Niederösterreich startet digitale Pflegelandkarte

Niederösterreich präsentiert ein neues Online-Portal für Pflege- und Betreuungsausbildungen. Die digitale Landkarte bündelt erstmals alle Ausbildungswege und Fördermöglichkeiten auf einer Plattform.
Das Land Niederösterreich hat am Donnerstag eine neue digitale Plattform für Pflege- und Betreuungsausbildungen vorgestellt. Die „Landkarte für Pflege- und Betreuungsausbildung in NÖ“ soll Interessierten dabei helfen, passende Ausbildungsmöglichkeiten zu finden. Sozial-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) präsentierte das Portal gemeinsam mit Robert Langenberger und Cornelia Russ von der Facultas Verlags- und Buchhandels AG. Die Website ist unter pflegelandkarte-noe.at abrufbar und für mobile Endgeräte optimiert.
Teschl-Hofmeister bezeichnete die Pflege als eine der Zukunftsfragen. Die Menschen würden immer älter, der Bedarf an Pflege und Betreuung steige. Die Herausforderung bestehe darin, genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diesen Bereich zu gewinnen. Die Pflegelandkarte sei „ein weiterer Puzzle-Stein in dem Gesamtbild“, so die Landesrätin.
Alle Angebote auf einer Plattform
Bisher hätten das Land, die Landesgesundheitsagentur und verschiedene Träger wie das Rote Kreuz oder der Samariterbund ihre Angebote getrennt präsentiert. Die neue Plattform bündelt diese unterschiedlichen Angebote erstmals zentral. „Wir wollen diese unterschiedlichen Angebote auf einer Plattform bündeln – so niederschwellig wie möglich, übersichtlich, regional und lokal gegliedert“, erklärte Teschl-Hofmeister. Diese Form der Bündelung sei in Österreich einzigartig.
Die Zahl der Bewerbungen für Pflegeausbildungen steige, so die Landesrätin. Mit der Pflegelandkarte wolle man den Einstieg noch einfacher machen. Nicht nur Berufseinsteiger, sondern auch Quereinsteiger sollen dort „einen unkomplizierten Zugang zu den Informationen finden“.
Sieben Wege in die Pflege
In Niederösterreich gebe es „sieben Wege in die Pflege“, führte Teschl-Hofmeister aus. Die Ausbildung könne bereits in Mittelschulen beginnen. Weitere Möglichkeiten bestehen über die Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz, über Sozialbetreuungsberufe und über ein Studium der Gesundheits- und Krankenpflege. Auch Menschen, die sich beruflich neu orientieren oder nach einer Pause wie der Karenz wieder einsteigen möchten, finden passende Möglichkeiten. Die Pflegelandkarte könne laufend verbessert werden und sei ein „lebendiges Tool“.
Cornelia Russ, die bei Facultas seit 19 Jahren das Programm Pflege leitet, erläuterte die Entstehung der Plattform. Ziel sei es gewesen, diese „möglichst niederschwellig, einfach und intuitiv“ zu gestalten. Die Pflege stehe für alle offen, jeder könne den Weg in die Pflege finden. Die Pflegelandkarte zeige die vielfältigen Möglichkeiten auf. Niederösterreich biete sehr viele Ausbildungen an, die es in anderen Bundesländern so nicht gebe, betonte Russ. Als Beispiel nannte sie Sozialberufe, die in Niederösterreich auch an Landwirtschaftlichen Fachschulen angeboten werden.
Millionen für Ausbildungsprämien
Niederösterreich war das erste Bundesland, das eine eigene Pflegeausbildungsprämie eingeführt hat. Seit dem Start im September 2022 hätten insgesamt 5.713 Personen die NÖ Pflegeausbildungsprämie in Anspruch genommen. Insgesamt seien 49,1 Millionen Euro ausbezahlt worden. Seit 1. Jänner 2026 betrage die Prämie grundsätzlich 658,40 Euro monatlich. Zusätzlich hätten seit dem Start im Februar 2022 insgesamt 6.354 Personen den NÖ Bildungsscheck erhalten. Dafür seien Fördermittel in Höhe von 4,7 Millionen Euro ausgeschüttet worden. Beide Fördermöglichkeiten seien auch auf der neuen Pflegelandkarte gebündelt.
Die Pflegelandkarte sei einer von vielen Bausteinen, führte Teschl-Hofmeister aus. In Niederösterreich gebe es ungefähr 2.300 Plätze für Ausbildungen. „Wir wollen, dass die Menschen und die Anbieter gut zusammenfinden.“
Maßnahmen zur Attraktivität des Pflegeberufs
Neben der Ausbildung sei es entscheidend, bestehende Pflegekräfte langfristig im Beruf zu halten. In den vergangenen Jahren seien daher verschiedene Maßnahmen gesetzt worden, um die Attraktivität des Pflegeberufs zu verbessern, nannte Teschl-Hofmeister die Verbesserungen bei der Bezahlung und als konkrete Maßnahmen der Landesgesundheitsagentur etwa die bezahlte Mittagspause. Auch wohnortnahe Arbeitsplätze, Weiterbildungsmöglichkeiten und Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf würden für einen Beruf in der Pflege sprechen.
Es brauche auch neue Betreuungsformen, betonte die Landesrätin. Es brauche Angebote zwischen der Betreuung zu Hause und dem Pflegeheim. Als Beispiele nannte sie das betreubare Wohnen und insbesondere das Pilotprojekt Seniorenwohnen+. Mit dem Pflege- und Betreuungsscheck helfe man Betroffenen und ihren Angehörigen, passende Unterstützungsleistungen zu finanzieren, etwa einen Treppenlift oder ein Pflegebett. Im Jahr 2025 wurden mehr als 27.000 dieser Schecks in Anspruch genommen.
Teschl-Hofmeister nannte weiters die sozialen Alltagsbegleiter als wichtigen Baustein in der Pflege. Die soziale Alltagsbegleitung habe 2021 mit rund 40.500 Stunden begonnen, im Jahr 2025 seien es bereits mehr als 200.000 derartige Einsatzstunden gewesen. Darüber hinaus investiere das Land in den Ausbau der stationären Pflegeinfrastruktur. Erst vor wenigen Wochen sei der Spatenstich für ein neues Pflegeheim in Bad Vöslau erfolgt. Über mehrere Jahre hinweg würden insgesamt 300 Millionen Euro in diesen Bereich investiert werden.
Lehrpflegeheim in Krems geplant
Digitalisierung nutze man dort, wo sie einen echten Mehrwert schaffe, so solle sie etwa bei der Administration und Dokumentation unterstützen. Die Landesrätin sprach auch den Gesundheits- und Pflegecluster Krems an. Dort werde mit einer Investition von 12,6 Millionen Euro das österreichweit erste und einzigartige Lehrpflegeheim entstehen. Ziel sei es, Menschen bereits während ihrer Ausbildung mit den Anforderungen der Langzeitpflege vertraut zu machen und ihnen zu ermöglichen, in diesem Umfeld in den Beruf hineinzuwachsen.
Robert Langenberger, Vorstand der Facultas Verlags- und Buchhandels AG, betonte die Marktführung des Unternehmens im Bereich der Studien- und Ausbildungsliteratur für Pflegekräfte. Er bedankte sich für die gute Zusammenarbeit, aus der ein „einzigartiges Projekt für Österreich“ entstanden sei. Die NÖ Pflegelandkarte mache Komplexes und manchmal Undurchschaubares leicht verständlich. Langenberger bezeichnete sie als ein „großes Serviceangebot für Niederösterreich“.
Quelle: OTS
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