Niederösterreich: 2.000 Kilometer Straße gegen Wildunfälle

In Niederösterreich sind mittlerweile 2.040 Kilometer Landesstraße mit Wildwarnreflektoren und -geräten ausgestattet. Das Projekt „Wildtiere & Verkehr“ konnte die Zahl der Rehwild-Nachtunfälle auf ausgerüsteten Strecken um bis zu 70 Prozent senken.
Jährlich sterben rund 30.000 Wildtiere bei Verkehrsunfällen auf niederösterreichischen Straßen. Zusammenstöße mit Wildtieren bedeuten zugleich ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Autoinsassen. Seit 17 Jahren läuft deshalb das Projekt „Wildtiere & Verkehr“, eine Kooperation von NÖ Straßendienst, NÖ Jagdverband und den Land&Forst Betrieben Österreich (LFBÖ). Heuer wurden in der Straßenmeisterei Krems 6.500 optische Wildwarnreflektoren und 470 optisch/akustische Wildwarngeräte ausgegeben, die Jägerinnen und Jäger gemeinsam mit dem Straßendienst entlang von Landesstraßen montieren.
Die Geräte werden in 24 neuen und 69 bestehenden Projekt-Revieren an den weißen Pflöcken entlang der Straßen befestigt. Damit überschreitet das Projekt erstmals die Marke von 2.000 Kilometern ausgestatteter Straße.
76,6 Kilometer neu ausgerüstet
Allein 2026 installieren die Jägerinnen und Jäger insgesamt 6.970 Wildwarnreflektoren und -geräte. Damit werden 76,6 Kilometer Straße neu ausgerüstet, weitere 41,6 Kilometer erhalten ein Upgrade. An neuralgischen Stellen entlang von Landesstraßen werden gezielt Wildwarnreflektoren und optisch-akustische Wildwarngeräte angebracht.
Ergänzt werden die technischen Einrichtungen durch wildbiologische, jagdwirtschaftliche und straßenbauliche Maßnahmen wie etwa eine höhere Mähfrequenz auf den Straßenbegleitstreifen. Für die Maßnahmen werden heuer 98.600 Euro investiert.
144.000 Reflektoren im Einsatz
Die langfristige Bilanz zeigt die Dimension des Projekts: Nach Abschluss der diesjährigen Montagen sind 534 Jagdreviere und insgesamt 2.040 Kilometer Landesstraße mit rund 144.000 Wildwarnreflektoren, etwa 7.500 Wildwarngeräten und 49 olfaktorischen Vergrämern ausgestattet. Auf ausgerüsteten Strecken konnten Rehwild-Nachtunfälle um bis zu 70 Prozent reduziert werden.
Landtagsabgeordneter Mag. Hubert Keyl, Verkehrs- und Jagdsprecher, betont die Vorzeigewirkung: „Sicherheit hat Vorrang. Jeder Wildunfall, den wir verhindern können, schützt Menschen und erspart Tieren unnötiges Leid. Deshalb reden wir nicht nur über Verkehrssicherheit und Tierschutz, sondern handeln.“ Er dankt besonders der Jägerschaft, dem NÖ Straßendienst und allen Beteiligten, die das österreichweit einzigartige Projekt seit Jahren mit großem Engagement umsetzen.
Appell zu erhöhter Aufmerksamkeit
Dipl.-Ing. Christof Dauda, Straßenbaudirektor-Stellvertreter in Niederösterreich, appelliert an die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer: „Vor allem auf Straßenabschnitten durch Waldgebiete oder entlang landwirtschaftlich genutzter Flächen ist erhöhte Vorsicht notwendig. Die Wildwarngeräte an den Leitpflöcken sind für Autofahrerinnen und Autofahrer gut sichtbar und damit gleichzeitig ein Hinweis, das Tempo anzupassen und die Straßenränder aufmerksam im Blick zu behalten.“
Die Investitionssumme für die Geräte beträgt 2026 rund 98.600 Euro, wobei sich das Land Niederösterreich und die Reviere die Kosten teilen. Die Planung der Maßnahmen und die wissenschaftliche Begleitung finanziert der NÖ Jagdverband.
Jägerschaft übernimmt Verantwortung
Landesjägermeister DI Christoph Metzker erklärt: „Jägerinnen und Jäger übernehmen Verantwortung für Wild und Lebensräume und die Sicherheit der Menschen. Mit ihrem Einsatz gegen Wildunfälle vermeiden sie Tierleid und reduzieren gleichzeitig das Unfallrisiko für Autofahrerinnen und Autofahrer.“
Jägerinnen und Jäger setzen zudem jagdwirtschaftliche und wildökologische Maßnahmen zur Unfallprävention. Kommt es dennoch zu einer Kollision, führen sie bei Bedarf mit speziell ausgebildeten Jagdhunden Nachsuchen durch, um verletzte Tiere möglichst rasch zu finden und unnötiges Tierleid zu vermeiden. Der NÖ Jagdverband sensibilisiert gemeinsam mit dem ORF Niederösterreich Autofahrerinnen und Autofahrer mit Spots im Umfeld der Sendung „NÖ Heute“ für das Thema Wildwechsel.
Erfolg durch Zusammenarbeit
Die Land&Forst Betriebe Österreich übernehmen die Umsetzung in enger Abstimmung mit den Jägerinnen und Jägern vor Ort. LFBÖ-Präsident Konrad Mylius sieht insbesondere in der langjährigen Zusammenarbeit den Schlüssel zum Erfolg: „Die Marke von 2.000 Kilometern ist nicht nur ein bedeutender Erfolg für die Verkehrssicherheit in Niederösterreich, sondern auch das Ergebnis einer außergewöhnlichen Kooperation aller Beteiligten.“ Land- und Forstbewirtschafter bringen dabei ihre genaue Kenntnis der Lebensräume und Wildwechsel vor Ort ein.
Projektleiter Dr. Wolfgang Steiner unterstreicht ebenfalls die Bedeutung des gemeinsamen Vorgehens: „Erfolgreicher Wildunfallschutz funktioniert nur gemeinsam. Dafür braucht es eine enge Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung, Straßendienst, Jagd, Tierschutz, Wissenschaft und Sponsoren.“
Richtig reagieren bei Wildwechsel
Droht ein Zusammenstoß mit einem Wildtier, sollten Lenkerinnen und Lenker stark bremsen und das Lenkrad gut festhalten. Riskante Ausweichmanöver sind zu vermeiden, da sie das Risiko schwerer Unfälle erhöhen.
Kommt es zu einem Wildunfall, muss das Fahrzeug an einer sicheren Stelle abgestellt und die Unfallstelle abgesichert werden. Verletzte Personen sind zu versorgen und gegebenenfalls Rettungskräfte zu verständigen. Jeder Wildunfall ist der Polizei zu melden, auch wenn das Tier nach der Kollision flüchtet. Die Polizei nimmt den Unfall auf und verständigt die Jägerschaft. Verletzte oder getötete Wildtiere dürfen keinesfalls selbst mitgenommen werden.
Quelle: OTS
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