Mehr als die Hälfte der Salzburger war noch nie bei Festspielen

Pia ProdingerPia Prodinger
Mann mit Brille und Frau mit Zopf lächeln vor Wohnhaus in Graz
© salzburg.kpoe.at

Eine Umfrage zeigt: 53 Prozent der Salzburger Bevölkerung haben noch nie die Salzburger Festspiele besucht. Als Hauptgrund nennen die Befragten die hohen Ticketpreise. Deutliche Unterschiede gibt es bei Einkommen, Bildung und Wohnort.

Eine von der KPÖ Salzburg in Auftrag gegebene Umfrage zeigt große Lücken bei der Teilhabe an den Salzburger Festspielen. 53 Prozent der Befragten gaben an, noch nie eine Aufführung besucht zu haben. 18 Prozent waren einmal dort, 24 Prozent mehrmals und vier Prozent besuchen die Festspiele jährlich.

Die Linzer Marktforschungsgesellschaft Spectra befragte im Juli insgesamt 500 Menschen über 18 Jahre im Bundesland Salzburg. Die Schwankungsbreite beträgt 4,4 Prozent.

Einkommen und Bildung entscheiden über Zugang

Die Erhebung zeigt deutliche Unterschiede nach sozioökonomischen Merkmalen. Bei Befragten mit einem Haushaltseinkommen bis 2.500 Euro waren 62 Prozent noch nie bei den Festspielen. In der Einkommensgruppe bis 4.000 Euro waren es 54 Prozent, bei jenen über 4.000 Euro nur 45 Prozent.

Auch die Bildung spielt eine Rolle: 60 Prozent der Befragten ohne Matura haben die Festspiele noch nie besucht, bei jenen mit Matura sind es 38 Prozent.

Der Wohnort macht ebenfalls einen Unterschied. In der Landeshauptstadt waren 67 Prozent schon einmal oder öfter bei den Festspielen. In kleinen Gemeinden sind es nur 34 Prozent, in mittelgroßen Gemeinden über 5.000 Einwohner 38 Prozent.

Ticketpreise als größte Hürde

Wer noch nie die Festspiele besucht hat, wurde nach den Gründen gefragt. Die Hälfte der Befragten nannte teure Ticketpreise als Grund – bei Frauen 56 Prozent, bei Männern 43 Prozent. Ein Drittel hat kein Interesse an den Festspielen, wobei Männer mit 40 Prozent deutlich häufiger diese Antwort gaben als Frauen mit 22 Prozent.

25 Prozent spricht das Programm nicht an. 23 Prozent geben an, sie würden sich bei den Festspielen nicht wohlfühlen – bei Männern 29 Prozent, bei Frauen 19 Prozent. Seltener genannt wurden teure Übernachtungen und fehlende Zeit mit je acht Prozent, die Anreise mit sechs Prozent und mangelnde Barrierefreiheit mit zwei Prozent.

KPÖ fordert bessere Teilhabe

Kay-Michael Dankl, Landessprecher der KPÖ Salzburg, sieht Handlungsbedarf: Die Teilhabe am Kulturangebot müsse verbessert werden, vor allem bei Menschen mit niedrigen Einkommen. Selbst günstigere Tickets um 40 oder 80 Euro seien für eine Mindestpensionistin oder Alleinerziehende viel Geld. Die Stadt ermögliche Inhabern der Aktiv:Karte mittlerweile freien Eintritt zu Generalproben, was ein erster Schritt sei.

Die Verträge für das städtische Kartenkontingent wurden geändert, nachdem die KPÖ jahrelang kritisiert hatte, dass rund tausend Freikarten ungenutzt an die Festspiele retourniert wurden. Natalie Hangöbl, Landtagsklubchefin der KPÖ, kritisiert, die Landesregierung sitze weiterhin auf unzähligen Freikarten, die ungenutzt weiterverkauft würden. Sinnvoller wäre es, sie Salzburgern zu geben, die noch nie bei den Festspielen waren.

Die KPÖ fordert außerdem, die Schieflagen bei den Festspielbesuchern genauer zu untersuchen. Bei einem millionenschweren Kulturunternehmen lohne es sich, die Frage der Teilhabe differenziert zu untersuchen, etwa gemeinsam mit der Universität Mozarteum. Die Ergebnisse sollten öffentlich kommuniziert und diskutiert werden.

Die regierende Politik müsse überdenken, wie sie über die Festspiele kommuniziert, so Dankl. Wer Salzburg mit den Festspielen gleichsetze, verliere die Hälfte der Bevölkerung, die noch kein einziges Mal dort war. Das verstärke bei vielen Menschen das Gefühl, nicht dazuzugehören.

Quelle: https://salzburg.kpoe.at/aktuelles/umfrage-zeigt-mehr-als-die-hlfte-der-salzburger-hat-noch-nie-die-festspiele-besucht

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