Mobiles Demenz-Team entlastet Angehörige in Kärnten

Mona HopfingerMona Hopfinger
Kärnten: Händeschütteln symbolisiert Verbindung, Menschen gehen auf einem Weg.
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Diakonie begleitet in Kärnten Familien nach einer Demenzdiagnose. Das Mobile Demenz-Team bietet Diagnostik, aktivierendes Training und Beratung – und hilft dabei, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen.

Eine Demenzdiagnose stellt nicht nur für Erkrankte, sondern auch für deren Familien einen einschneidenden Moment dar. Oft markiert sie das Ende einer langen Suche nach den Ursachen für Veränderungen im Verhalten eines Menschen. Gleichzeitig beginnt damit eine Phase von Behandlung und Betreuung, die häufig von Angehörigen übernommen wird. Die damit verbundene Verantwortung führt nicht selten zu großer Erschöpfung.

Das Mobile Demenz-Team der Diakonie unterstützt in ganz Kärnten Menschen mit Demenz und deren Familien. Zum Angebot gehört die Demenzdiagnostik durch klinische Psychologinnen und Psychologen, die als Grundlage für weitere Behandlungsschritte dient. Darüber hinaus bietet das Team aktivierendes Training und Ergotherapie für Erkrankte sowie Beratung für Angehörige an.

Vorhandene Fähigkeiten stärken

Ines Hopfgartner arbeitet als Psychologin im Team und begleitet Betroffene mit aktivierendem Training. Dabei handelt es sich um verschiedene Aktivitäten, die darauf abzielen, Lebensfreude und Alltagskompetenzen möglichst lange zu bewahren. Zentral sei der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung, erklärt sie.

„Ich lasse mich auf den jeweiligen Menschen ein, versuche herauszuarbeiten, was die Person ausmacht, ihre Identität ist oder war“, schildert Hopfgartner. Wichtig sei zu wissen, was dem Gegenüber Sicherheit und ein gutes Gefühl gebe. Das könnten Erzählungen über die Familie, den Beruf oder die eigenen Werte sein. Dieses Wissen bilde die Basis für gemeinsame Aktivitäten oder Gespräche.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung könne das sogenannte „shared remembering“ – das geteilte Erinnern – helfen. Durch die über Jahre gewachsene Beziehung sei sie oft in der Lage, Erzählungen zu ergänzen, wenn sich die Person an Details nicht mehr erinnern könne. Das stärke das Vertrauen zueinander.

Häufig seien es Isolation und Rückzug, die Erkrankte zusätzlich belasten. „Sie haben oft erlebt, dass sie etwas falsch machen oder nicht mehr die richtigen Worte finden. Bevor das wieder passiert, sagen sie häufig lieber gar nichts mehr“, so Hopfgartner.

Angehörige oft an persönlichen Grenzen

Ein wesentlicher Teil der Arbeit besteht darin, das gesamte Familiensystem zu unterstützen. Dabei gehe es nicht nur um Vermittlung, sondern auch um Beratung und Begleitung der Angehörigen selbst. Diese seien häufig bereits an ihren persönlichen Grenzen, wenn sie sich an das Team wenden.

„Leider erleben wir oft, dass Angehörige sehr lange versuchen, alles allein zu bewältigen“, berichtet Hopfgartner. Die Situation entwickle sich meist schleichend. Erst wenn belastende Situationen immer häufiger auftreten, komme der Punkt, an dem Angehörige sagen: „Ich kann nicht mehr“ – und sich nach Unterstützung umsehen.

„Eine große Last wird mitgetragen“

Veronika K. (Name geändert) lebt in Wien, ihre 86-jährige Mutter in Kärnten. Letztere wird von Ines Hopfgartner betreut. „Ich kann gar nicht sagen, wie sehr uns die Begleitung durch das Mobile Demenz-Team hilft“, erzählt die Tochter. Für sie bedeute die Unterstützung, dass eine große Last mitgetragen werde. Sie könne die Verantwortung mit jemandem teilen, der sich nicht scheue zuzuhören.

Besonders wichtig sei zu wissen, dass sie mit den vielen Entscheidungen nicht allein sei. „Ines ist für mich zu einer Vertrauensperson geworden“, sagt Veronika K. Auch die räumliche Distanz mache die Unterstützung wertvoll. So wisse sie, dass jemand in der Nähe sei, zu dem ihre Mutter ein gutes Verhältnis und Vertrauen gefasst habe.

Zweimal wöchentlich besucht Ines Hopfgartner die Mutter. Die beiden reden viel, kochen manchmal gemeinsam oder hören Musik. Ihr ganzes Leben lang esse und trinke die Mutter bereits sehr wenig. Hopfgartner unterstütze sie dabei und helfe ihr, besser auf sich zu achten. „Sie ist nicht nur in ihrer Rolle als Psychologin da, sondern auch als Begleiterin in dieser Zeit“, so Veronika K.

Netzwerk schafft Sicherheit

Ines Hopfgartner ist neben ihrer Ausbildung als Psychologin auch diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Das pflegerische Wissen komme ihr im Umgang mit Erkrankten und in der Zusammenarbeit mit Pflegediensten sehr zugute.

Einer der wichtigsten Faktoren in ihrer Arbeit sei die Fähigkeit, vernetzt zu denken und möglichst viele Unterstützungsangebote im Blick zu haben: Pflegenahversorgung, Haus- und Fachärzte, mobile Dienste wie Hauskrankenpflege, 24-Stunden-Betreuung, Hospiz- und Palliativteams sowie Ehrenamtsorganisationen. Angehörige wissen oft gar nicht, dass es diese Möglichkeiten gibt.

„Wesentlich ist es, ein Netzwerk rund um den Menschen mit Demenz aufzubauen“, betont Hopfgartner. Dadurch werde das Gefühl der Verantwortung an mehrere Personen übertragen, was zu einer spürbaren Entlastung der Angehörigen führe, ihnen Sicherheit gebe und Druck nehme.

Früher Beginn erleichtert Begleitung

Wichtig sei, dass sich Angehörige frühzeitig melden – nicht erst, wenn sie selbst völlig erschöpft sind. „Denn je früher man mit der Begleitung beginnt, desto besser kann die Beziehung wachsen und desto eher kann das gesamte Familiensystem entlastet werden“, so Hopfgartner.

Für Veronika K. hat sich seit Beginn der Begleitung auch das Verhältnis zu ihrer Mutter entspannt. „Es hilft sehr, wenn jemand von außen auf die Situation schaut und dabei unterstützt, Verhaltensweisen besser einzuordnen“, sagt sie. Bei ihrer Mutter habe sie jetzt das Gefühl, dass diese sich sicherer fühle.

Ein Satz aus der Demenzhilfe sei ihr besonders im Gedächtnis geblieben: Menschen mit Demenz können von anderen Menschen oft mehr Unterstützung annehmen als von jemandem aus der Familie. „Das beobachten wir jetzt auch“, so Veronika K.

Quelle: https://www.diakonie.at/news-stories/story/hilfe-bei-der-diagnose-demenz

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