Netzraum Kärnten: Hunderte bei Erörterung zu EU-Projekt

Pia ProdingerPia Prodinger
Energieversorgung: Strommasten, Windräder, Solaranlagen und EU-Flagge
© Mit KI (Gemini) generiert

In Villach fand die öffentliche Erörterung zum Infrastrukturprojekt Netzraum Kärnten statt. Einige hundert Interessierte nutzten die Gelegenheit, sich über das seit April als EU-Schlüsselprojekt eingestufte Vorhaben zu informieren.

Die zuständige Behörde lud ins Congress Center Villach zur öffentlichen Erörterung des Projekts Netzraum Kärnten. Austrian Power Grid (APG) und Kärnten Netz informierten über den aktuellen Stand des Vorhabens und standen für Fragen zur Verfügung. Die für Projekte mit PCI-Status (Project of Common Interest) verpflichtende Veranstaltung stieß auf großes Interesse.

Wolfgang Hafner, Projektleiter der APG, betonte die Bedeutung des Dialogs: Zukunftsfähige Infrastruktur entstehe nur im Gespräch mit Gemeinden und Grundeigentümern. Die Anerkennung als PCI-Projekt bestätige die Notwendigkeit des Vorhabens für die Versorgungssicherheit in Kärnten, Osttirol, Österreich und ganz Europa. Die öffentliche Erörterung ist nicht Teil des späteren UVP-Genehmigungsverfahrens, das Ende 2027 starten soll.

EU-Status ermöglicht Förderungen

Ende April 2026 hat die Europäische Union das Projekt Netzraum Kärnten in die PCI-Liste aufgenommen. Damit bestätigt die Europäische Kommission offiziell die überregionale und europäische Bedeutung des Vorhabens für die künftige Energieversorgung. Mit dem PCI-Status können nun auch Fördermittel der EU beantragt werden.

APG und Kärnten Netz kommen damit auch ihrer gesetzlichen Verpflichtung nach, mögliche Förderungen in Anspruch zu nehmen. EU-Förderungen sollen dazu beitragen, die Investitionskosten zu reduzieren. Dies bedeutet langfristig eine Dämpfung der Netzkosten für Kundinnen und Kunden in Kärnten, Osttirol und Österreich.

Energiewende erfordert leistungsfähige Netze

Der Ausbau gewinnt vor dem Hintergrund der Energiewende und des steigenden Strombedarfs zusätzlich an Bedeutung: In den kommenden 15 Jahren wird es zu einer Verdoppelung des Stromverbrauchs kommen. Gleichzeitig erfordert der Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und Speichern leistungsfähige Netze, um Versorgungssicherheit auch in Zeiten extremer Wetterereignisse zu gewährleisten.

Wie dringlich starke Netze sind, zeigt sich aktuell: Die anhaltende Hitzewelle lässt die Wasserstände der Flüsse sinken, wodurch Leistungsdefizite in den Laufkraftwerken entstehen. Diese müssen zunehmend durch Photovoltaik, Windkraft und Speicher ausgeglichen werden – eine Aufgabe, für die es mehr leistungsfähige Netze braucht.

380-kV-Verbindung und Ausbau des 110-kV-Netzes

Netzraum Kärnten ist ein Kooperationsprojekt von APG und Kärnten Netz und umfasst nicht nur die neue 380-kV-Verbindung zwischen Lienz in Osttirol und Obersielach bei Völkermarkt, sondern auch den Ausbau und die Verstärkung des Kärntner 110-kV-Netzes. Zwischen Oberdrauburg und Obersielach wird eine leistungsfähige 110-kV-Leitung der Kärnten Netz mitverlegt und mit zwölf Umspannwerken verbunden.

Das sind die Umspannwerke Oberdrauburg und Steinfeld im oberen Drautal, Malta Unterstufe bei Möllbrücke, Malta 2 im unteren Mölltal, Spittal an der Drau, Kamering und Gummern im unteren Drautal, Treffen bei Villach, Landskron, Zollfeld südlich von St. Veit an der Glan, Brückl und Obersielach. Acht dieser Umspannwerke werden neu errichtet beziehungsweise ausgebaut.

Gernot Kowatsch, Projektleiter von Kärnten Netz, erklärt: Die Bündelung der neuen 380-kV- und 110-kV-Systeme in einer gemeinsamen Trasse bringe mehrfachen Nutzen. Man stärke die regionale Stromversorgung, reduziere den Ausbaubedarf im bestehenden 110-kV-Netz und schaffe die Voraussetzung, rund 140 Kilometer bestehender Leitungen zu demontieren, die an vielen Orten durch Siedlungsgebiete verlaufen.

Planungstrasse weicht um 20 Prozent ab

In den vergangenen Monaten ist die Projektplanung weiter vorangeschritten. Die vorliegende Planungstrasse konkretisiert die 2025 präsentierte Grobtrasse und weist eine durchschnittliche Breite von rund 70 Metern auf. Hunderte Gespräche mit Gemeinden und Grundeigentümern sowie die Erkenntnisse aus umfangreichen Fachuntersuchungen sind direkt in die Planung eingeflossen.

Dadurch weicht die Planungstrasse in ihrem Verlauf um mehr als 20 Prozent von der ursprünglichen Grobtrasse ab, fasst Christian Bellina, UVE-Koordinator der APG, zusammen. Die Anpassungen sind das Ergebnis eines intensiven Dialogs mit den betroffenen Gemeinden und der kontinuierlichen fachlichen Prüfung. In den kommenden Monaten folgen die Maststandorte und Zufahrten sowie weitere Detailuntersuchungen. Ziel ist die Ausarbeitung der Feintrasse, die Ende des Jahres vorgestellt wird.

Quelle: OTS

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