Neue EU-Regel ermöglicht zuckerreduzierten Fruchtsaft

Eine überarbeitete EU-Richtlinie schafft neue Kategorien für Fruchtsäfte mit reduziertem Zuckergehalt. Das niederösterreichische Unternehmen Austria Juice aus Kröllendorf hat dafür ein eigenes Fermentationsverfahren entwickelt, so der ORF.
Die EU hat ihre sogenannten Frühstücksrichtlinien überarbeitet und ermöglicht damit neue Produktkategorien wie „zuckerreduzierter Fruchtsaft“, „zuckerreduzierter Fruchtsaft aus Konzentrat“ und „konzentrierter zuckerreduzierter Fruchtsaft“. Voraussetzung ist eine deutliche Reduktion des Zuckergehalts.
Patentiertes Fermentationsverfahren
Das Unternehmen Austria Juice aus Kröllendorf im Bezirk Amstetten bietet zuckerreduzierte Fruchtsaftkonzentrate für die Getränkeindustrie an. Geschäftsführer Kai Antonius sieht darin eine Antwort auf aktuelle Trends: Konsumentinnen und Konsumenten wollten weiterhin Mineralstoffe, Vitamine und Säuren aus dem Saft, aber weniger Zucker aufnehmen.
Das Unternehmen setzt auf ein eigens patentiertes Fermentationsverfahren. Der Zucker werde dabei umgewandelt und dem Produkt anschließend entzogen, erklärt Antonius. Dadurch entstehe eine echte Kalorienreduktion. Weder Verdünnung noch Süßstoffe kämen zum Einsatz.
B2B-Geschäft mit internationaler Reichweite
Die Technologie richtet sich an die weiterverarbeitende Getränkeindustrie. Austria Juice verkauft keine Produkte direkt an Endverbraucher, sondern liefert Konzentrate, Aromen und Grundstoffe, die später unter anderen Markennamen im Handel landen.
Am Standort Kröllendorf arbeiten rund 250 Menschen. Vom Standort Kröllendorf dort aus werden Einkauf, Vertrieb, Qualität und Produktentwicklung der internationalen Gruppe gesteuert. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen etwa 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an zwölf Produktionsstandorten in Europa und Asien und beliefert nach eigenen Angaben mehr als 750 Kunden in 65 Ländern.
Kröllendorf sei der zentrale Entwicklungsstandort, so Antonius. Alle Aromen und Getränke-Grundstoffe für die gesamte Gruppe würden im Mostviertel entwickelt. Das Unternehmen geht auf die lokale Ybbstaler Obstverwertung zurück. Die bekannte Marke „YO“ gehört heute nicht mehr dazu. Man konzentriere sich ausschließlich auf das B2B-Geschäft.
Regulierung als Geschäftschance
Die neue EU-Regelung schafft für Hersteller eine klare Kategorie zur Vermarktung von zuckerreduziertem Fruchtsaft. Für Unternehmen entsteht somit ein neues Geschäftsfeld. Aus Sicht von Austria Juice schließt die Technologie eine Lücke: Fruchtsaft habe ein positives Image, sein natürlicher Zuckergehalt sei aber zunehmend Thema. Die Industrie suche nach Lösungen, um Saftprodukte an veränderte Konsumgewohnheiten und neue Kennzeichnungsregeln anzupassen.
Das Beispiel zeige, wie Regulierung Innovation auslösen könne. Eine EU-Vorgabe führe nicht nur zu neuen Kennzeichnungen im Regal, sondern auch zu Investitionen in Verfahrenstechnik, Produktentwicklung und internationale Vermarktung.
AGES: Zuckerreduktion positiv, aber kein Ersatz für Wasser
Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bewertet eine Reduktion des Zuckergehalts grundsätzlich positiv. Zuckerreduzierter Fruchtsaft würden einen Beitrag dazu leisten, die Zuckeraufnahme zu verringern. Entscheidend ist aber die tatsächlich konsumierte Menge, der verbleibende Gehalt an freien Zuckern und das allgemeine Ernährungsverhalten.
Die AGES weist zugleich darauf hin, dass auch zuckerreduzierte Fruchtsäfte nicht mit frischem Obst gleichzusetzen seien. Fruchtsäfte dürften weniger Ballaststoffe enthalten und weniger sättigen als ganze Früchte. Als Durstlöscher empfiehlt die Behörde vor allem Trinkwasser, alternativ stark verdünnte Obst- und Gemüsesäfte.
Auch Foodwatch Österreich sieht die Zuckerreduktion grundsätzlich vielversprechend, warnt aber vor einem falschen Gesundheitsbild. Entscheidend sei nicht nur das Werbeversprechen, sondern der tatsächliche Zuckergehalt, der sich pro 100 Milliliter entwickelt. „Zuckerreduziert“ bedeute nicht automatisch „zuckerarm“ oder „gesund“.
Warnung vor Health-Halo-Effekt
Die AGES spricht vom sogenannten Health-Halo-Effekt. Angaben wie „30 Prozent weniger Zucker“ könnten dazu führen, dass ein Lebensmittel insgesamt gesünder wirke, als es tatsächlich sei. In der Folge könnten Konsumentinnen und Konsumenten viel größere Mengen trinken. Der Vorteil der Zuckerreduktion würde dadurch vermehrt wieder verloren gehen.
Antonius weist den Vorwurf zurück, es handle sich bloß um ein Marketinginstrument. Saft sei ein Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung und enthalte Mineralstoffe und Vitamine, aber eben auch Zucker. Mit der neuen Technologie könne der Zucker reduziert werden.
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