Neue Broschüre hilft bei Moorrenaturierung in Österreich

Mona HopfingerMona Hopfinger
Gelbe Wiesenblumen im Grünen, detailreiche Aufnahme einer blühenden Pflanze auf einer Wiese.
© HBLFA Raumberg-Gumpenstein, A. Bohner

Die HBLFA Raumberg-Gumpenstein hat eine Broschüre veröffentlicht, die anhand von Zeigerpflanzen den Zustand von Mooren beurteilt.

Die HBLFA Raumberg-Gumpenstein hat im Rahmen des Projekts MOIST eine Broschüre zur Renaturierung von Mooren herausgebracht. Das Projekt befasst sich mit der Erfassung degradierter Moorflächen in Österreich und deren Eignung zur Regeneration. Finanziert wurde es vom Fonds der Europäischen Union – NextGenerationEU und dem Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft.

Die Broschüre zeigt wichtige Entwässerungs-, Nährstoff- und Störungszeiger auf Moorböden auf. Sie richtet sich an Moorflächenbesitzer, zuständige Behörden, Naturschützer sowie Planer und Umsetzer von Renaturierungsprojekten. Ziel ist es, die Akzeptanz von Wiederherstellungsmaßnahmen bei Grundstückseigentümern und Bewirtschaftern zu erhöhen und die langfristige Erhaltung intakter Moorlebensräume zu fördern.

Bedeutung von Mooren für Klima und Biodiversität

Moore speichern große Mengen Kohlenstoff, regulieren den Wasserhaushalt und bieten zahlreichen hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum. Naturnahe Moore speichern langfristig Kohlenstoff in Form von Torf und beherbergen hoch spezialisierte Pflanzenarten. Gleichzeitig reagieren sie besonders empfindlich auf Entwässerung, Nährstoffeinträge und Nutzungsänderungen.

Österreichs Moorfläche beläuft sich auf rund 44.000 Hektar. Gemäß der Moorstrategie Österreich 2030+ und der EU-Wiederherstellungsverordnung sollen naturnahe Moore erhalten und degradierte Moore renaturiert werden. Als Grünland genutzte Feuchtflächen leisten zudem einen wesentlichen Beitrag, um in trockenen Jahren die Grundfutterversorgung zu sichern.

Zeigerpflanzen ermöglichen rasche Beurteilung

Zeigerpflanzen erlauben eine schnelle Einschätzung des Erhaltungszustands von Mooren und liefern wertvolle Informationen für Naturschutz, Renaturierung und Wissenschaft. Weil sie häufig rascher auf Veränderungen reagieren als Bodenparameter, lassen sich aus ihrem Vorkommen Wasserhaushalt, Nährstoffstatus und Degradationsgrad eines Moorstandortes zügig ablesen.
Die Broschüre gibt Auskunft über den Erhaltungszustand, den Entwässerungsgrad, den Nährstoffstatus, Bewirtschaftungsfehler und das Renaturierungspotenzial von Mooren sowie über den Erfolg von Renaturierungsmaßnahmen. In Landwirtschaft und Naturschutz haben sich vor allem Gefäßpflanzen bewährt, da sich diese deutlich einfacher bestimmen lassen als viele Moose.

Drei Zeiger-Pflanzengruppen im Überblick

Entwässerungszeiger (u. a. Arnika, Berg-Klee, Besenheide, Blutwurz, Teufelsabbiss, Klein-Pfeifengras, Rot-Straußgras, Bürstling) deuten auf einen gestörten Wasserhaushalt hin – je häufiger, desto stärker die hydrologische Beeinträchtigung. Besonders das Klein-Pfeifengras breitet sich auf entwässerten Flächen aus und gilt als wichtiger Warnhinweis.
Nährstoffzeiger (Große Brennnessel, Groß-Mädesüß, Kohl-Kratzdistel, Schilf, Acker-Quecke, Wiesen-Fuchsschwanz, Wiesen-Schwingel, Schlank-Segge) zeigen den Eutrophierungsgrad an; je höher ihr Anteil, desto geringer meist das Renaturierungspotenzial, und nährstoffreiche Moore sind deutlich schlechter renaturierbar.
Störungszeiger (Acker-Minze, Kraus-Ampfer, Kriech-Hahnenfuß, Wasser-Greiskraut, Zweizipfel-Hohlzahn) weisen auf Bewirtschaftungs- oder Pflegefehler hin, meist auf offenen Bodenstellen, und ermöglichen frühes Gegensteuern.

Beurteilung des Renaturierungspotenzials

Ein wichtiges Ergebnis der Broschüre betrifft das Verhältnis von Moorarten zu Arten, die nicht ins Moor gehören. Wenn Entwässerungs-, Nährstoff- und Störungszeiger überwiegen, hat eine Renaturierung weniger Chancen. Moore, die nur wenig entwässert sind und in denen es noch Moorarten gibt, lassen sich dagegen oft gut renaturieren.
Viele Moose sind ein Zeichen für ein naturnahes Moor. Torfmoose und andere typische Moormoose reagieren sehr empfindlich auf Entwässerung und zu viele Nährstoffe. Bedecken Moose weniger als zehn Prozent der Fläche, ist das Moor oft geschädigt.
Die Broschüre soll helfen, passende Flächen für Renaturierungsprojekte zu finden. Sie unterstützt auch bei der Planung wirksamer Maßnahmen für entwässerte Moore. Außerdem hilft sie, eigene Bewirtschaftungs- oder Pflegemaßnahmen zu entwickeln, die das Moor schonen, dem Klima nützen und die Artenvielfalt fördern.

Quelle: https://raumberg-gumpenstein.at/forschung/aktuelles/broschuere-fuer-zeigerpflanzen-in-moorlebensraeumen.html

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