Neusiedler See: Wildgänse überwintern im Burgenland

Mathias FischerMathias Fischer
Graugänse mit Küken auf einer Wiese in Österreich
© Hans Glader

Rund um den Neusiedler See rasten und überwintern jedes Jahr tausende Wildgänse. Der Naturschutzbund erklärt, welche Arten zu beobachten sind und warum die gefiederten Wintergäste ökologisch wichtig sind.

Sobald die Herbsttage kürzer werden, versammeln sich Wildgänse an Seen, in Feuchtgebieten und auf offenen Feldern. Manche Arten ziehen weiter gen Süden, andere verbringen die kalte Jahreszeit in Österreich. Das Neusiedler-See-Gebiet und der Seewinkel gehören zu den wichtigsten Rast- und Überwinterungsplätzen des Landes.

Graugans, Blässgans und seltene Arten

Zu den häufigsten Wintergästen zählt die Graugans. Für sie ist die Region am Neusiedler See das bedeutendste Brut-, Rast- und Überwinterungsareal in Österreich. Ob die Tiere bleiben oder nach Mittel- und Norditalien weiterziehen, hängt von Wetter und Nahrungsangebot ab. Ebenfalls regelmäßig in größerer Zahl anzutreffen ist die Blässgans, deren Überwinterungsgebiet sich über West- und Zentraleuropa erstreckt. Seltener zu sehen sind Zwerggans und Kurzschnabelgans – sie kommen nur vereinzelt oder unregelmäßig vor.

Ökologische Rolle der Gänse

Als Pflanzenfresser prägen Wildgänse die Vegetation, verbreiten Samen und sind Teil komplexer Nahrungsnetze. Ihre Beweidung fördert die Entstehung und den Erhalt wertvoller Lebensräume wie kurzrasiger Feuchtwiesen, offener Uferzonen und bestimmter Grünlandtypen. „Wildgänse sind Teil unserer heimischen Artenvielfalt und erfüllen essenzielle ökologische Funktionen“, betont Carolina Trcka-Rojas vom Naturschutzbund Österreich. Sie verweist auf das ausgeprägte Sozialverhalten der Tiere, das bereits Konrad Lorenz erforscht hat: starker Familienzusammenhalt und meist lebenslange Paarbindung.

Jagd und Martinigansl

Im Jagdjahr 2025/2026 wurden laut Statistik Austria rund 1.700 Wildgänse in Österreich erlegt – ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wildgänse gehören damit zu den wenigen Federwildarten mit steigenden Abschusszahlen. Besonders rund um den Martinstag am 11. November ist das Ganslessen ein verbreiteter Brauch mit historischen Wurzeln.

Beste Beobachtungszeiten und Orte

Größere Ansammlungen lassen sich vor allem in Feuchtgebieten und auf offenen Flächen nahe Gewässern beobachten. Besonders lohnend sind der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel, die Donau-March-Auen, das Rheindelta am Bodensee, die Unteren Innstauseen in Oberösterreich und das Vogelparadies Weidmoos in Salzburg. Von Oktober bis Februar sind die Chancen gut, durchziehende und überwinternde Gänse zu entdecken. Frühe Morgenstunden und Abendstunden eignen sich besonders, wenn die Tiere zwischen Schlafgewässern und Nahrungsflächen wechseln.

„Wer Wildgänse im Winter beobachtet, erlebt nicht nur ein eindrucksvolles Naturschauspiel, sondern auch ein Stück europäischer Vogelwanderung“, so Trcka-Rojas. Die Tiere zeigen, wie eng Österreichs Landschaften mit anderen Regionen Europas verbunden sind. Der Schutz geeigneter Rast- und Überwinterungsgebiete komme deshalb ganzen Lebensgemeinschaften zugute.

Beobachtungen melden

Der Naturschutzbund ruft dazu auf, Vogelbeobachtungen auf der Plattform www.naturbeobachtung.at oder über die gleichnamige App zu teilen. Gemeldete Sichtungen werden von Fachleuten ausgewertet und helfen, Vorkommen und Verbreitung von Vogelarten zu dokumentieren sowie Veränderungen zu erkennen.

Quelle: https://naturschutzbund.at/newsreader-36/items/wildgaense-in-oesterreich-ein-blick-ueber-den-tellerrand.html

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