Neos fordern Umsetzung von Bildungsreformen in Oberösterreich

Mit Beginn des Schuljahres 2026/27 treten bundesweite Bildungsreformen in Kraft. Neos-Landessprecher Felix Eypeltauer verlangt nun, dass Oberösterreich die neuen Möglichkeiten konsequent nutzt – von zusätzlichen Ressourcen für 59 Schulen bis zur Entlastung von Bürokratie.
Felix Eypeltauer, Landessprecher und Klubobmann der Neos Oberösterreich, drängt auf die rasche Umsetzung der bundesweiten Bildungsreformen im Land. Das neue Schuljahr bringe zahlreiche Neuerungen: Schulen mit besonderen Herausforderungen erhalten zusätzliche Mittel, die Deutschförderung wird flexibler gestaltet, Schulleitungen bekommen mehr Autonomie und Unterstützung, suspendierte Schülerinnen und Schüler werden künftig verbindlich betreut und die psychosoziale Betreuung wird ausgebaut.
„Wo Neos Verantwortung übernehmen, kommt Bewegung ins Bildungssystem. Christoph Wiederkehr hat Reformen auf den Weg gebracht, die jetzt auch in Oberösterreich spürbar werden“, erklärt Eypeltauer. Entscheidend sei aber, ob die Reformen tatsächlich bei den Kindern im Klassenzimmer ankommen.
Die Notwendigkeit von Reformen zeigen laut Eypeltauer auch die aktuellen PISA-Ergebnisse. Österreich liege zwar weiterhin über dem OECD- und EU-Schnitt, doch die Leistungen beim Lesen und in Mathematik seien zurückgegangen. „PISA liefert die Diagnose, Christoph Wiederkehr liefert Reformen – und jetzt muss Oberösterreich liefern“, so der Neos-Politiker.
Chancenbonus für 59 oberösterreichische Schulen
Ein wichtiger Teil der Reform ist der neue Chancenbonus. Österreichweit bekommen 400 Volks- und Mittelschulen mit besonders schwierigen sozialen Bedingungen mehr Personal. Davon liegen 59 Schulen in Oberösterreich, 24 in Linz und zwölf in Wels. Jede Schule kann selbst entscheiden, welche Hilfe sie braucht – etwa mehr Lehrkräfte, Schulsozialarbeit oder Schulpsychologie. Eypeltauer sagt: „Das ist ein echter Systemwechsel: weg von der Gießkanne, hin zu Ressourcen nach Bedarf.“ Kein Kind soll schlechtere Chancen haben, nur weil seine Schule schwierigere Voraussetzungen hat. Neos Oberösterreich verlangt vom Land, dass die nötigen Fachkräfte wirklich bereitgestellt werden und klar wird, welche zusätzlichen Mittel bei den einzelnen Schulen ankommen.
Mehr Autonomie bei der Deutschförderung
Auch bei der Deutschförderung ändert sich etwas. Bisher mussten Schulen ab acht außerordentlichen Schülerinnen und Schülern automatisch eine eigene Deutschförderklasse oder -gruppe einrichten. Diese Pflicht fällt jetzt weg. Schulen dürfen die Förderung nun freier an ihre Situation anpassen. Laut Bildungsdirektion setzt mehr als die Hälfte der betroffenen Schulen künftig auf eigene, schulautonome Lösungen.
Eypeltauer sagt dazu: „Deutsch öffnet Türen – im Klassenzimmer und weit darüber hinaus. Wer Unterstützung braucht, muss sie bekommen. Gleichzeitig müssen wir den Pädagoginnen und Pädagogen zutrauen, selbst zu entscheiden, welches Fördermodell für ihre Kinder am besten funktioniert.“
Wie groß der Bedarf ist, zeigt die diesjährige Sommerschule: 7.955 Kinder und Jugendliche nahmen in Oberösterreich teil. 2.397 von ihnen mussten erstmals teilnehmen, weil ihre Deutschkenntnisse zu gering waren. Unterrichtet haben sie 878 Lehrkräfte an 130 Standorten.
Entlastung von Bürokratie gefordert
Mehr Autonomie funktioniert laut Eypeltauer nur, wenn Schulen auch genug Zeit und Personal haben, um sie zu nutzen. Deshalb sollen Schulleitungen künftig durch das neue Mittlere Management bei organisatorischen und pädagogischen Führungsaufgaben unterstützt werden.
Gleichzeitig setzt die Initiative „Freiraum Schule“ beim Verwaltungsaufwand an: Rund 80 Prozent der bisherigen Rundschreiben wurden gestrichen oder neu geordnet. Mit „Teachers.Direct“ sollen die Kommunikationswege zwischen Lehrpersonal und Bildungsverwaltung einfacher werden.
Verbindliche Begleitung suspendierter Schüler
Besonders deutlich zeigt sich der Reformbedarf bei den Suspendierungen: Im vergangenen Schuljahr wurden in Oberösterreich 587 Schülerinnen und Schüler suspendiert – im Fünfjahresvergleich hat sich diese Zahl nahezu verdreifacht.
Ab diesem Schuljahr sollen suspendierte Kinder und Jugendliche verbindlich begleitet werden. Vorgesehen sind dafür individuelle Förderpläne, Unterricht, psychosoziale Unterstützung sowie die Einbindung der Eltern.
„Wer andere gefährdet oder massiv gegen Regeln verstößt, braucht klare Konsequenzen“, sagt Eypeltauer. „Aber ein Schulausschluss auf Zeit darf nicht bedeuten, dass ein Kind im Park oder Einkaufszentrum landet und danach mit denselben Problemen zurückkommt.“
Parallel dazu wird die Unterstützung an den Schulen weiter ausgebaut: Oberösterreich verfügte im März 2026 über 46 Planstellen in der Schulpsychologie, nach 24 Ende 2024. Erstmals entstehen zudem eigene Bundesplanstellen für Schulsozialarbeit. Auch bei drohendem Bildungsabbruch wird früher angesetzt – ab der 9. Schulstufe werden in bestimmten Fällen verpflichtende Perspektivengespräche eingeführt.
„Eine Lehrerin kann nicht gleichzeitig Lehrerin, Psychologin, Sozialarbeiterin und Krisenmanagerin sein. Pädagoginnen und Pädagogen brauchen die richtigen Profis an ihrer Seite, damit Lernen wieder im Mittelpunkt stehen kann“, betont Eypeltauer.
Kindergarten als erste Bildungseinrichtung
Die aktuellen PISA-Ergebnisse machen laut Neos auch deutlich, dass Probleme bei Sprache, Konzentration oder Grundkompetenzen nicht erst im Teenageralter entstehen. Der Kindergarten sei die erste Bildungseinrichtung und nicht bloß Betreuung.
Der neue bundesweite Qualitätsrahmen für die Elementarpädagogik stärkt die frühe Sprachförderung sowie Vorlesen, Schreiben, Kreativität und Konzentration. Gerade hier trägt Oberösterreich selbst besondere Verantwortung – etwa bei Qualität, Personal, Betreuungsschlüsseln, Öffnungszeiten und früher Förderung.
„Wenn uns PISA bei 15-Jährigen Probleme beim Lesen zeigt, kann die politische Antwort nicht erst mit der Volksschule beginnen“, sagt Eypeltauer. „Die entscheidenden Bildungsjahre starten viel früher. Oberösterreich muss den Kindergarten konsequent als erste Bildungseinrichtung behandeln – mit hoher Qualität, ausreichend Personal und früher Förderung.“
Neos OÖ sieht das Reformjahr als klaren Auftrag: Fachkräfte für die 59 Chancenbonus-Schulen, transparente Nutzung der neuen Deutschförderfreiheit, weniger Bürokratie, verfügbare psychosoziale Unterstützung und konsequenter Ausbau des Kindergartens als erste Bildungseinrichtung. Eypeltauer: „Haben Kinder dadurch bessere Chancen als vorher? Jetzt liegt es an Oberösterreich, die neuen Möglichkeiten zu nutzen.“
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