Nobelpreisträger Hinton spricht über KI-Bewusstsein

Mona HopfingerMona Hopfinger
Wiener Gödel-Vorlesung 23. Oktober 2026 mit Gehirn und stilisierter Figur
© Mit KI (Gemini) generiert

Der Physik-Nobelpreisträger Geoffrey Hinton hält am 23. Oktober die Vienna Gödel Lecture 2026. Der KI-Pionier widmet sich der Frage, wie ähnlich künstliche Intelligenz dem Menschen ist und ob sie subjektives Erleben entwickeln kann.

Geoffrey Hinton beschäftigt sich bei der diesjährigen Vienna Gödel Lecture mit zentralen Fragen der aktuellen KI-Forschung. Unter dem Titel „Is AI Like Us and Will It Like Us?“ geht der Wissenschafter der Frage nach, wie ähnlich die Fähigkeiten künstlicher Intelligenz jenen des Menschen sind und welche Konsequenzen sich daraus für das Zusammenleben ergeben. Die Vorlesung findet am 23. Oktober 2026 um 17 Uhr statt und wird live übertragen.

Sprachverarbeitung und Bedeutungserfassung

Hinton wird zunächst einen bewusst pointierten Überblick über die Geschichte der künstlichen Intelligenz geben. Danach erläutert er, wie KI-Systeme Sprache verarbeiten und Bedeutung erfassen. Dabei stellt er die verbreitete Vorstellung infrage, dass künstliche Intelligenz Texte in eine interne Sprache übersetzt. Stattdessen vergleicht er den Vorgang mit der komplexen Faltung von Proteinen.

Der Nobelpreisträger glaubt, dass KI-Systeme von heute natürliche Sprache in vielen wichtigen Punkten ähnlich verstehen wie Menschen. Er wird auch genau untersuchen, ob eine KI etwas subjektiv erleben kann. Hinton meint, dass nichts grundsätzlich dagegen spricht. Seiner Ansicht nach könnten KI-Systeme also eine Art subjektive Erfahrung machen.

Risiken profitorientierter KI-Agenten

Mit den wachsenden Fähigkeiten künstlicher Intelligenz stellen sich neue gesellschaftliche und ethische Fragen. Hinton spricht vor allem über die Gefahren von KI-Agenten. Sie werden so entwickelt, dass sie möglichst hohe Gewinne bringen. KI-Systeme wissen schon heute sehr viel. In Zukunft könnten sie den Menschen bei der Intelligenz deutlich übertreffen. Darum braucht es neue Wege, damit umzugehen.

In seinem Vortrag zeigt Hinton, wie man die Aufgabe einer möglichen superintelligenten KI neu denken kann. Sein Ziel ist, dass Menschen und hochentwickelte KI-Systeme zusammenleben können.

Wegbereiter des Deep Learning

Geoffrey Hinton gehört zu den wichtigsten Köpfen der modernen KI-Forschung. 2024 bekam er den Nobelpreis für Physik, gemeinsam mit John Hopfield. Die beiden wurden für grundlegende Entdeckungen und Erfindungen geehrt. Sie machen maschinelles Lernen mit künstlichen neuronalen Netzen möglich.

Hinton schloss 1978 sein Doktorat in künstlicher Intelligenz an der University of Edinburgh ab. Er arbeitete danach an mehreren Universitäten. Schließlich ging er an die University of Toronto. Dort ist er heute emeritierter Distinguished Professor. Von 2013 bis 2023 arbeitete er außerdem in Teilzeit bei Google. Dort wurde er Vice President und Engineering Fellow.

Seine Forschung hat neuronale Netze und das Deep Learning (maschinelles Lernen mit sehr vielen Schichten) stark vorangebracht. Er leistete wichtige Arbeiten zum Backpropagation-Algorithmus, zu verteilten Repräsentationen und zu tiefen neuronalen Netzen. Mit den daraus entstandenen Methoden funktionieren heute automatische Spracherkennung und Bilderkennung ganz anders als früher.

Vortragsreihe zu Ehren Kurt Gödels

Die Vortragsreihe gibt es seit 2013. Ihr Name erinnert an Kurt Gödel (1906–1978). Er war Logiker, Mathematiker und Philosoph und stammte aus Österreich, lebte aber auch in den USA. Jedes Jahr kommen bekannte Wissenschafter aus aller Welt nach Wien. Sie zeigen, wie wichtig die Informatik für Wissenschaft und Gesellschaft ist. Dabei geht es um die Frage: Wie erklärt die Informatik die Welt, wie verändert sie diese und wie wirkt sie sich auf unser Leben aus?

Quelle: https://www.tuwien.at/tu-wien/aktuelles/news/news/livestream-vienna-goedel-lecture-2026-mit-geoffrey-hinton

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