Molière-Klassiker mit Hip-Hop und Video neu inszeniert

Mathias FischerMathias Fischer
Schauspieler in düsterer Inszenierung mit Säule im Hintergrund
© Monika Rittershaus, Salzburger Festspiele (Symbolbild)

Regisseurin Jette Steckel präsentiert „Der Menschenfeind“ bei den Salzburger Festspielen als dreiteiliges Werk. Die Koproduktion mit dem Thalia Theater Hamburg feiert am 15. August im Landestheater Premiere.

Jette Steckel wagt eine ungewöhnliche Interpretation von Molières 360 Jahre altem Stück. Die Inszenierung gliedert sich in drei Teile: ein Hip-Hop-Konzert, einen Film über gegenwärtige Kommunikationsformen und die klassische Bühnenhandlung. Dabei verwendet sie die Übersetzung ihres Vaters Frank-Patrick Steckel, die den traditionellen Alexandriner-Vers beibehält.

Die 1982 geborene Berlinerin erklärte bei einem Pressegespräch am Dienstag in Salzburg, sie wolle damit „eine Art zeitgeistigen Horizont aufbauen“. Darin könnten die alten Themen – wie Menschen miteinander kommunizieren, wie verlogen sie sind und ob alles von Eigenliebe getrieben sei – in einem heutigen Rahmen behandelt werden. Die Verbindung der drei Teile funktioniere „wie bei einer thematisch kuratierten Ausstellung“.

Hip-Hop als moderne Entsprechung zum Alexandriner

Steckel bezeichnete sich als „Freundin von komplizierter, genussvoller Sprache“ statt von Vereinfachung. Ein Pariser Hip-Hop-Battle mit Molière-Texten habe sie auf die Idee gebracht, den Abend mit einem Hip-Hop-Konzert zu eröffnen. „Hip-Hop ist eine gegenwärtige Antwort auf die Alexandriner“, so die Regisseurin.

Den Auftakt bestreitet die Figur des Dichters Oronte, der zum Rivalen der Hauptfigur Alceste wird. Komponist und Musiker Matthias Jakisic holte sich dafür Unterstützung vom Deichkind-Texter Uwe Hartmann. „Ich fand interessant, diese Figur zu stärken“, begründete Steckel die Entscheidung. Anschließend folge ein musikbegleiteter Film, „das sich mit Kommunikationsformen der Gegenwart beschäftigt“ – ohne menschliche Darsteller.

Bühnenhandlung um Wahrhaftigkeit und Liebe

Erst danach beginnt die eigentliche Bühnenhandlung. Diese dreht sich neben Wahrhaftigkeit und Verlogenheit der Kommunikation um die Möglichkeiten der Liebe und des menschlichen Miteinanders. Steckel kündigte „ein Prisma unterschiedlicher Beziehungskonstellationen“ an.

André Szymanski, der Alceste verkörpert, versicherte, auch der Humor komme nicht zu kurz: „Es kann sehr lustig sein, ist aber eigentlich ein sehr ernstes Stück. Da sind wir noch immer am Ausbalancieren.“

Das Ensemble hat sich mittlerweile mit der anspruchsvollen Sprache angefreundet. „Anfangs hat man das Gefühl, man ist einem untrainierten Pferd aufgesessen. Es ist gar nicht so einfach, macht aber einen Heidenspaß, wenn man das einmal draufhat“, sagte Szymanski. Maja Schöne (Célimène) sprach von einer großen Herausforderung, die aber erfüllend werde, wenn man sich dem Rhythmus hingeben könne.

Publikum sitzt wie um einen Boxring

Die Zuschauer sitzen um die Bühne herum wie um einen Boxring. Lisa Hagmeister (Arsinoe) erklärte: „Die Grundannahme ist, dass wir permanent beobachtet werden. Man tritt auf und ist sich ständig bewusst: Ich mach das für alle. Das Private wird ständig veröffentlicht.“ Das gelinge besser, als sie befürchtet habe.

Die Produktion ist eine Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Thalia Theater Hamburg. Nach der Premiere am 15. August um 19 Uhr folgen weitere Vorstellungen am 17., 20., 23., 25., 27. und 28. August im Salzburger Landestheater. Steckel gab 2009 beim Young Directors Project mit einer Bühnenadaptation des Romans „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“ von Ilija Trojanow ihr Festspiel-Debüt.

Quelle: APA

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