MedUni Wien entdeckt neue Blutbildungsstätte

Mona HopfingerMona Hopfinger
Embryonalgewebe mit roten Blutkörperchen und Makrophagen in der Nähe einer Dottersackstruktur.
© Mit KI (Gemini) generiert

Forschende der MedUni Wien haben eine bisher unbekannte Stelle der Blutbildung zwischen Mutter und Embryo identifiziert.

Ein internationales Team unter Leitung der Medizinischen Universität Wien hat an der Schnittstelle zwischen mütterlichem und embryonalem Gewebe eine bislang unbekannte Blutbildungsstätte entdeckt. Bisher galt der Dottersack – eine außerhalb des Embryos liegende Struktur – als einziger Entstehungsort der ersten Blut- und Immunzellen in der frühen Entwicklung. Die im Fachjournal „Nature Immunology“ veröffentlichten Ergebnisse erweitern das bisherige Verständnis der embryonalen Blutbildung grundlegend.

MIXER-Gewebe mit einzigartigen Vorläuferzellen

Das neu beschriebene Gewebe trägt die Bezeichnung MIXER (Maternally Interfaced eXtraEmbRyonic tissue). Es enthält verschiedene Blutvorläuferzellen, aus denen sich unterschiedliche Blutzelltypen entwickeln – darunter rote Blutkörperchen und Zellen des angeborenen Immunsystems. Das Team um Rohit Jain, Shweta Tikoo und Wolfgang Weninger von der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien untersuchte die Vorgänge im Mausmodell.

Bereits etwa siebeneinhalb Tage nach der Befruchtung zeigt das MIXER-Gewebe Merkmale früher Blutbildung – zeitgleich mit dem Dottersack. Allerdings finden sich dort einzigartige Blutvorläuferzellen, die sogenannten eEMPROR-Zellen, die im untersuchten Dottersack nicht nachweisbar waren. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Blutbildung bereits vor Ausbildung eines funktionierenden Blutkreislaufs an mehreren räumlich getrennten Orten stattfindet.

Vorläuferzellen wandern in verschiedene Gewebe

Weitere Experimente zeigten, dass die im MIXER-Gewebe nachgewiesenen Vorläuferzellen im Verlauf der Embryonalentwicklung in verschiedene Gewebe gelangen. Dort tragen sie zur Entstehung bestimmter Makrophagen bei. Diese Immunzellen beseitigen Krankheitserreger und Zellreste und übernehmen wichtige Aufgaben bei der Entwicklung und Erhaltung von Geweben.

„Unsere Entdeckung des MIXER-Gewebes erweitert das bisherige Modell der embryonalen Blutbildung um einen eigenständigen Ort an der mütterlich-fetalen Schnittstelle“, betonen die Erstautoren Rohit Jain und Shweta Tikoo. „Sie wirft aber auch neue Fragen darüber auf, wie unterschiedliche Entwicklungsumgebungen die Entstehung und Funktion von Blutzellen beeinflussen und welche Bedeutung diese frühen Prozesse für die Entwicklung des Immunsystems haben“, erklärt Studienleiter Wolfgang Weninger.

Hinweise auf vergleichbare Prozesse beim Menschen

Auch in sehr frühem menschlichen Plazentagewebe fanden die Forschenden Hinweise auf Parallelen zur im Mausmodell beschriebenen Zelllinie.

Quelle: https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/2026/news-im-november-2026/neue-blutbildungsstaette-an-der-schnittstelle-zwischen-mutter-und-embryo-entdeckt

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