Mörbisch zeigt „Käfig voller Narren“ auf riesiger Bühne

Mathias FischerMathias Fischer
Künstlerin im Federkostüm wird von Männern auf einer Treppe getragen
© APA/Seefestspiele Mörbisch

Die Seefestspiele Mörbisch haben am Donnerstag das Musical „Ein Käfig voller Narren“ uraufgeführt. Generalintendant Alfons Haider steht dabei selbst auf der Bühne – in einer Rolle, die er schon vor Jahren verkörpert hat.

Die Seebühne Mörbisch präsentiert sich heuer als monumentale Showtreppe. Einen Kilometer lang sollen sich die Treppen summiert erstrecken. Anlass ist die Inszenierung von „Ein Käfig voller Narren“, die am Donnerstag Premiere feierte. Generalintendant Alfons Haider steht dabei selbst auf den Brettern im Neusiedlersee – nach eigener Ankündigung zum einzigen Mal in dieser Funktion.

Kammerstück auf Riesenbühne

„La Cage aux Folles“ ist im Kern ein Kammerstück mit vielen intimen Dialogszenen und kleinen Ensemblesequenzen. Diese wirken auf dem gigantischen Bühnenareal von Mörbisch verloren und sind zu weit vom Publikum entfernt. Der Käfig mag voll sein, die riesige Bühne ist es nicht.

Das Musical von Jerry Herman basiert auf dem Theaterstück von Jean Poiret und wurde 1983 uraufgeführt – inklusive dem heutigen Welthit „I Am What I Am“. Die Geschichte bleibt zeitlos relevant: Georges (gespielt von Mark Seibert), Betreiber des Nachtclubs „La Cage aux Folles“, und sein Partner Albin (Alfons Haider), der als Zaza die Travestieshows prägt, werden mit den konservativen Eltern der Verlobten ihres Sohnes Jean-Michel konfrontiert. Der erzkonservative Politiker Èdouard Dindon (Mathias Schlung) darf nicht erfahren, dass Jean-Michels Eltern ein homosexuelles Paar sind. Die Ausgangssituation bietet Stoff für humorvolle Verwicklungen und berührende Momente rund um Familie, Akzeptanz und Identität.

Showtreppe für Ensemblenummern

Die Musicalfassung des mehrfach verfilmten Theaterstücks bietet einige Ensemblenummern, wenn die 38 „Cagelles“, die Tanzenden im Nachtclub, loslegen. Hier weiß Regisseur Andreas Gergen die gebotene Showtreppenorgie zu nutzen. Im Kern fokussiert die Musiktheaterfassung im Boulevardstil aber berührend auf die Themen und Probleme einer Familie – und die verliert sich durch die Distanz zum Publikum.

Gergen und der Mörbischer Stammbühnenbildner Walter Vogelweider bemühen sich um einen mittigen Zentralfokus. Die übrigen Areale der Bühne werden jedoch – anders als meist bei Mörbischer Inszenierungen – eher stiefmütterlich behandelt.

Haider erfüllt sich Herzenswunsch

Alfons Haider erfüllt sich als Generalintendant von Mörbisch mit seiner Rückkehr zur Rolle der Zaza einen Herzenswunsch. Er interpretierte die Rolle bereits 2008/09 bei den Stockerauer Festspielen. Nun legt der 68-Jährige die Partie der immer wieder auch mit dem Vergehen der Zeit hadernden Travestiekünstlerin als Alterspart an und muss stimmlich streckenweise eher auf Sprechgesang setzen.

Ein durchaus stimmiger und im Stück verankerbarer Interpretationsansatz, der mit einem entsprechenden Pendant als Partner aufginge. Hier entsteht allerdings eine Lücke zu Partner Georges, den der 47-jährige Mark Seibert entsprechend dynamischer spielt – von beiderseitigen Textunsicherheiten bei der Premiere abgesehen. Möglicherweise stimmt die Chemie mit dem alternierend zu Haider auftretenden 50-jährigen Drew Sarich besser.

Am Ende bleibt der Eindruck, dass man heuer in Mörbisch mit „La Cage aux Folles“ ein charmantes Stück gewählt hat, das mit Witz und Vehemenz für die Gleichheit der Menschen und unkonventionelle Lebensentwürfe wirbt. Zugleich ist es ein Stück, das am Neusiedlersee wie ein kleiner Vogel in einem zu großen Käfig wirkt.

Weitere Aufführungen finden bis 22. August statt. Die musikalische Leitung hat Tom Bitterlich, für die Kostüme zeichnet Armella Müller von Blon verantwortlich. Neben Haider und Seibert sind unter anderem Timotheus Hollweg, Anna Rosa Döller und Ines Hengl-Pirker zu sehen.

Quelle: APA

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