NEOS fordern drei Primärversorgungszentren pro Bezirk

Pia ProdingerPia Prodinger
Neos-Vorstoß: Mann mit überkreuzten Armen im Krankenhausflur
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Die NEOS präsentieren ein Reformkonzept für das Kärntner Gesundheitssystem. Die Partei verlangt drei moderne Primärversorgungszentren pro Bezirk mit Rund-um-die-Uhr-Öffnung sowie den Ausbau der Kliniken Klagenfurt und Villach zu Zentren der Spitzenmedizin.

Die NEOS haben am Freitag ein umfassendes Reformkonzept für das Kärntner Gesundheitssystem vorgelegt. Die Partei kritisiert, dass das Bundesland enorme Summen in ein System investiere, mit dem alle Beteiligten unzufrieden seien. Kassenärzte fehlten, Wartezeiten seien lang, Ambulanzen überfüllt und Ärzte arbeiteten am Limit.

Patientinnen und Patienten fänden immer schwerer Kassenärzte und müssten vielfach ins private System ausweichen, wodurch sie doppelt zur Kasse gebeten würden. An Tagesrändern, in der Nacht und am Wochenende stünden nur die Krankenhäuser für gesundheitliche Anliegen zur Verfügung. Auch Beschäftigte in Gesundheitsberufen seien mit dem System unzufrieden, wie sich zuletzt wieder im Klinikum Klagenfurt gezeigt habe. Dies geschehe, obwohl Kärnten extrem viel Geld in den Gesundheitsbereich stecke und elf Krankenhäuser im Bundesland finanziere.

Dänisches Modell als Vorbild

Die NEOS verweisen auf Dänemark als Beispiel für ein besser funktionierendes Gesundheitssystem. Das Land habe 21 Spitäler bei einer Bevölkerung von sechs Millionen Menschen und setze stark auf Primärversorgungszentren und Hausarztpraxen, die beispielsweise auch über Röntgengeräte oder Räume für kleinere Eingriffe verfügten. Die Dänen hätten mehr gesunde Lebensjahre als die Österreicherinnen und Österreicher bei deutlich niedrigeren Kosten pro Kopf. Die Qualität eines Gesundheitssystems messe sich nicht daran, wie viel Geld ins System gesteckt werde und wie viele Krankenhäuser betrieben würden, sondern wie durchdacht das System aufgebaut sei.

Auch Prävention habe im dänischen Gesundheitssystem einen hohen Stellenwert, während die Gesundheitsversorgung in Österreich stärker auf Reparaturmedizin ausgerichtet sei und echte Anreize zur Prävention fehlten.

Nur ein Primärversorgungszentrum in Kärnten

Die Landesregierung sei bei Primärversorgungszentren „Ankündigungsweltmeisterin“, kritisieren die NEOS. Tatsächlich gebe es aktuell (Stand: 2. September 2026) ein einziges Primärversorgungszentrum in Kärnten, nämlich das Medineum in Klagenfurt, geöffnet Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr, am Wochenende geschlossen. In Bau befindlich seien lediglich vier weitere Primärversorgungszentren in Villach, Wolfsberg, Spittal an der Drau und Bleiburg. Gleichzeitig hätten viele Kärntnerinnen und Kärntner Schwierigkeiten, überhaupt noch einen Kassenarzt zu finden, und seien mit langen Wartezeiten konfrontiert.

Die Partei fordert drei moderne Primärversorgungszentren pro Bezirk, die rund um die Uhr geöffnet sind. Zumindest eines davon solle auch an Tagesrandzeiten, am Wochenende und für Notfälle auch in der Nacht geöffnet haben, also eine 24-Stunden-, 7-Tage-die-Woche-Versorgung anbieten.

Vorteile der Primärversorgungszentren

Das Konzept verspreche schnelle, wohnortnahe Versorgung bei alltäglichen Gesundheitsanliegen rund um die Uhr. 95 Prozent der Kärntnerinnen und Kärntner könnten eines der Primärversorgungszentren innerhalb von maximal 20 Minuten mit dem Auto erreichen. Es handle sich um einen massiven Ausbau moderner kassenärztlicher Versorgung in allen Bezirken mit schnelleren Terminen und kürzeren Wartezeiten.

Eine massive Entlastung der deutlich teureren Spitalsambulanzen werde erreicht, da am Abend, in der Nacht und am Wochenende ein Ansprechpartner im niedergelassenen Bereich für Gesundheitsanliegen bereitstehe. Wer also am Sonntag einen Wespenstich abklären lassen wolle, müsse dafür nicht mehr in die Spitalsambulanz. Zudem böten sich attraktive Arbeitsbedingungen gerade für junge Ärztinnen, Ärzte und Beschäftigte im Gesundheitsbereich, da Vertretungen, Karenz oder Teilzeit im Primärversorgungszentrum gut organisiert werden könnten und auch die wirtschaftliche Verantwortung geteilt werde.

Klagenfurt und Villach als Zentren der Spitzenmedizin

Im Bereich der Krankenhäuser sollen das Klinikum Klagenfurt und das Klinikum Villach zu Zentren der Spitzenmedizin ausgebaut werden. Komplexe Materien sollen dort erledigt werden. Studien belegten, dass die Ergebnisse in Krankenhäusern besser seien, wo Spezialistinnen und Spezialisten im jeweiligen Bereich sehr viele dieser Eingriffe im Jahr durchführten, während die Qualität sinke, wenn Eingriffe an einem Krankenhaus sehr selten durchgeführt würden.

Gleichzeitig seien in der modernen Spitzenmedizin eine Spezialisierung der behandelnden Ärzte auf immer neue Behandlungsmethoden sowie moderne Geräte notwendig. Vor diesem Hintergrund sei es sinnvoll, diese komplexen Gesundheitsangebote an zwei Schwerpunktspitälern zu bündeln. Damit diese beiden Krankenhäuser das gesamte Einzugsgebiet Kärntens bei komplexen Gesundheitsproblemen stemmen könnten, sei ein Ausbau notwendig, der anfangs mit Zusatzkosten verbunden sei, längerfristig aber Geld in den restlichen Spitälern spare.

Akutversorgung bleibt wohnortnah

Alle anderen öffentlichen Krankenhäuser böten weiterhin eine Akutversorgung an. Wer sofort Hilfe brauche, beispielsweise bei einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer Geburt, solle weiterhin jederzeit sein wohnortnahes Krankenhaus aufsuchen können.

Der erste Kontaktpunkt im Krankenhaus solle nach dem Vorbild Villachs eine Erstversorgungsambulanz sein, in der schnell und unbürokratisch abgeklärt werde, ob das Anliegen in der Erstversorgungsambulanz gelöst werden könne, oder ob der Patient oder die Patientin in eine Abteilung des Krankenhauses weitergeleitet werden müsse. So werde sichergestellt, dass Fälle, die allgemeinmedizinisch gelöst werden könnten, in der Erstversorgungsambulanz gelöst würden und nur jene Fälle ins Krankenhaus kämen, die auch wirklich ins Krankenhaus müssten.

Eine punktuelle Spezialisierung an diesen Krankenhäusern könne erhalten bleiben, wenn das Krankenhaus in diesem Bereich bereits jetzt renommiert sei und ein ausgewiesenes Experten-Team im Fachbereich vor Ort sei. Ein Beispiel sei die Gailtal-Klinik mit ihrem Schwerpunkt auf neurologische Rehabilitation. Ansonsten sollten sich die Krankenhäuser aber auf eine gute Akutversorgung konzentrieren, statt ein breites Angebot an Abteilungen anzubieten.

Kritik an der Landesregierung

Die NEOS werfen der Landesregierung vor, sich aus Angst vor Widerständen nicht zu trauen, das Thema wirklich anzupacken und zu überlegen, wie das Gesundheitssystem qualitativ besser und gleichzeitig langfristig finanzierbar aufgestellt werden könnte. Stattdessen lasse man die Strukturen unangetastet, führe maximal kleine, kosmetische Änderungen durch und versuche ansonsten, sich mit Ankündigungs- und Symbolpolitik über das Thema „drüber zu retten“.

Die Partei fordert von der Landespolitik, dass sie aufhöre, nur aufs nächste Wahlergebnis zu schielen, und endlich anfange, das beste Gesundheitssystem für die Kärntnerinnen und Kärntner zu bauen. Es sei Zeit für ein modernes Gesundheitssystem, das den Menschen bessere Qualität liefere und gleichzeitig langfristig leistbar bleibe.

Quelle: https://kaernten.neos.eu/aktuelles/news/2026/9/neos-reformkonzept-zum-kaerntner-gesundheitssystem

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