Merkur-Mission: Steirisches Magnetometer im Einsatz

Nach acht Jahren Flugzeit erreicht die Raumsonde BepiColombo ihr Ziel: Um 14.00 Uhr sollen sich die beiden Forschungssonden vom Antriebsmodul trennen und in den Merkur-Orbit einschwenken. Mit dabei ist ein Magnetometer aus Graz, so der ORF.
Die nach einem italienischen Mathematiker benannte Raumsonde BepiColombo hat bereits zehn Milliarden Kilometer im Weltraum hinter sich gebracht. Der Großteil der Strecke ist damit geschafft. Die beiden Forschungssonden sollen sich vom Antriebsmodul lösen und in den kommenden Wochen ihre geplanten Umlaufbahnen um den Merkur erreichen.
Neue Erkenntnisse über das Sonnensystem erwartet
ESA-Missionsleiterin Santa Martinez zeigt sich optimistisch: „Wir erwarten bisher nie dagewesene Bilder vom Planeten Merkur für die Menschheit und die Wissenschaft. Wir schlagen ein neues Kapitel für das Verständnis unseres Sonnensystems auf“, erklärt sie.
Grazer Magnetometer soll Rätsel lösen
Über den Merkur ist bislang wenig bekannt. Der Planet ist deutlich kleiner als die Erde und besitzt ein Magnetfeld – dessen Entstehung ist jedoch ungeklärt. Genau diese Frage soll die Mission beantworten. Das zentrale Instrument dafür, ein Magnetometer, stammt aus Graz und wurde von Werner Magnes vom Institut für Weltraumforschung entwickelt.
„Es ist im Prinzip eine Art Kompass, eine Kompassnadel. Das heißt, das Magnetfeld hat nicht nur eine Größe, sondern auch eine Richtung, und man will Größe und Richtung messen. Das ist sehr wichtig für die wissenschaftliche Analyse“, erläutert Magnes.
15 Jahre Wartezeit bis zur Inbetriebnahme
Fast 15 Jahre haben Magnes und sein Team auf diesen Moment gewartet. Der Missionsstart verzögerte sich mehrfach, anschließend war die Sonde acht Jahre lang unterwegs. „Ja, es ist wirklich eine sehr, sehr spannende Phase. Es kribbelt wirklich schon“, sagt der Forscher.
Ob das Messgerät nach so langer Zeit noch dem Stand der Technik entspreche, bejaht Magnes. In der Forschung könne man nicht immer die neueste Elektronik verbauen, weil die Zuverlässigkeit Vorrang habe. In der Weltraumforschung gälten daher andere Bedingungen.
Extreme Hitze als Herausforderung
Die Messinstrumente müssen Temperaturen von bis zu 450 Grad aushalten. Auf dem Merkur ist die Sonneneinstrahlung zehnmal stärker als auf der Erde. ESA-Weltraumingenieur Ignacio Tanco beschreibt die Situation so: „Es ist, als würde man ständig mit einem sehr heißen Pizzaofen im Rücken arbeiten.“
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der ESA und des Weltraumforschungsinstituts in Graz hoffen auf einen erfolgreichen Ablauf. „Wir werden uns sicherlich zusammenfinden und den Livestream hier gemeinsam anschauen. Und wenn alles erfolgreich ist, denke ich auch, dass dann die Sektkorken knallen werden“, so Magnes.
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