Norwegen erntet Milliarden aus Staatsfonds

Der norwegische Staatsfonds verwaltet mittlerweile rund 2 Billionen Euro – umgerechnet etwa 356.000 Euro pro Einwohner. Heuer entnimmt das Land 51 Milliarden Euro zur Finanzierung des Staatshaushalts, während der Fonds weiter wächst.
Norwegen hat die Einnahmen aus seiner Öl- und Gasförderung seit 1996 nicht direkt ausgegeben, sondern langfristig veranlagt. Ende Juni verwaltete der staatliche Pensionsfonds ein Vermögen von etwa zwei Billionen Euro. Das entspricht rund 356.000 Euro pro Einwohner. Lediglich etwa ein Viertel des Fondsvolumens stammt unmittelbar aus Öl- und Gaserlösen. Rund zwei Drittel wurden durch Erträge an den Kapitalmärkten erwirtschaftet. Die Aktienquote liegt bei 72 Prozent, die durchschnittliche Jahresrendite seit 1998 beträgt 6,86 Prozent.
51 Milliarden Euro für das Budget
Im laufenden Jahr entnimmt Norwegen dem Fonds rund 51 Milliarden Euro. Damit wird mehr als ein Viertel des Staatshaushalts finanziert. Dennoch wächst das Fondsvermögen weiter, da die jährlichen Entnahmen auf höchstens drei Prozent begrenzt sind. Dieses Modell soll gewährleisten, dass auch kommende Generationen von den Erträgen profitieren.
Zwischenzeitliche Rückschläge werden dabei in Kauf genommen. Während der Finanzkrise 2008 verlor der Staatsfonds nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers beinahe ein Viertel seines Wertes.
Österreich diskutiert Staatsfonds
Auch Bundeskanzler Christian Stocker verfolgt derzeit ähnliche Überlegungen. Er stellte jüngst die Idee eines Staatsfonds sowie eines sogenannten Zukunftsdepots vor. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren soll dabei ein eigenes Wertpapierdepot eingerichtet werden können. Bis zu 5.000 Euro pro Jahr könnten bis zur Volljährigkeit steuerfrei hinsichtlich der Kapitalertragsteuer eingezahlt werden. Laut Berechnungen des Bundeskanzleramts würde bei monatlichen Einzahlungen von 150 Euro bis zum 18. Lebensjahr ein Vermögen von rund 63.000 Euro entstehen, während insgesamt 32.400 Euro eingezahlt worden wären. Die Beiträge sollen von Eltern, Großeltern oder Paten geleistet werden, nicht vom Staat.
Blick auf die Notenbanken
Im September richten sich die Blicke auf mehrere wichtige Notenbanksitzungen. Bereits kommende Woche tritt die Europäische Zentralbank zusammen. An den Finanzmärkten wird eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet. EZB-Präsidentin Christine Lagarde verfolgt damit das Ziel, die Inflation weiter zu senken und an das Inflationsziel der Notenbank heranzuführen.
Wenige Tage später entscheidet die US-Notenbank über ihren weiteren Kurs. Fed-Chef Kevin Warsh sorgte zuletzt beim Treffen in Jackson Hole für eine veränderte Markteinschätzung. Während zuvor eine Zinssenkung als wahrscheinlicher galt, rechnen die Märkte inzwischen eher mit einer Zinserhöhung. Auch in den USA steht die Bekämpfung der Inflation im Mittelpunkt.
Die Ursachen der Teuerung unterscheiden sich dabei auf beiden Seiten des Atlantiks. In Europa wird die Inflation vor allem durch Faktoren wie Energiepreise, extreme Wetterereignisse und staatliche Eingriffe beeinflusst. In den Vereinigten Staaten hingegen sorgen ein robuster Arbeitsmarkt, hohe Unternehmensgewinne und milliardenschwere Investitionen in Künstliche Intelligenz für wirtschaftliche Dynamik. Die Inflation wird dort daher stärker als Folge des eigenen Wachstums gesehen.
Generationswechsel bei Apple
Bei Apple hat in dieser Woche ein Führungswechsel stattgefunden. Tim Cook übergab die Leitung des Unternehmens an John Ternus und übernimmt künftig den Vorsitz des Verwaltungsrats. Cook hatte Apple vor 15 Jahren von Steve Jobs übernommen, der nur wenige Wochen später verstarb. Während seiner Amtszeit stieg der Börsenwert des Konzerns von 350 Milliarden US-Dollar im Jahr 2011 auf heute rund 4,6 Billionen Dollar. Gleichzeitig vervierfachte sich der Umsatz beinahe. Bis heute erwirtschaftet Apple aus jedem Dollar Umsatz etwa ein Drittel als operativen Gewinn.
John Ternus gehört dem Unternehmen seit 2001 an. Der Ingenieur war zuletzt für den Hardware-Bereich verantwortlich und übernimmt nun die Führung des Konzerns.
Quelle: https://www.fh-joanneum.at/news/woechentlicher-boersenbrief-158
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