.
In den vergangenen Jahren wurden aufgrund steigender Zahlen zwei Justizanstalten in Forensisch-Therapeutische Zentren umgewandelt, bei einer dritten laufen die Vorbereitungen. Diese Maßnahmen könnten den Personalmangel jedoch nicht ausgleichen, kritisierte Gratz. Der Großteil des Anstiegs bei den Untergebrachten gehe auf „Nicht-Hands on-Delikte“ wie gefährliche Drohung zurück.
Höhere Messlatte, längere Anhaltung
Gleichzeitig seien die Voraussetzungen für eine Unterbringung restriktiver geworden, stellte der Experte fest. Die Messlatte für eine Einweisung liege heute höher. Es bestehe offenbar eine erhöhte Bereitschaft, in diese Maßnahme einzuweisen und die Eingewiesenen länger anzuhalten, vor dem Hintergrund eines gestiegenen Sicherheitsbewusstseins beziehungsweise erhöhter Sicherheitsbedürfnisse.
Quelle: APA
Worüber spricht Grieskirchen morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.