Mordrate in Österreich sinkt auf 0,5 pro 100.000 Einwohner

Eine aktuelle Studie der FH Joanneum zeigt: Die Zahl der Tötungsdelikte in Österreich geht seit Jahrzehnten zurück. 2025 wurden 38 Morde registriert – 23 weibliche und 15 männliche Opfer. Gleichzeitig steigen die Verurteilungen wegen versuchten Mordes.
Die Zahl der Tötungsdelikte in Österreich ist weiterhin rückläufig. Das geht aus aktuellen Ergebnissen einer Analyse der FH Joanneum hervor, die im Auftrag des Bundesverbandes der Gewaltschutzzentren durchgeführt wurde. Die am Dienstag präsentierten Daten zeigen, dass die Todesursachenstatistik für das Jahr 2025 insgesamt 38 Morde erfasst. Unter den Opfern befanden sich 23 Frauen und 15 Männer.
Die Studie wurde bereits im Vorjahr erstmals veröffentlicht und analysiert Tötungsdelikte seit den 1970er-Jahren. Studienautor Rainer Loidl von der FH Joanneum in Graz betonte, dass die Untersuchung eine faktenbasierte Grundlage schaffen und langfristige Entwicklungen sowie geschlechtsspezifische Unterschiede sichtbar machen soll. Laut Marina Sorgo, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Gewaltschutzzentren, soll die Studie künftig jährlich erweitert werden. Für die aktuelle Ausgabe wurden die Daten aus 2025 ergänzt und zusätzliche Auswertungen nach Geschlecht, Alter und Herkunft der Opfer aufgenommen.
Langfristiger Rückgang hält an
Mit 38 registrierten Tötungsdelikten im Jahr 2025 setzte sich die Entwicklung der vergangenen fünf Jahrzehnte fort. Laut Statistik Austria wurden weniger Fremdtötungen verzeichnet als in den Jahren zuvor. Zwar unterliegt die Zahl männlicher Opfer stärkeren Schwankungen, insgesamt fiel der Rückgang seit 1970 bei Männern jedoch noch deutlicher aus als bei Frauen.
Loidl verwies darauf, dass Österreich im internationalen Vergleich niedrige Fallzahlen aufweist. Einzelne Ereignisse können die Jahresstatistik daher deutlich beeinflussen und die Aussagekraft detaillierter Analysen einschränken. Ein Beispiel dafür sei die Amoktat an einer Grazer Schule mit zehn Todesopfern. Damit entfielen rund 26 Prozent aller Opfer des Jahres 2025 auf ein einzelnes Ereignis sowie auf dasselbe Bundesland, denselben Monat und denselben Tatmechanismus. Die Mehrheit der Opfer dieser Mehrfachtötung war weiblich.
Österreich zählt zu den sichersten Staaten
Zwischen 1970 und 2025 kamen insgesamt 4.335 Menschen durch Tötungsdelikte ums Leben, was einem Durchschnitt von 77 Opfern pro Jahr entspricht. In den vergangenen 20 Jahren bewegte sich die Zahl der Morde meist zwischen 33 und 60 Fällen jährlich. Auch die Mordrate, also die Anzahl der Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner, ist seit den 1970er-Jahren deutlich gesunken. Mit einer Mordrate von 0,5 zählt Österreich zu den sichersten Ländern der Welt.
Der Rückgang betrifft sowohl männliche als auch weibliche Opfer, bei Männern fällt er jedoch stärker aus. In den vergangenen beiden Jahrzehnten wurden insgesamt mehr Frauen als Männer getötet. Da keine Daten zur Beziehung zwischen Täter und Opfer vorliegen, könne jedoch nicht automatisch von Femiziden gesprochen werden, wurde bei der Präsentation betont. Aussagen, wonach Österreich im europäischen Vergleich besonders viele Tötungen von Frauen verzeichne, würden durch die vorliegenden Zahlen nicht gestützt, erklärte Loidl.
Frauen häufiger im eigenen Zuhause getötet
Deutliche Unterschiede zeigen sich beim Tatort. Seit 2002 wurden nahezu zwei Drittel der weiblichen Opfer im eigenen Zuhause getötet. Bei Männern lag dieser Anteil bei rund einem Drittel. Die Studie bezeichnet den häuslichen Bereich daher weiterhin als zentrales Problemfeld bei Tötungsdelikten an Frauen.
Auch bei der Altersstruktur ergeben sich geschlechtsspezifische Unterschiede. So ist der Anteil der Tötungsopfer unter Frauen über 75 Jahren vergleichsweise hoch. Bei Kindern unter fünf Jahren sind dagegen anteilig häufiger Buben betroffen.
Mehr Verurteilungen wegen versuchten Mordes
Für die aktualisierte Untersuchung wurden außerdem die polizeiliche Anzeigenstatistik sowie die gerichtliche Verurteilungsstatistik mit den Daten der Todesursachenstatistik verglichen. Dabei zeigte sich, dass die Zahl der Verurteilungen wegen Mordes weitgehend konstant blieb. Deutlich zugenommen haben hingegen die Verurteilungen wegen versuchten Mordes, insbesondere seit 2018.
Nach Einschätzung von Loidl bedeutet die sinkende Zahl an Tötungsdelikten nicht zwangsläufig, dass die Gewaltbereitschaft zurückgeht. Ein wesentlicher Grund für die Entwicklung seien vielmehr Fortschritte in der Notfall- und Akutmedizin, durch die heute mehr Menschen nach schweren Gewalttaten gerettet werden können.
Quelle: APA
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