Midterms könnten Trump-Mehrheit im Kongress kippen

Mona HopfingerMona Hopfinger
© Mit KI (Gemini) generiert

Am 3. November wählen die USA das gesamte Repräsentantenhaus und rund ein Drittel des Senats neu. Grazer Experten sehen die Republikaner unter Druck – Inflation und Distanzierung könnten den Demokraten beide Kammern bringen.

Die Zwischenwahlen am 3. November 2026 entscheiden über die Mehrheit im US-Kongress – und damit über den politischen Handlungsspielraum von Präsident Donald Trump. Gewählt werden alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses und etwa ein Drittel der 100 Senatoren. Politikwissenschaftler Peter Filzmaier von der Universität Graz rechnet mit Verlusten für die Republikaner.

Demokraten mit realistischen Chancen

Dass die Partei des Amtsinhabers bei Midterms Stimmen verliert, sei fast ein ungeschriebenes Gesetz, erklärt Filzmaier. Er spricht vom „Iron Law of Midterm Loss“. Die Demokraten hätten gute Aussichten, das Repräsentantenhaus zu erobern, da mehrere umkämpfte Wahlkreise zuletzt in ihre Richtung gerückt seien. Auch eine Mehrheit im Senat sei nicht ausgeschlossen. Scott Zukowski, Kultur- und Literaturwissenschaftler aus den USA, warnt allerdings: „Selbst, falls die Republikaner große Verluste hinnehmen müssten, sollten wir das nicht mit einem Ende des Trumpismus gleichsetzen.“

Inflation und Iran-Krieg belasten Republikaner

Als Hauptgrund für die Schwäche der Republikaner nennen die Experten die gestiegene Inflation. Das Leben sei für die meisten US-Bürger in den vergangenen zwei Jahren deutlich teurer geworden, nicht zuletzt durch den von Trump begonnenen Krieg im Iran, so Zukowski. Wirtschaftliche Unzufriedenheit bestimme oft den Ausgang von US-Wahlen. Filzmaier beobachtet zudem, dass sich gemäßigte Christen, Latinos und unabhängige Wähler zunehmend von Trump abwenden.

Republikaner distanzieren sich von Trump

Auch innerhalb der Republikanischen Partei gebe es Veränderungen, sagt Zukowski. Kandidaten grenzten sich vermehrt und klarer vom Präsidenten ab. „Sein Name hat an Wert verloren und wird in manchen Situationen sogar zur Belastung“, erklärt der Wissenschaftler. Ob es sich um eine dauerhafte Abkehr oder nur um kurzfristige Taktik handle, sei offen.

Trump selbst versuche mit allen Mitteln gegenzusteuern, berichtet Filzmaier. Im Frühjahr habe er per Dekret die Briefwahl massiv erschwert, bei der seine Partei meist weniger Stimmen erhalte. Zudem habe er Wählern finanzielle Geschenke versprochen, ein Sanktionspaket gegen Russland aufgehoben und illegal 19 Millionen Dollar Steuergeld für TV-Wahlkampfwerbung ausgegeben.

Blockaden und Dauerkonflikt drohen

Erobern die Demokraten das Repräsentantenhaus zurück, verschiebt sich das Kräfteverhältnis in Washington deutlich. Filzmaier rechnet mit blockierten Gesetzesvorhaben, Untersuchungsausschüssen und Konflikten um Ernennungen. Trump könnte vermehrt mit Dekreten regieren, die der Kongress aber per Gesetz aufheben kann – ein möglicher Dauerkonflikt bis hin zur Unregierbarkeit.

Ob die Demokraten politisches Fehlverhalten der Trump-Regierung aufarbeiten würden, sei unklar, gibt Zukowski zu bedenken. Viele Amerikaner wünschten sich Untersuchungen, andere seien diese bereits leid. „Es gibt leider innerhalb der Demokratischen Partei keinen einheitlichen Plan für das weitere Vorgehen“, fasst er zusammen.

Vorschau auf Präsidentschaftswahl 2028

Filzmaier verweist auf einen längerfristigen außenpolitischen Trend: Europa verliere für Washington an Gewicht, Asien rücke stärker ins Zentrum. Zukowski betont, dass die Midterms viele einzelne Wahlkämpfe mit oft lokalen Anliegen seien. Ihre Ergebnisse machten aber ziemlich sicher klar, auf welche Wählergruppen sich beide Parteien im Präsidentschaftswahlkampf 2028 konzentrieren müssten.

Quelle: https://www.uni-graz.at/de/neuigkeiten/us-midterms-donald-trumps-zwischenzeugnis

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