Niederösterreich verdoppelt erneuerbare Energie in 20 Jahren

Die Produktion erneuerbarer Energien hat sich in Niederösterreich innerhalb von zwei Jahrzehnten verdoppelt. Das Bundesland erzeugte 2024 mit mehr als 33 TWh die größte Menge an erneuerbarer Energie in Österreich, wie der Österreichische Biomasse-Verband mitteilt.
Die Erzeugung erneuerbarer Energien in Niederösterreich hat sich in den vergangenen 20 Jahren etwa verdoppelt. Mit über 33 TWh produzierte das Bundesland 2024 die größte Menge erneuerbarer Energien unter allen österreichischen Bundesländern. Das gab der Österreichische Biomasse-Verband anlässlich seines Energiewende-Checks der Bundesländer bekannt.
Seit 2005 hat sich die Erzeugung biogener Fernwärme durch den Ausbau regionaler Biomasseheizwerke und Holzkraftwerke mehr als verfünffacht. Über ein flächendeckendes Netz mit rund 1.360 Kilometer Trassenlänge versorgen 837 Biomasse-Nahwärmeanlagen und knapp 40 Biomasse-Kraftwärmekopplungsanlagen mehr als 47.800 Anschlüsse und damit 150.000 Haushalte mit Wärme aus Biomasse. Der Betrieb der Anlagen schafft jährlich rund 120 Millionen Euro Wertschöpfung in Niederösterreich.
Das Land strebt bis 2030 den Betrieb von 1.000 Biomasseanlagen an. Im Frühjahr 2026 wurden sieben weitere neue Biomasse-Nahwärmeprojekte in Gänserndorf, Karlstetten, Melk, Schwarzau am Steinfeld, Traisen, Petzenkirchen und Waldenstein auf den Weg gebracht. Etwa zwei Drittel der Fernwärme in Niederösterreich stammen aus Biomasseanlagen, der Rest basiert vor allem auf Erdgas (18 Prozent) und Erdöl (14 Prozent).
Holz löst Erdgas als wichtigste Raumwärmequelle ab
Durch den stark gestiegenen Einsatz von Waldhackgut und Sägenebenprodukten hat sich Bioenergie mit einem Anteil von 47 Prozent zum wichtigsten erneuerbaren Energieträger in Niederösterreich entwickelt. Holzbrennstoffe haben Erdgas als wichtigste Raumwärmequelle der niederösterreichischen Haushalte abgelöst.
Der Einsatz von Holzbrennstoffen hat sich seit 2003/04 um etwa 20 Prozent erhöht, wobei sich der Pelletsverbrauch in dieser Zeit fast verzehnfacht hat. Dennoch handelt es sich bei über 80 Prozent der in niederösterreichischen Haushalten eingesetzten Holzbrennstoffe um Scheitholz. 188.000 Haushalte in Niederösterreich verwenden eine Holzheizung als primäres Heizsystem.
2025 wurden knapp 6.000 neue Holzzentralheizungen in Niederösterreich installiert – der dritthöchste Wert in der Historie. Holzheizungen decken gut 40 Prozent des Raumwärmebedarfs der Haushalte, die biogene Fernwärme weitere 5 Prozent. Mehr als in Haushalten wird Fernwärme in Niederösterreich mit einem Anteil von 37 Prozent in Dienstleistungsgebäuden wie Hotels, Krankenhäusern, Einkaufs- oder Handelsgebäuden genutzt; auch die Industrie bezieht einen hohen Anteil von 28 Prozent.
Fossile Energieträger noch bei 44 Prozent
Bei in den letzten fünf Jahren weitgehend gleichbleibendem Verbrauch deckt Erdgas noch 24 Prozent des Raumwärmebedarfs in Niederösterreich. Die Anzahl von Ölkesseln ging in den letzten 20 Jahren von 136.000 auf 60.000 Geräte zurück. Parallel dazu war der Heizöleinsatz um 41 Prozent rückläufig, womit Heizöl noch 11 Prozent zum Raumwärmeverbrauch beiträgt.
Zusammen mit Stromdirektheizungen erreichen fossile Energieträger einen Anteil von immer noch 44 Prozent am Raumwärmeeinsatz der Haushalte. Die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor sind seit 1990 um fast die Hälfte gesunken. Dies ist bedingt durch die milde Witterung, die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energieträger und die anhaltend hohen Energiepreise.
Laut dem im Oktober 2025 adaptierten niederösterreichischen Klima- und Energiefahrplan sollen die rund 240.000 fossil betriebenen Heizkessel in Niederösterreich bis 2040 stufenweise weitgehend auf erneuerbare Heizungen umgestellt werden. Eine langfristige Förderung „Raus aus Öl und Gas“ im Rahmen der Wohnbauförderung Niederösterreich soll dabei sichergestellt werden.
Ökostromanteil bei 100 Prozent
Niederösterreich erzielte 2024 zum zweiten Mal nach 2023 einen Anteil von 100 Prozent Erneuerbaren in der Elektrizitätserzeugung, bei Berechnung nach der EU-Erneuerbaren-Richtlinie. Ausschlaggebend war vor allem der deutliche Ausbau von Windkraft und Photovoltaik.
Vor der Windkraft (31 Prozent) und der Photovoltaik (12 Prozent) war 2024 die vor allem entlang der Donau produzierte Wasserkraft mit 44 Prozent Anteil wichtigster Stromerzeuger. Aufgrund der niedrigen Wasserführung der Fließgewässer gingen die Erträge der Wasserkraft im Jahr 2025 um fast 26 Prozent zurück. Extremes Niederwasser der Donau sorgte heuer für weitere Rückgänge.
Die Biomasse-KWK-Anlagen in Niederösterreich haben 2024 etwa 413 GWh Strom ins Netz eingespeist und 2,4 Prozent zur Stromproduktion beigetragen. Gegenüber ihrem Peak von 2016 ist die Stromerzeugung der Holzkraftwerke aufgrund unzureichender Förderungen und gestiegener Produktionskosten um 38 Prozent zurückgegangen. Etwa 85 Biogasanlagen stellen 1,3 Prozent der niederösterreichischen Stromproduktion bereit.
2030 sollen in Niederösterreich laut niederösterreichischem Klima- und Energiefahrplan 8 TWh Windkraft und 4,5 TWh Solarstrom erzeugt werden.
Erdöl bleibt wichtigster Energieträger
Mit einem Anteil von 54 Prozent am Bruttoinlandsverbrauch Energie ist jedoch Erdöl wichtigster Energieträger in Niederösterreich. Verantwortlich dafür ist neben dem hohen stofflichen und energetischen Einsatz in der Erdölraffinerie Schwechat die Verwendung im Straßen- und Flugverkehr. Fast der gesamte Energieverbrauch des heimischen Flugverkehrs geht auf das Konto Niederösterreichs. Im Vorjahr wurden mehr als 1 Million Tonnen Kerosin in Österreich getankt – mehr als je zuvor.
Treibhausgase um 25 Prozent reduziert
Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch soll laut niederösterreichischem Klima- und Energiefahrplan bis 2030 von 44 Prozent auf 55 Prozent gesteigert werden. Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen gegen null zurückgehen, beim Energieverbrauch wird nur ein leichter Rückgang erwartet. Effizienzgewinnen in Gebäuden und in der Mobilität stehen eine Zunahme des Flugverkehrs sowie das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum gegenüber.
Zur Erreichung des österreichweiten Ziels, die Treibhausgasemissionen in den Sektoren außerhalb des Emissionshandels bis 2030 um 48 Prozent gegenüber 2005 zu reduzieren, möchte das Land Niederösterreich einen wesentlichen Beitrag leisten. Eine konkrete Zielvorgabe für diese Reduktion fehlt jedoch im adaptierten niederösterreichischen Klima- und Energiefahrplan. Bislang bewegt sich Niederösterreich mit einer Reduktion des Treibhausgasausstoßes um 25 Prozent in den Sektoren außerhalb des ETS im Gleichschritt mit dem Bund.
Für schwer vermeidbare Treibhausgasemissionen fordert das Land Niederösterreich auf Bundesebene die Schaffung von Rahmenbedingungen für die technische CO₂-Speicherung. Das niederösterreichische Klima- und Energieprogramm 2030 fordert auf Bundesebene zudem die möglichst rasche Umsetzung eines geeigneten Erneuerbares-Gas-Gesetz, das Anreize für Reststoffe setzt.
Quelle: OTS
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