MediaShop nach Neustart Cashflow-positiv

Mathias FischerMathias Fischer
L Johanna Grentzen, Unternehmerin, sitzt in einem Sessel und hält eine weiße Dose.
© @ Gerry Frank Photography 2021 (Symbolbild)

Zwei Monate nach der Übernahme zieht MediaShop by ONE Spot eine erste Bilanz: Das Unternehmen arbeitet bereits Cashflow-positiv und plant für heuer einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro. Die Infrastrukturkosten wurden massiv gesenkt.

Seit Anfang Juni wurde MediaShop organisatorisch, technologisch und operativ weitgehend neu aufgesetzt. Die neue Gesellschaft hat die Verantwortung für die Weiterentwicklung der Marke übernommen, nachdem wesentliche Assets erworben wurden. Die Kostenbasis wurde massiv reduziert, zentrale Systeme ersetzt und die Logistik neu organisiert. Gleichzeitig baute das Unternehmen die internationale Vertriebsreichweite deutlich aus.

„Wir haben auf Basis einer bekannten und starken Marke in kürzester Zeit ein neues Unternehmen aufgebaut“, sagt Christoph Bauer, Eigentümer von MediaShop by ONE Spot. Nach zwei Monaten stehe man operativ auf soliden Beinen und arbeite Cashflow-positiv, während man gleichzeitig wieder Reichweite und neue Märkte gewinne.

Rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten heute für das Unternehmen. ERP-, CRM- und weitere IT-Systeme wurden neu aufgesetzt, zahlreiche Prozesse digitalisiert und vereinfacht.

Infrastrukturkosten drastisch gesenkt

Besonders deutlich zeigt sich die Neuaufstellung bei den laufenden Strukturkosten. Für IT, Infrastruktur und Software fielen in der früheren Organisation monatlich Kosten in einer Größenordnung von rund 250.000 Euro an. Heute liegen die vergleichbaren laufenden Aufwendungen bei rund 20.000 Euro im Monat.

„Entscheidend für unseren Geschäftserfolg ist nicht der Umsatz, sondern was nach den Kosten übrigbleibt“, so Bauer. Deshalb habe man jeden Prozess, jeden Vertrag und jede Struktur hinterfragt. Dass man heute mit einem Bruchteil der früheren Infrastrukturkosten arbeite und gleichzeitig bereits wieder wachse, zeige, wie fundamental diese Neuaufstellung sei.

Die Neuausrichtung umfasst auch die bisherige Unternehmenszentrale in Neunkirchen in Niederösterreich. MediaShop plant die Übersiedlung an einen neuen Standort. Der neue Mietvertrag befinde sich derzeit in Verhandlung, sagt Bauer. Mit dem Wechsel soll die genutzte Bürofläche deutlich reduziert und gleichzeitig effizienter organisiert werden.

Expansion auf 50 TV-Sender in fünf Ländern

Parallel zur internen Neuaufstellung wurde die Vertriebsreichweite deutlich ausgebaut. Im April, kurz nach Insolvenz der Mediashop Gruppe, war MediaShop auf 16 TV-Sendern in zwei Ländern präsent. Im Mai waren es 20 Sender, im Juni bereits 37 TV-Sender in drei Ländern, im Juli 45 Sender in vier Ländern. Im August erreicht MediaShop rund 50 TV-Sender in fünf Ländern: Österreich, Deutschland, Schweiz, Ungarn und Slowakei.

Damit wird das Geschäftsmodell wieder konsequent international ausgerichtet. Neben den bestehenden Kernmärkten sollen schrittweise weitere Märkte erschlossen beziehungsweise reaktiviert werden. Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Rumänien stehen dabei im Fokus. In Ungarn wurde bereits eine Tochtergesellschaft gegründet.

MediaShop positioniert sich als Spezialist für Demonstrations-Commerce. Im Mittelpunkt stehen Produkte, deren Nutzen erklärt und demonstriert werden kann. TV bleibt dafür ein wesentlicher Kanal, wird aber zunehmend mit Online, Social Media und weiteren digitalen Vertriebskanälen verbunden.

„Wir wollen nicht Amazon, Temu oder Shein kopieren – das ist nicht unser Geschäft und das sind auch nicht unsere Mitbewerber“, sagt Bauer. Die Kompetenz beginne dort, wo ein Produkt erklärt werden müsse und sein Nutzen durch Demonstration sichtbar werde. In einer Welt mit einem nahezu unbegrenzten Angebot werde nicht noch mehr Auswahl zum entscheidenden Faktor, sondern Orientierung und Vertrauen.

Sortiment wird neu aufgebaut

Auch Warenbestand und Logistik befinden sich mitten im Transformationsprozess. Im Zuge der Übernahme wurden rund 10.000 Paletten Warenbestand übernommen. Dieser Bestand wird derzeit systematisch abgebaut und neu bewertet. Parallel beschafft MediaShop Neuware und baut das künftige Sortiment auf.

Die Produktauswahl soll künftig noch stärker nach Qualität, tatsächlichem Kundennutzen und internationaler Skalierbarkeit erfolgen. MediaShop versteht sich dabei zunehmend als Kurator: Produkte werden ausgewählt und geprüft, ihr Nutzen wird demonstriert und erfolgreiche Produkte anschließend über unterschiedliche Kanäle und Länder skaliert.

„Europa braucht nicht noch mehr austauschbare Billigware aus Fernost“, so Bauer. Man setze auf Produkte, deren Qualität man vertreten könne und deren Nutzen man den Kundinnen und Kunden überzeugend zeigen könne. Vertrauen werde im Handel zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsvorteil.

Parallel dazu arbeitet das Unternehmen an einer neuen Logistikstruktur. Im Zuge der Expansion in Zentral- und Osteuropa wird auch der Aufbau beziehungsweise die weitgehende Automatisierung eines Logistikstandorts geprüft.

Mittelfristiges Umsatzziel bei 120 Millionen Euro

Für das laufende Geschäftsjahr plant MediaShop einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro. Mit der weiteren Internationalisierung, zusätzlichen Vertriebskanälen, einem erneuerten Produktsortiment und einer skalierbaren Logistik- und IT-Infrastruktur verfolgt das Unternehmen mittelfristig ein Umsatzziel von rund 120 Millionen Euro.

Das Wachstum soll dabei ausdrücklich nicht mit einem Wiederaufbau der früheren Strukturen verbunden sein. Die neue Organisation ist darauf ausgerichtet, zusätzliche Märkte und steigende Umsätze mit einer weitgehend skalierbaren technologischen und logistischen Infrastruktur abzuwickeln.

„Die ersten beiden Monate haben gezeigt, dass die neue Struktur funktioniert“, sagt Bauer. Jetzt investiere man in Wachstum: in neue Märkte, zusätzliche Reichweite, Produkte, Technologie und Automatisierung. Für diesen nächsten Schritt plane man auch eine Kapitalmaßnahme.

Kritik an Paketabgabe

Kritisch sieht MediaShop die unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen im europäischen Wettbewerb. Insbesondere die österreichische Paketabgabe stellt für international tätige Handelsunternehmen aus Sicht des Unternehmens einen zusätzlichen Standortnachteil dar.

„Österreichische Händler mit einer Paketabgabe zusätzlich zu belasten, während globale Plattformen den europäischen Markt mit Millionen Paketen bedienen, ist industriepolitisch schwer nachvollziehbar“, sagt Bauer. Man investiere trotzdem in Österreich. Aber Standortpolitik müsse sich daran messen lassen, ob heimische Unternehmen im internationalen Wettbewerb bessere oder schlechtere Voraussetzungen bekommen.

Für MediaShop sei dies kein Grund, die Wachstumsstrategie infrage zu stellen. Die Entwicklung der vergangenen Wochen habe vielmehr gezeigt, wie wichtig eine schlanke Kostenstruktur und eine international skalierbare Organisation für einen europäischen Handelsanbieter seien.

Quelle: OTS

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