Neunerhaus warnt vor Versorgungslücke bei Wohnungslosen

Die Wiener Sozialorganisation Neunerhaus schlägt Alarm: Immer mehr obdach- und wohnungslose Menschen mit psychischen Erkrankungen und Suchtproblemen suchen Hilfe. Gleichzeitig werden Angebote gekürzt und Zugänge erschwert.
Die Wiener Sozialorganisation Neunerhaus verzeichnet in ihren Einrichtungen einen deutlichen Anstieg von obdach- und wohnungslosen Personen, die aufgrund von Sucht- und psychiatrischen Erkrankungen besonderen Unterstützungsbedarf haben. Die Problemlagen würden immer komplexer, während parallel dazu Hilfsangebote eingeschränkt oder gekürzt würden, heißt es von der Organisation.
„Es kommen immer mehr Menschen mit immer komplexeren Problemlagen zu uns, gleichzeitig werden Zugänge erschwert und Angebote gekürzt oder eingeschränkt“, erklärt Elisabeth Hammer, Geschäftsführerin von Neunerhaus. Die Wohnungslosenhilfe fungiere als letztes Auffangnetz, wenn andere Systeme an ihre Grenzen stoßen. Betroffene würden im Kreis geschickt, während die Hilfsangebote nicht vorankämen.
Bedarf an Beratung steigt massiv
Die Zahlen belegen den Trend: Im vergangenen Quartal gab es in der Praxis Psychische Gesundheit des Neunerhaus Gesundheitszentrums um fast ein Viertel mehr Beratungsgespräche als im ersten Quartal 2026. Diese Einrichtung unterstützt seit fünf Jahren obdach- und wohnungslose Menschen ohne Stigmatisierung auf Augenhöhe.
Auch im Neunerhaus Café stieg die Zahl der sozialarbeiterischen Beratungen im letzten Quartal um 14 Prozent gegenüber dem Vorquartal. In den drei Wohnhäusern der Organisation leben zunehmend Menschen, deren Betreuungsbedarf eigentlich durch spezialisierte Systeme wie Pflege, Behindertenhilfe, Psychiatrie oder Suchthilfe abgedeckt werden müsste. Lange Wartezeiten und fehlende Plätze machen dies jedoch unmöglich.
Forderung nach geschütztem Krisenort
Neunerhaus, das auch Mitglied der Plattform Zukunft Psychiatrie ist, fordert einen geschützten Ort außerhalb der stationären Psychiatrie für Menschen in Krisen. Dieser solle Raum für Krisenbewältigung, Stabilisierung sowie für Abklärung und Weitervermittlung bieten.
„Nicht jeder Mensch in einer psychischen Krise braucht ein Spitalsbett. Aber immer mehr Menschen brauchen mehr Unterstützung, als die Wohnungslosenhilfe allein leisten kann“, betont Hammer. Für den Raum zwischen den bestehenden Systemen brauche es mehr Ressourcen und neue Antworten. Gesundheit und Soziales müssten hier verstärkt gemeinsam Verantwortung übernehmen, damit Menschen nicht zwischen Zuständigkeiten und an ein Leben auf der Straße verloren gehen.
Quelle: OTS
Worüber spricht Wien morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.