Niedrigwasser schränkt Schifffahrt in Österreich ein

Geringe Niederschläge und hohe Temperaturen lassen die Pegelstände österreichischer Gewässer heuer deutlich sinken. Die Folge: Einschränkungen bei Güter- und Passagierschifffahrt. An der Donau wurden stellenweise historische Tiefststände erreicht.
Die anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen haben die Wasserstände in österreichischen Flüssen und Seen heuer massiv sinken lassen. Besonders betroffen ist die Donau, wo an manchen Stellen historische Tiefststände gemessen wurden. Flusskreuzfahrten sind vielfach nur eingeschränkt oder gar nicht durchführbar, auch der Fährverkehr und der Gütertransport sind beeinträchtigt. In einigen Bundesländern ist die Situation bisher allerdings noch nicht dramatisch.
Auf der Donau können Güterschiffe teilweise nicht voll beladen werden. Der Frachtverkehr wird bei Bedarf auf Straße oder Schiene verlagert, wie der Hafen Wien vergangene Woche mitteilte. Behördliche Sperren gibt es auf der Donau nicht, die Entscheidung über eine Fahrt treffen die Schiffsführerinnen und -führer selbst, so die viadonau. Die Fahrrinne wird laufend instand gehalten, unter anderem durch Ausbaggern des Flussbettes. Wie stark der Verkehr betroffen ist, hängt auch vom Tiefgang der Schiffe ab. Passagierschiffe wie Ausflugs- oder Kreuzfahrtschiffe haben einen geringeren Tiefgang und können Flüsse daher länger befahren als Güterschiffe.
Wachau und Bereich östlich von Wien besonders betroffen
Von einer „schwierigen Situation“ berichtete Birgit Brandner-Wallner, Geschäftsführerin der Donau Schiffsstationen GmbH. Laufend müssten Fahrpläne wegen des Niedrigwassers angepasst werden. Besonders betroffen sind die Wachau – wo der Pegel Kienstock vergangenen Donnerstag vorübergehend auf einen neuen historischen Tiefststand von 102 Zentimetern sank – und der Bereich der Donau östlich von Wien. Das Unternehmen betreibt 36 Schiffsanlegestellen von Linz bis Budapest, einige davon mussten vorübergehend gesperrt werden. Routen werden verkürzt oder geändert, Passagiere auf Flusskreuzfahrten zum Teil mit dem Bus zu Ausflugszielen transportiert.
Die DDSG Blue Danube bietet derzeit aufgrund des Niedrigwassers einen eingeschränkten Fahrplan an. In der Wachau können einzelne Stationen nicht angefahren werden, die Strecke zwischen Wien und Bratislava wird derzeit nicht bedient. Angeboten werden Sonder-Schleifenfahrten im Nibelungengau ab und bis Melk.
Fährbetrieb in Niederösterreich eingeschränkt
Das Niedrigwasser hat auch Auswirkungen auf den Fährbetrieb in Niederösterreich. Die Verbindung über die March in Angern (Bezirk Gänserndorf) an der Grenze zur Slowakei ist seit mehreren Wochen eingestellt, Lenker müssen einen großräumigen Umweg – etwa über Hohenau – in Kauf nehmen. Eine Petition setzt sich nun für eine Straßenbrücke südlich von Angern ein. In der Wachau transportieren die Rollfähren Spitz-Arnsdorf und Weißenkirchen-St. Lorenz aufgrund des Niedrigwassers nur Fußgänger und Radfahrer, aber keine Pkw. Auf der Donau-Rollfähren-Verbindung zwischen Korneuburg und Klosterneuburg gibt es keine Einschränkungen.
Oberösterreich: Verlagerung auf Schiene und Straße
Auch für den Ennshafen im Grenzgebiet zwischen Ober- und Niederösterreich ist das Niedrigwasser eine echte Herausforderung. Da die Schiffe derzeit nicht voll beladen werden können, seien zwar teilweise mehr Schiffe unterwegs, unterm Strich kommen aber weniger Tonnen über das Wasser. Dem versucht man mit der Verlagerung eines Teils des Aufkommens auf Schiene und Straße entgegenzuwirken. Im Linzer Hafen verweist man darauf, dass der Wasserumschlag hier ohnehin weniger bedeutend sei als jener per Lkw und Bahn.
Weniger Probleme gibt es auf den Salzkammergutseen: Am Attersee könne zwar die Haltestelle in Kammer derzeit nicht angefahren werden, sagt Johanna Neumann von der Stern Schifffahrt. Auswirkungen auf die Passagierzahlen habe das aber nicht, denn die nächste Station sei fußläufig fünf Minuten entfernt. Für die Traunseeschifffahrt habe das Niederwasser derzeit gar keine Auswirkungen, so deren Chef Karlheinz Eder.
Salzburg: „Amadeus“ muss Angebot stark einschränken
Die ausbleibenden Niederschläge schränken auch die Schifffahrt auf der Salzach in Salzburg ein. Das Ausflugsboot „Amadeus“ in der Landeshauptstadt muss das Angebot seit der Vorwoche wegen des niedrigen Wasserstands stark einschränken – und das just in der umsatzträchtigen Hochsaison. Das Schiff hat zwar nur 40 bis 45 Zentimeter Tiefgang und ist statt mit Schiffsschraube mit einem Wasserstrahlantrieb ausgerüstet, „der Pegel ist aber so niedrig wie in den 25 Jahren seit der Anschaffung des Boots nicht“, sagt Betreiber Erich Berer. Normalerweise würden im Sommer die Gewitter im Gebirge für ausreichend Wassernachschub sorgen, die habe es zuletzt aber auch nicht so häufig gegeben. Diese Woche soll das Wetter zwar instabiler werden, „das bringt aber wohl nur tageweise Verbesserungen. Langfristiger Regen wäre dringend notwendig“.
Auch die Anlegestelle Strobl der Linienschifffahrt am Wolfgangsee ist seit der Vorwoche nur mehr für ein Schiff der Flotte erreichbar. Wie Eva Hübl, Sprecherin des Schifffahrtsbetreibers Salzburg AG Tourismus GmbH, sagte, wurde am Montag damit begonnen, alte und unter Wasser liegende Pfähle bei der Steganlage zu kürzen, um sicher anlegen zu können. Insgesamt sei der Verkehr am See aber nach wie vor sichergestellt.
Tirol: Keine nennenswerten Probleme
In Tirol wurden indes keine nennenswerten Probleme mit Blick auf Niedrigwasser genannt. Die Verantwortlichen der Achensee-Schifffahrt im Tiroler Unterland – es handelt sich um Tirols größten See – orteten derzeit keine Schwierigkeiten. Der Achensee sei ein Stausee, der Wasserpegel lasse sich daher je nach Wetterlage regulieren. Man sei in enger Absprache mit dem Tiroler Energieversorger Tiwag, sodass sich die Trockenheit aktuell und auch in Zukunft nicht auf die Schifffahrt am 133 Meter tiefen Achensee auswirke. Von der Linienschifffahrt am Plansee sowie am Heiterwanger See im Tiroler Außerfern, die neben jener am Achensee die einzige Schifffahrt im Bundesland darstellt, lag zunächst keine Stellungnahme vor.
Bodensee: Pegel um einen Meter tiefer als vor einem Jahr
Am Bodensee blicken aktuell sowohl die Verantwortlichen der Schifffahrtslinien als auch viele Freizeitkapitäne mit Sorgenfalten auf den Pegelstand. Dieser lag am Freitag in Bregenz bei 2,96 Meter, um einen Meter tiefer als vor einem Jahr. Üblich sind um diese Jahreszeit deutlich über 4 Meter. Bisher war der Betrieb der Vorarlberg Lines Bodenseeschifffahrt (VLB) dennoch uneingeschränkt möglich. Geht der aktuelle Wettertrend jedoch weiter, wird es wohl Anpassungen geben müssen.
Eine solche Situation wie in diesem Jahr habe er noch nicht erlebt, sagte VLB-Eigentümer und -Geschäftsführer Alexandro Rupp: „Über zu wenig Wasser mussten wir im Juli noch nie nachdenken.“ Aktuell würden alle Häfen rund um den Bodensee auf ihren Wasserstand geprüft, um Maßnahmen zu treffen. Wenn es so – heiße Temperaturen und kein Niederschlag – weitergehe, „wird es eng“, sagte Rupp. An ein extrem frühes Saisonende glaubte Rupp nicht, man werde aber wohl in den Häfen Vorkehrungen treffen müssen. Der eine oder andere Anlegesteg werde wahrscheinlich nicht mehr bedient werden können. „Wir sind jedenfalls gerüstet“, sagte Rupp. In Sachen Passagieraufkommen sei der bisherige Sommer sehr gut verlaufen.
Für manche Freizeitkapitäne am Bodensee könnte die Saison aber tatsächlich schon in den nächsten Tagen und Wochen zu Ende gehen. Vor allem die Eigner von Segeljachten mit großem Tiefgang sind betroffen. Üblicherweise erstreckt sich die Saison bis Ende Oktober. 2025 lag der Bodenseepegel Ende Oktober bei 3,29 Meter, 2024 sogar bei 3,62 Meter – also deutlich höher als in diesen Tagen.
Kärnten: Lage noch nicht dramatisch
In Kärnten war die Lage an den großen Seen, auf denen Schiffe verkehren, noch nicht dramatisch. Vom Millstätter See in Oberkärnten hieß es: „Wir haben noch keine Probleme, aber der Wasserstand ist schon niedrig. Man merkt das bei den Anlegestellen. Es ist aber nicht so, dass wir gewisse Stellen nicht anfahren können.“ Durch eine Schleuse geregelt wird der Wasserstand des auf 930 Metern Seehöhe gelegenen Weissensees: Dadurch liege man derzeit nur zehn Zentimeter unter dem normalen Wasserstand, was für die Schifffahrt völlig unproblematisch ist. Sehr niedrig ist der Wasserstand wie schon im Frühjahr beim Ossiacher See, dem drittgrößten See Kärntens. Hier wird ein barrierefreier Einstieg in besonders volle Schiffe an manchen Anlegestellen schon schwierig, hieß es von der Ossiacher See-Schifffahrt. Der Einstieg an den als barrierefrei ausgewiesenen Anlegestellen sei aber auch für Rollstuhlfahrer weiterhin problemlos. Völlig ohne Einschränkungen verlief der Schiffsverkehr dagegen vorerst am Wörthersee, dem größten See Kärntens.
Burgenland: Noch keine Einschränkungen
Noch keine Probleme gibt es bei der Schifffahrt am Neusiedler See im Burgenland. „Es ist alles planmäßig und ohne Einschränkungen machbar“, sagte Roman Drescher, Geschäftsführer der „Drescher Line“, die die Radfähre zwischen Mörbisch und Illmitz betreibt. Nicht einmal bei der Personenzahl auf den Schiffen habe man bisher eingreifen müssen. Bemerkbar mache sich das Niedrigwasser hauptsächlich dadurch, dass die Boote langsamer fahren müssen, erläuterte Michaela Heeger-Gmeiner, Geschäftsführerin der „Holiday Lines“.
Der Wasserstand beträgt derzeit 115,10 Meter über Adria und liegt damit noch 23 Zentimeter über dem tiefsten Wert seit 1965, der im Herbst 2022 gemessen wurde. Auch damals sei bei 114,87 Metern über Adria noch Schifffahrt betrieben worden, hielt Drescher fest. Heuer seien die Voraussetzungen nicht zuletzt aufgrund der Instandhaltungsmaßnahmen der Seemanagement Burgenland GmbH besser. Er rechne damit, die Saison ohne Probleme und Einschränkungen zu Ende fahren zu können – sofern nichts Unvorhergesehenes dazwischen komme.
Quelle: APA
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