ÖAW zeichnet Forscherin aus St. Pölten aus

Sabine Lehner von der Fachhochschule St. Pölten erhält ein renommiertes Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Sprachwissenschafterin erforscht, wie künstliche Intelligenz Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen verändert.
Die Sprachwissenschafterin Sabine Lehner von der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten wurde mit dem APART-GSK-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ausgezeichnet. Sie untersucht am Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung, welche Vorstellungen von Sprache und Kommunikation mit KI-basierten Sprachtechnologien einhergehen.
Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage, was sich ändert, wenn künstliche Intelligenz nicht mehr bloß als Werkzeug dient, sondern mit Menschen kommuniziert, Nähe herstellt oder Aufgaben in der Beziehungsarbeit übernimmt. Ihr Projekt trägt den Titel „KIKKI – Kommunikationsideologien in Bezug auf kommunikative künstliche Intelligenz“.
Wie KI das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine prägt
Generative KI-Systeme wie ChatGPT oder Gemini sind binnen kurzer Zeit für Millionen Menschen verfügbar geworden. Sie kommen zunehmend im privaten und beruflichen Umfeld zum Einsatz. Doch welche Vorstellungen von Kommunikation stecken in solchen Systemen? Wie verändern sie das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine? Und welche gesellschaftlichen Konsequenzen ergeben sich daraus?
Lehner untersucht sogenannte Kommunikationsideologien – also Annahmen darüber, was Sprache und Kommunikation ausmacht und welche Eigenschaften Menschen der künstlichen Intelligenz zuschreiben. Dabei geht es um die sozialen Dimensionen von Sprache und darum, was geschieht, wenn soziale Interaktionen zunehmend von Maschinen übernommen werden.
Zwei Forschungsfelder: KI-Entwicklung und Soziale Arbeit
Die Forscherin verfolgt ihre Fragestellungen empirisch in zwei Bereichen: Zum einen analysiert sie die Perspektive von KI-Forscherinnen und -Entwicklern – also jener Akteure, die diese Technologien selbst gestalten und untersuchen. Zum anderen richtet sie den Blick auf die Soziale Arbeit, wo Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen zentral für das Professionsverständnis sind.
„Gerade in sensiblen Bereichen wie der Sozialen Arbeit ist es wichtig, Chancen und Grenzen kommunikativer KI kritisch zu betrachten. Umso mehr freue ich mich über das APART-GSK-Stipendium, das mir die Möglichkeit gibt, diese Forschung in den kommenden Jahren intensiv voranzutreiben“, sagt Lehner.
Wenn Maschinen Zuwendung erzeugen
Seit Projektstart hat Lehner bereits erste Erkenntnisse gewonnen. In Studien zur App „Replika“, mit der sich virtuelle Freunde und Begleiter erschaffen lassen, sowie zum KI-gestützten Dolmetschen in der Sozialen Arbeit, rückt sie die Frage nach sprachlicher Sorgearbeit in den Mittelpunkt: Was bedeutet es, wenn menschliche Interaktionen automatisiert werden und dabei Zuwendung und Nähe maschinell hergestellt werden?
Ziel des Projekts ist es, besser zu verstehen, welche Kommunikationsvorstellungen in KI-Sprachtechnologien angelegt sind, wie Akteure aus KI-Forschung und Sozialer Arbeit diese Technologien wahrnehmen und welche Anwendungen in der Sozialen Arbeit als vertretbar gelten. Die Ergebnisse sollen Handlungsempfehlungen für den verantwortungsvollen Einsatz liefern.
Auszeichnung für exzellente Nachwuchsforschung
Christine Haselbacher, Leiterin der Fakultät für Gesundheit und Soziales der USTP, gratuliert: „Das Stipendium bestätigt die hohe wissenschaftliche Qualität ihrer Forschung und unterstreicht die Bedeutung innovativer Forschung an der Schnittstelle von Digitalisierung und Sozialem.“
Johannes Pflegerl, Leiter des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung, betont: „Das APART-GSK-Stipendium zählt zu den renommiertesten Förderungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Österreich. Die Auszeichnung würdigt die herausragende Forschungsleistung von Sabine Lehner und stärkt die internationale Sichtbarkeit unseres Instituts.“
Das APART-GSK-Stipendium der ÖAW fördert exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften in der ersten Post-Doc-Phase. Es unterstützt außergewöhnliche Forschungspersönlichkeiten dabei, wissenschaftliche Unabhängigkeit zu erlangen und eigene Forschungsprogramme umzusetzen.
Quelle: https://www.ustp.at/de/stories/news/oeaw-stipendium-fuer-sabine-lehner-1
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