Notärzte warnen vor Schließung von Stützpunkten in NÖ

Eine Risikoanalyse von Notärzten kritisiert die geplante Schließung von Notarztstützpunkten in Niederösterreich, darunter Waidhofen an der Ybbs. Die 16-seitige Studie wurde am Mittwoch von der Aktion Herzalarm Waidhofen und der NÖ Plattform vorgestellt, so der ORF.
Die Risikoanalyse warnt vor gravierenden Folgen durch die geplanten Schließungen. Besonders problematisch sehen die Autoren den teilweisen Ersatz von Notärzten durch Notfallsanitäter. Diese dürften beispielsweise keine starken Schmerzmittel geben oder Intubationen vornehmen, was schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen könne.
Bei komplexen Notfällen wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen sowie bei Kindern sei eine schnelle ärztliche Beurteilung entscheidend. Eine notärztliche Versorgung vor Ort könne nicht einfach ersetzt werden, wird in der Aussendung betont.
Bedenken gegen Telenotarzt und längere Anfahrtswege
Das Telenotarztsystem habe laut Analyse ebenfalls Grenzen. Es könne keine körperlichen Untersuchungen ersetzen, zudem werden technische Probleme befürchtet.
Kritisiert wird auch die geografische Lage der RTW-C-Standorte. In einigen Gebieten wird mit einem bis zu 30 Minuten längeren Anfahrtsweg gerechnet. Der Rettungshubschrauber Christophorus 15 sei als Ersatz nicht permanent verfügbar. Zudem gibt es in Niederösterreich keine gesetzliche Eintreffzeitvorgabe für den Notarzt – hier wird eine Überlastung des NEF Amstetten befürchtet.
Die Plattform fordert daher, den Standort Waidhofen an der Ybbs zu erhalten und genaue Analysen zu erarbeiten. „Unsere Risikoanalyse zeigt, dass die Schließung von Notarztstützpunkten zu einer deutlichen Verschlechterung der Notfallversorgung führen wird, die Opfer fordert bis hin zu vermehrten Todesfällen“, warnt Alfred Lichtenschopf, Notarzt und Mitautor der Risikoanalyse.
Rotes Kreuz verteidigt neues Versorgungskonzept
Das Rote Kreuz betont, dass viele Notfälle bereits jetzt von Notfallsanitätern versorgt werden können. Gerade bei kritischen Einsätzen und für Patienten, die einen Notarzt brauchen, werde auch künftig ein Notarzt alarmiert und kommen, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.
Schon zuletzt konnte aufgrund der Notfallkompetenz der Notfallsanitäter die Zahl der Notarzteinsätze um ein Drittel reduziert werden. Mit dem Ausbau der RTW-C – spätestens bis 2030 sollen in Niederösterreich 86 derartige Standorte im Betrieb sein – sollen es noch weniger werden.
Der Telenotarzt komme vor allem bei weniger kritischen Fällen zum Einsatz und könne die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrücken. Das Telenotarztsystem sei bereits von fünf weiteren Bundesländern getestet beziehungsweise übernommen worden.
Einmal mehr wird betont, dass ein RTW-C den Notarzt nicht bei kritischen Einsätzen ersetzen soll. Man bringe mit dem RTW-C noch viel schneller – 86 RTW-C versus jetzt noch 31 NEF – kompetente Notfallsanitäter zum Patienten, die bis zum Eintreffen des Notarztes die ersten, aber wirklich dringenden Maßnahmen setzen können, heißt es vom Roten Kreuz.
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