Moore und Wälder als Klimaschützer: EU-Plan droht zu scheitern

Mona HopfingerMona Hopfinger
EU-Restaurierungsplan: 20% bis 2030, Darstellung eines Feuchtgebiets mit Wasser und Pflanzen
© Mit KI (Gemini) generiert

Intakte Ökosysteme speichern Kohlenstoff und mildern Wetterextreme ab. Eine neue EU-Verordnung soll geschädigte Natur wiederherstellen. Doch in Österreich könnte die Umsetzung an Zuständigkeitsfragen und fehlenden Mitteln scheitern.

Ausgetrocknete Böden, niedrige Flusspegel, vertrocknete Wälder – diese Bilder wiederholen sich in den vergangenen Jahren immer öfter. Auf lange Trockenperioden folgen heftige Gewitter und Starkregen. Die Klimakrise findet längst vor der Haustür statt.

Beim Klimaschutz stehen meist erneuerbare Energien und der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen im Fokus. Doch es gibt eine zweite Seite, die oft übersehen wird: die Natur selbst. Moore, Wälder, Böden und Feuchtgebiete sind nicht nur Lebensräume – sie speichern Kohlenstoff, halten Wasser zurück und können Hitze, Dürre und Hochwasser abmildern.

Moore speichern enorme Mengen Kohlenstoff

Besonders eindrucksvoll sind Moore: Sie bedecken weltweit kleine Flächen, speichern aber riesige Mengen Kohlenstoff. Werden sie entwässert, zersetzt sich der im Torf gebundene Kohlenstoff und gelangt als CO₂ in die Atmosphäre. Die Wiedervernässung kann diesen Prozess bremsen und gleichzeitig Lebensraum für seltene Arten schaffen.

Ähnliches gilt für Wälder und Böden: Ein gesunder Wald speichert Kohlenstoff, hält Wasser zurück und schützt vor Erosion. Humusreiche Böden nehmen große Mengen Wasser auf und helfen, Trockenperioden zu überstehen. Verdichtete oder versiegelte Böden verlieren diese Funktionen. Die Frage lautet daher: Wie gut funktioniert unsere Natur noch?

Auen wirken wie natürliche Schwämme

Bei extremen Wetterereignissen zeigt sich die Bedeutung intakter Ökosysteme besonders deutlich. Trifft Starkregen auf versiegelte oder verdichtete Landschaft, kann das Wasser kaum versickern und führt rasch zu Überschwemmungen. Auen und Feuchtgebiete funktionieren dagegen wie Schwämme – sie nehmen Wasser auf und geben es langsam wieder ab.

Bei Hitze helfen Bäume durch Schatten und Verdunstung. Parks und grüne Flächen heizen sich weniger auf als Asphalt und Beton. Renaturierung ist deshalb mehr als klassischer Naturschutz – sie ist Klimaanpassung.

EU fordert Wiederherstellung auf 20 Prozent der Flächen

Hier setzt die EU-Wiederherstellungsverordnung an: Die Mitgliedstaaten sollen geschädigte Ökosysteme schrittweise in einen besseren Zustand bringen. Bis 2030 sollen auf mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresflächen der EU Wiederherstellungsmaßnahmen umgesetzt werden. Für Lebensräume in schlechtem Zustand gelten zusätzliche Ziele: bis 2030 mindestens 30 Prozent, bis 2040 60 Prozent und bis 2050 schließlich 90 Prozent.

Dahinter stehen konkrete Maßnahmen: Moore sollen wieder vernässt, Flüsse und Auen renaturiert, Wälder und Graslandschaften aufgewertet werden. Auch Lebensräume für Bestäuber sollen geschaffen, Meere und Küsten stärker geschützt werden. Selbst Städte sind Teil des Konzepts – Grünflächen, Bäume und begrünte Dächer sollen das städtische Klima verbessern.

Österreich muss nationalen Plan erstellen

Die EU gibt den Rahmen vor, entscheidend ist die Umsetzung in den Mitgliedstaaten. Österreich muss einen Wiederherstellungsplan erstellen und festlegen, wie die Vorgaben umgesetzt werden sollen. Um Flächen konkurrieren jedoch unterschiedliche Interessen: Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Energieversorgung, Verkehr, Siedlungsentwicklung und Naturschutz.

Deshalb ist langfristige und gemeinsame Strategie notwendig. Renaturierung kann nicht gegen die betroffenen Menschen organisiert werden. Gleichzeitig darf Beteiligung nicht dazu führen, dass am Ende nichts passiert.

Die bisherigen Pläne zur Umsetzung der EU-Vorgaben werden von Fachleuten und Naturschutzorganisationen als zu wenig ambitioniert kritisiert.

Kompetenzverteilung erschwert einheitliche Strategie

Ein Problem liegt in der Kompetenzverteilung: Natur kennt keine Landesgrenzen, der Naturschutz ist aber weitgehend Sache der Bundesländer. Was ökologisch zusammengehört, wird politisch getrennt behandelt.

Es stellt sich die Frage, ob Österreich nicht einen verbindlicheren bundesweiten Rechtsrahmen braucht. Ein österreichisches Naturschutzgesetz könnte gemeinsame Mindeststandards schaffen und verhindern, dass wichtige Maßnahmen an unterschiedlichen Interessen der Bundesländer scheitern.

Natur stellt Leistungen kostenlos zur Verfügung

Gegen die Wiederherstellung wird häufig eingewendet, sie koste Geld und schränke die Nutzung von Flächen ein.

Was kostet es, wenn Böden nicht mehr fruchtbar sind? Was kostet es, wenn Hochwasser Regionen verwüstet? Was kostet es, wenn Wälder nach trockenen Sommern geschädigt werden? Die Natur stellt Vieles kostenlos zur Verfügung: Speicherung von Wasser, sie bildet Böden, bindet Kohlenstoff, filtert Schadstoffe und bietet Lebensraum. Gehen das verloren, muss es technisch ersetzt werden – und das wird meist teuer.

Renaturierung kann auch eine wirtschaftliche Investition sein. Sie kann Hochwasserschäden mindern, Landwirtschaft resistenter machen und neue Arbeitsplätze in Landschaftspflege, Naturschutz sowie nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft schaffen.

Kein Ersatz für Emissionsreduktion

Trotzdem darf die Wiederherstellung der Natur nicht als Ersatz für den eigentlichen Klimaschutz missverstanden werden.

Deshalb bleibt die Aufgabe, Emissionen möglichst schnell und dauerhaft zu reduzieren. Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, klimafreundliche Mobilität und Veränderungen in der Industrie und Landwirtschaft bleiben unverzichtbar.

Klimaschutz und Naturschutz sind keine Gegensätze

Wer ein Moor bewahrt, sichert zugleich einen Speicher für Kohlenstoff. Wer einen Fluss in einen natürlicheren Zustand zurückführt, gewinnt Lebensraum und stärkt den Schutz vor Hochwasser. Wer einen Stadtpark erhält, hilft nicht nur Pflanzen und Tieren, sondern bietet den Menschen auch einen kühleren Platz. Die Natur muss also nicht nur vor den Folgen der Klimakrise geschützt werden. Sie kann auch selbst ein starker Helfer im Kampf dagegen sein.

Ob diese Chance genutzt wird, entscheidet sich nicht in Brüssel allein. Sie entscheidet sich auch in Wien, in den Bundesländern und letztlich vor Ort – dort, wo über Flächen, Flüsse, Wälder, Moore und die Entwicklung der Städte entschieden wird. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Renaturierung in Österreich tatsächlich zu einem zentralen Bestandteil der Klimaanpassung wird – oder ob sie zwischen Zuständigkeiten, Einzelinteressen und politischen Auseinandersetzungen stecken bleibt.

Eine intakte Natur ist kein Luxus. Sie ist eine der wichtigsten Lebensgrundlagen – und damit auch ein Teil der Antwort auf die Klimakrise.

Österreich reichte Plan im September ein

Österreich hat seinen Entwurf für den Wiederherstellungsplan nach der EU-Verordnung bei der Europäischen Kommission in Brüssel eingereicht.

Der Naturschutzbund Oberösterreich hat eine Stellungnahme abgegeben. Der Naturschutzbund schützt und erhält bedrohte Naturflächen durch Ankauf dauerhaft. Mit einer Spende kann die Aktion Naturfreikauf unterstützt werden.

Quelle: https://naturschutzbund-ooe.at/newsreaderpresse/items/natur-als-verbuendete-warum-wir-die-natur-fuer-den-klimaschutz-brauchen-2.html

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