Nachhilfe in NÖ: 23 Millionen Euro Kosten belasten Familien

Mathias FischerMathias Fischer
Junge Frau mit hellrosa Pullover gestikuliert, Mann mit schwarzem Rollkragenpullover schreibt am Tisch
© Thirdman / Pexels (Symbolbild)

Mehr als ein Viertel der niederösterreichischen Schülerinnen und Schüler erhielt im Schuljahr 2025/26 oder im Sommer davor Nachhilfe. Die Kosten belaufen sich auf knapp 23 Millionen Euro, zeigt eine aktuelle Erhebung der Arbeiterkammer.

Laut dem aktuellen AK-Nachhilfemonitoring haben rund 50.000 Schülerinnen und Schüler in Niederösterreich – das entspricht 26 Prozent – im Schuljahr 2025/26 oder im Sommer davor Nachhilfe beziehungsweise Lernhilfe in Anspruch genommen. Fast sechs von zehn davon nutzten bezahlte Nachhilfeangebote.

Die Gesamtkosten für Nachhilfe in Niederösterreich betragen knapp 23 Millionen Euro. Pro Schülerin oder Schüler und Schuljahr entstanden durchschnittlich Kosten von rund 780 Euro. Mehr als die Hälfte der Familien, die bezahlte Nachhilfe nutzten, empfand die finanzielle Belastung als spürbar bis sehr stark.

„Kinder müssen in der Schule jene Unterstützung bekommen, die sie brauchen – und zwar unabhängig davon, ob ihre Eltern sich Nachhilfe leisten können oder nach einem Arbeitstag noch Ressourcen haben, beim Lernen zu helfen“, so Markus Wieser, Präsident der AK Niederösterreich und Vorsitzender des ÖGB NÖ.

Lernen wird in die Familien verlagert

Neben den finanziellen Kosten stellt auch das Lernen zu Hause eine wachsende Belastung dar. Sechs von zehn Schülerinnen und Schülern lernen mindestens einmal pro Woche gemeinsam mit ihren Eltern, ein Viertel sogar fast täglich.

Die Folgen für die Eltern sind erheblich: 78 Prozent fühlen sich zeitlich belastet. 32 Prozent haben Schwierigkeiten, den Lernstoff zu erklären oder Wissen zu überprüfen. 68 Prozent fühlen sich durch unklare Anforderungen bei Schulaufgaben belastet. Mehr als zwei Drittel der Betroffenen geben an, dass das Helfen und Beaufsichtigen beim Lernen zu Ärger und Konflikten in der Familie führt.

„Lernen und Üben muss grundsätzlich in der Schule und nicht Zuhause stattfinden“, betont Wieser.

Nachhilfe zunehmend als Notfallplan

Am häufigsten wird Nachhilfe in Mathematik benötigt (69 Prozent), gefolgt von Deutsch (39 Prozent) und Fremdsprachen (16 Prozent).

Ein auffälliger Trend: Nachhilfe wird zunehmend dann genutzt, wenn es darum geht, eine negative Note zu verhindern (33 Prozent) oder sich auf Entscheidungsprüfungen vorzubereiten (21 Prozent). Gleichzeitig sank der Anteil jener, die Nachhilfe nutzen, um den Unterrichtsstoff besser zu verstehen, von 34 Prozent auf 24 Prozent. Nachhilfe entwickelt sich damit immer mehr zum Notfallplan, statt frühzeitig zur Unterstützung eingesetzt zu werden.

Forderungen nach mehr Personal und Ressourcen

Die AK Niederösterreich fordert, Schulen stärker mit Personal und Ressourcen auszustatten und kostenlose Lernförderung auszubauen. Schulen mit besonderen Herausforderungen müssten gezielt unterstützt werden. Zudem brauche es einen Ausbau von Ganztagsschulen und qualitätsvoller Nachmittagsbetreuung.

Gleichzeitig sei eine finanzielle Entlastung der Familien und ausreichende Schulbudgets für Lernmaterialien notwendig.

Die Erhebung wurde vom Sozial- und Meinungsforschungsinstitut IFES im Auftrag der Arbeiterkammer durchgeführt. Zwischen Mitte März und Ende Mai 2026 wurden bundesweit 4.691 Schulkinder in 3.208 Haushalten befragt, in Niederösterreich 683 Schulkinder in 451 Haushalten. Die Befragung erfolgte telefonisch und online.

Quelle: OTS

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