Ökonomen warnen vor Kürzungen bei Universitäten

Pia ProdingerPia Prodinger
Mann im Anzug mit Krawatte steht in einem modernen Gebäude mit Säulen und Pflanzen.
© Uni Graz/Tzivanopoulos

Zwei Wirtschaftswissenschaftler der Universität Graz analysieren die Auswirkungen geplanter Budgetkürzungen im Hochschulbereich. Sie sehen die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Österreichs gefährdet.

Markus Ruhs und Maik T. Schneider vom Institut für Volkswirtschaftslehre haben auf dem Graz Economics Blog untersucht, welche wirtschaftlichen Konsequenzen Einsparungen im Universitätsbereich für die öffentlichen Haushalte haben könnten. Die beiden Forscher warnen vor unerwünschten Langzeitfolgen.

Österreich steht unter Spardruck. Das Defizit ist zu hoch, die Verschuldung steigt, und die EU fordert Anpassungen. Auch die Hochschulen sollen ihren Beitrag leisten. Für den Zeitraum 2028 bis 2030 ist ein Rahmen von 15,5 Milliarden Euro im Gespräch – die Universitätenkonferenz geht von einer aktuellen Finanzierungsbasis von 16,5 Milliarden Euro aus.

Wachstum entscheidet über Schuldenquote

Doch die Wissenschaftler betonen: Ein Staatshaushalt funktioniere nicht wie eine private Haushaltskasse. Defizit und Schulden würden am Bruttoinlandsprodukt gemessen. Wer Ausgaben kürze, aber gleichzeitig das künftige Wachstum schwäche, könne trotz Sparmaßnahmen mit schlechteren Quoten dastehen.

Die österreichische Budgetpolitik stehe vor einem Zielkonflikt: Das Defizit müsse sinken, gleichzeitig brauche das Land mehr Wachstum, um Schuldenquote, Wohlstand und internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stabilisieren. Die Debatte über das Universitätsbudget dürfe nicht auf kurzfristige Einsparungen reduziert werden. Entscheidend sei, welche staatlichen Ausgaben den künftigen Wohlstand und damit die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen mitbestimmten.

Die Ökonomen nennen drei Kernpunkte, die kurzfristige Budgetdisziplin mit langfristiger wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und gesellschaftlicher Resilienz verbinden könnten.

Produktivität statt Konjunkturpakete

Erstens sollten Konsolidierungsmaßnahmen nach ihrer Wachstumswirkung bewertet werden. Die OECD erwarte nach zwei Rezessionsjahren lediglich eine langsame Erholung. Gleichzeitig steige die Schuldenquote trotz Konsolidierung weiter. Das zeige: Sinkende Ausgaben allein garantierten keine besseren Budgetquoten, wenn das Wachstum schwach bleibe.

In technologisch führenden, entwickelten Volkswirtschaften lasse sich das Pro-Kopf-Einkommen auf längere Frist nur durch Produktivitätswachstum steigern – also durch Innovation und technologischen Fortschritt. Reine Konjunkturpakete griffen zu kurz: Sie könnten die Nachfrage stabilisieren und eine Rezession abfedern. Ein Aufschwung, der nicht von Produktivitätssteigerungen und Innovationen getragen werde, sei nicht nachhaltig. Forschung, Hochschulbildung und Wissenstransfer wirkten genau auf diesen Wachstumshebel.

Hochschulen als Innovationsknoten

Zweitens seien Universitäten das Rückgrat der Innovationsinfrastruktur. Sie bildeten qualifizierte Arbeitskräfte aus, schafften neues Wissen und erhöhten die Fähigkeit von Unternehmen und Verwaltung, neue Technologien zu übernehmen. Diese technologische Absorptionsfähigkeit sei für ein kleines, offenes Land besonders wichtig. Eine Nation wie Österreich könne nicht alles selbst erfinden – aber es sollte das Wissen im Land halten.

Die wirtschaftliche Bedeutung von Universitäten reiche weit über direkte Beschäftigung und höhere regionale Einkommen hinaus. Es sei gut belegt, dass Grundlagenforschung, die zum allergrößten Teil an Universitäten stattfinde, die Produktivität angewandter Forschung erhöhe und öffentliche Forschungsförderung zu zusätzlichen privaten Patenten führe. Empirische Studien wiesen hohe Renditen der öffentlichen Ausgaben in Universitäten und Grundlagenforschung aus, die im deutlich zweistelligen Prozentbereich pro Jahr lägen – allerdings zeitverzögert anfielen.

Mit künstlicher Intelligenz gewinne diese Rolle zusätzlich an Bedeutung. Wenn Spitzenforschung zunehmend in wenigen großen Unternehmen stattfinde, werde Wissen zwar kommerziell verwertet, aber seltener offen publiziert. Universitäten gewährleisteten, dass methodische Kompetenz, unabhängige Bewertung und wissenschaftlicher Zugang nicht vollständig privatisiert würden. Sie seien damit nicht nur Bildungsstätten, sondern auch Institutionen technologischer Souveränität.

Strategie statt Pauschalkürzungen

Drittens brauche Effizienzsteigerung Ziele statt Pauschalkürzungen. Österreich verfolge das Ziel, zu den innovationsstärksten Ländern zu gehören. Dazu brauche es eine Strategie, wie Effizienzpotentiale bei der Nutzung öffentlicher Gelder durch die Universitäten gehoben werden könnten und wie die optimale Leistungsfähigkeit der Universitäten für die Gesellschaft und eine hohe Innovationsstärke aussehen könne.

Hierzu könne der angestoßene Prozess zur Hochschulstrategie 2040 basierend auf den Analysen des Rats für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT) einen möglichen Weg darstellen. Pauschale Kürzungen ohne klare Strategie könnten dagegen sowohl den zukünftigen Wohlstand als auch das Erreichen der mittelfristigen Budgetziele gefährden.

Konsolidierung ohne Wachstumsschwächung

Die beiden Wissenschaftler ziehen das Fazit: Österreich stehe vor einer großen fiskalischen Aufgabe. Eine Konsolidierung könne langfristig nur erfolgreich sein, wenn sie den zukünftigen Wohlstand, das Einkommen pro Einwohner mehre anstatt schwäche. Deshalb sollten die Institutionen, die Humankapital, technologische Aufnahmefähigkeit und Innovation – und damit den künftigen Wohlstand – erzeugten, in ihrer Leistungsfähigkeit gestärkt und nicht geschwächt werden.

Pauschale Kürzungen ohne klare Strategie für den Erhalt und Ausbau der Innovationsfähigkeit des Landes könnten mittelfristig zum Bumerang werden, da sie das künftige Bruttoinlandsprodukt, den Nenner der eigenen Erfolgsrechnung, untergräben. Der Rotstift beim Universitätsbudget könne sich deshalb als teure Form des Sparens herausstellen. Wenn langfristig ein Ausweg aus der Stagnation gefunden werden solle und Österreich nicht hinter der Wohlstandsentwicklung der Welt zurückfallen wolle, führe der Weg über Innovation und technologischen Fortschritt – und damit über starke Universitäten.

Der vollständige Blogbeitrag ist auf dem Graz Economics Blog verfügbar.

Quelle: https://www.uni-graz.at/de/neuigkeiten/analyse-von-oekonomen-die-rolle-der-universitaeten-fuer-die-oeffentlichen-finanzen

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