ÖBB-Konkurrenz holt im Güterverkehr stark auf

Pia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Schienen-Control präsentiert ihren Jahresbericht 2025: Während der Personenverkehr ein Rekordangebot verzeichnete, bauten die Mitbewerber der ÖBB im Güterverkehr ihre Marktanteile deutlich aus und erreichten fast 50 Prozent.

Der Jahresbericht 2025 der Schienen-Control zeichnet ein gemischtes Bild des heimischen Bahnmarktes. Im Personenverkehr wurde mit 138,9 Millionen Personenzugkilometern ein neuer Höchstwert bei der angebotenen Leistung erreicht. Gleichzeitig sanken die Fahrgastzahlen leicht.

Im Güterverkehr konnten Bahnen außerhalb des ÖBB-Konzerns ihre Position weiter stärken und kamen der 50-Prozent-Marke nahe. Die Steigerungen bei den Leistungsindikatoren im Güterverkehr sind jedoch hauptsächlich auf Umleitungen zurückzuführen und spiegeln nur eingeschränkt ein tatsächliches Marktwachstum wider. Umfassende Bauarbeiten auf internationalen Strecken sowie die Sperre der Tauernbahn beeinträchtigten die Leistungsfähigkeit und Konkurrenzfähigkeit der Schiene.

Höchstwert beim Angebot – Fahrgastzahlen leicht gesunken

Das Angebot im gesamten Personenverkehr – Nah- und Fernverkehr zusammen – erreichte mit 138,9 Millionen Personenzugkilometern erneut einen Rekord. Die Anzahl der Reisenden sank hingegen leicht um 0,3 Prozent auf 347,5 Millionen. Beeinflusst wurde dieser Rückgang durch die zweimonatige Sommersperre der Wiener S-Bahn-Stammstrecke. Im Fernverkehr stiegen die Fahrgastzahlen dagegen um ein Prozent.

Die insgesamt zurückgelegten Personenkilometer erhöhten sich dadurch um 0,7 Prozent auf 15,1 Milliarden. Die Konkurrenten der ÖBB konnten ihre Anteile weiter steigern und beförderten knapp 16 Prozent aller Reisenden.

Ein wichtiges Ereignis war die vollständige Inbetriebnahme der Koralmstrecke im Dezember 2025. Die volle Wirkung auf die Fahrgastzahlen wird jedoch erst ab 2026 erwartet.

Güterverkehr: Konkurrenz erreicht fast die Hälfte des Marktes

Der Marktanteil der Rail Cargo Austria bei den Nettotonnenkilometern lag 2025 bei rund 52 Prozent – ein weiterer Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (2024: 57,3 Prozent). Der Gesamtmarktanteil aller ÖBB-Mitbewerber erreichte damit bereits rund 48 Prozent, im Ganzzugsegment sogar 63,5 Prozent.

Auf den Haupttransitachsen Brenner und Westachse dominierten diese Unternehmen mit jeweils über 60 Prozent.

Die Leistungen bei Netto- und Bruttotonnenkilometern stiegen in der Gesamtbetrachtung 2025 um knapp fünf Prozent – jedoch großteils umleitungsbedingt. Die beförderten Nettotonnen verzeichneten mit 117,6 Millionen den zweiten Anstieg in Folge, lagen aber noch knapp unter dem Wert von 2022.

Bauarbeiten bremsen Entwicklung

„Der Wettbewerb auf der Schiene funktioniert, braucht aber freie Kapazitäten“, so Maria-Theresia Röhsler, Geschäftsführerin der Schienen-Control. „Die Mitbewerber oder Rail-Cargo Austria bedienen mittlerweile fast die Hälfte des Güterverkehrsmarktes. Die Zuwächse bei der Verkehrsleistung sind dabei großteils umleitungsbedingt und nicht auf reales Wachstum zurückzuführen. Wenn der Schienengüterverkehr wettbewerbsfähig bleiben soll, brauchen wir dringend bessere Planbarkeit der Trassenführung und eine europäisch abgestimmte Baustellenkoordination.“

Die höheren Kosten aufgrund der weiträumigen Umleitungen und längeren Laufwege infolge umfassender Sanierungen im deutschen Netz sowie der Sperre der Tauernbahn verschärften den Verlagerungsdruck hin zur Straße. Mehr als ein Viertel der gesamten Güterverkehrsleistung wurde 2025 über kurzfristig bestellte Ad-hoc-Trassen erbracht – bei den privaten Unternehmen sogar über 40 Prozent. Die kürzlich in Kraft getretene EU-Kapazitätsverordnung (VO (EU) 2026/1184) soll hier Besserung bringen und die grenzüberschreitende Koordination von Infrastrukturarbeiten verbessern.

Wachsender Markt – 98 Eisenbahnunternehmen in Österreich

Ende 2025 waren in Österreich 98 Eisenbahnunternehmen berechtigt, Züge zu führen – elf mehr als im Vorjahr. Mit 74 Unternehmen waren so viele wie noch nie berechtigt, das ÖBB-Netz zu nutzen. Das österreichische Schienennetz wuchs um 17 Kilometer auf insgesamt 5.638 Kilometer, maßgeblich durch die vollständige Inbetriebnahme der Koralmstrecke zwischen Graz und Klagenfurt.

Der gesamte Jahresbericht der Schienen-Control ist unter https://www.schienencontrol.gv.at/publikationen abrufbar.

Quelle: OTS

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