NÖ Kliniken versorgen 76.000 Notfälle in 1,5 Jahren

Die niederösterreichischen Kliniken haben in den vergangenen eineinhalb Jahren rund 76.000 lebensbedrohliche Notfälle behandelt. Die Landesgesundheitsagentur betont die Unterschiede zwischen Notfall-, Erst- und Akutversorgung.
In den NÖ Kliniken werden jährlich über 230.000 Patientinnen und Patienten stationär betreut. Davon mussten in den letzten eineinhalb Jahren etwa 76.000 Menschen wegen lebensbedrohlicher medizinischer Notfälle wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder schwerer Unfälle behandelt werden. Die NÖ Landesgesundheitsagentur (LGA) informiert über die verschiedenen Versorgungsebenen.
Elisabeth Bräutigam, Vorständin der NÖ LGA, erklärt die Hintergründe der aktuellen Diskussion: „Nicht nur im Interesse der niederösterreichischen Bevölkerung, die darauf vertrauen kann, dass ihr in einer Notsituation geholfen wird, sondern auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ wolle man Klarheit schaffen. Die Beschäftigten seien täglich mit großem Einsatz und Fachkompetenz im Dienst.
Drei Versorgungsebenen im Überblick
Die klinische Notfallversorgung umfasst zeitkritische Behandlungen bei dringlichen bis lebensbedrohlichen Krankheitsbildern. Diese erfolgen an spezialisierten Standorten mit entsprechender Expertise. Echte Notfälle wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder neurologische Notfälle würden immer in den dafür vorgesehenen Spezialeinheiten versorgt, so Bräutigam.
Die Erstversorgung betrifft Fälle, die zeitnah behandelt werden müssen, aber nicht automatisch lebensbedrohlich sind. Diese wird flächendeckend an allen Kliniken angeboten und kann oft auch im niedergelassenen Bereich durchgeführt werden. Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner führen erste Untersuchungen durch und veranlassen bei Bedarf weitere Schritte.
Herzinfarkt: 10.000 Notfälle pro Jahr
Bei lebensbedrohlichen kardiologischen Notfällen wie dem Herzinfarkt stehen spezialisierte Abteilungen zur Verfügung. In St. Pölten gibt es eine 24/7-Versorgung, weitere Standorte sind Krems, Wiener Neustadt, Mistelbach und derzeit noch Waidhofen/Ybbs. Langfristig ist eine Verlagerung nach Amstetten geplant. Allein 2025 wurden rund 10.000 Patientinnen und Patienten mit lebensbedrohlichen Herzerkrankungen behandelt, im ersten Halbjahr 2026 bereits 5.000 Personen.
Julia Mascherbauer, Primaria am Universitätsklinikum St. Pölten, betont die Bedeutung der Spezialisierung: Bei einem Herzinfarkt wolle man die bestmögliche Versorgung durch Fachexpertinnen und Fachexperten, die routiniert und hochprofessionell ausgebildet seien. Allein in St. Pölten wurden im vergangenen Jahr rund 50.000 Patientinnen und Patienten in der internistischen Notaufnahme gesehen und behandelt.
Sieben Stroke Units für Schlaganfallpatienten
Der Schlaganfall zählt ebenfalls zu den lebensbedrohlichen Notfällen. Sieben spezialisierte Stroke Units werden von den neurologischen Abteilungen der NÖ Landes- und Universitätskliniken in Horn, Mistelbach, Amstetten, St. Pölten, Tulln, Wiener Neustadt und Mödling betreut. Sie arbeiten eng mit Notruf NÖ und dem Notarztwesen zusammen.
Die Stroke Units sind durchgehend besetzt und gewährleisten eine 24/7-Versorgung. Sowohl Rettungspatientinnen und -patienten als auch ambulante Patientinnen und Patienten werden bei Verdacht auf Schlaganfall rasch an die nächstmögliche Stroke Unit überwiesen. Im Jahr 2025 wurden rund 7.000 Patientinnen und Patienten behandelt, im ersten Halbjahr 2026 waren es 3.000 Menschen mit akuten und lebensbedrohlichen Hirnverletzungen.
Thomas Gattringer, Primar am Universitätsklinikum Wiener Neustadt-Hochegg, erklärt: Der Schlaganfall sei eine zeitkritische Erkrankung, je mehr Zeit vergehe, desto mehr Gehirngewebe gehe verloren. Mit der FAST-Initiative „Schlaganfall erkennen ist keine Kunst“ wurden in Niederösterreich Schritte gesetzt, um die Bevölkerung zu sensibilisieren. Der FAST-Test helfe, einen Schlaganfall rasch zu erkennen: F steht für Gesicht, A für Arme, S für Sprache und T für Zeit.
34.000 Unfallpatienten im Jahr 2025
Nach schweren Unfällen werden Notfallpatientinnen und Notfallpatienten direkt in jene Einrichtungen gebracht, die für ihre Verletzungen optimal ausgestattet sind. Im Jahr 2025 wurden rund 34.000 Patientinnen und Patienten nach schweren Unfällen verzeichnet, im ersten Halbjahr 2026 waren es 16.000 Personen.
Appell: 1450 oder 144 anrufen
Obwohl die Erst- und Akutversorgung flächendeckend angeboten werde, rate man dazu, die Gesundheitshotline 1450 oder im Notfall 144 zu rufen und nicht auf eigene Faust ins nächstbeste Spital zu fahren, so Bräutigam. Nur so sei sichergestellt, dass jeder Patient die richtige Versorgung am richtigen Ort zur richtigen Zeit bekomme. Der Gesundheitsplan 2040+ sowie der RSG seien zentrale Bestandteile des Versorgungsauftrags und stellten die niederösterreichische Gesundheitsversorgung auch langfristig sicher.
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