Österreich kämpft gegen EU-Verbot von Sikawild-Haltung

Mathias FischerMathias Fischer
Österreich: Jäger blickt besorgt auf Hirsche hinter Zaun, EU-Verordnung mit Stempel und Kalender im August.
© Mit KI (Gemini) generiert

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) setzt sich bei der Europäischen Kommission für eine Ausnahmeregelung ein, um die Haltung von Sikawild in Österreich weiterhin zu ermöglichen. Betroffen sind 250 Betriebe bundesweit, davon 25 in Niederösterreich, so der ORF.

Ab August kommenden Jahres soll Sikawild in der EU grundsätzlich nicht mehr gehalten, gezüchtet oder gehandelt werden. Die neue Verordnung zielt darauf ab, die Natur zu schützen, Waldschäden zu verhindern und eine Vermischung mit Rotwild zu stoppen. Österreich will nun gegen diese Regelung vorgehen.

Das Landwirtschaftsministerium arbeitet an einer Ausnahmeregelung, die die Haltung auf heimischen Betrieben auch in Zukunft erlauben soll. Totschnig fordert alle betroffenen Betriebe auf, sich bis zum 10. August zu melden.

Landwirtin aus dem Mostviertel betroffen

Die Mostviertler Landwirtin Anja Bierbaumer betreibt gemeinsam mit ihrem Mann einen Biohof in Ertl (Bezirk Amstetten), auf dem sie Sikawild und Damwild hält. Auf acht Hektar leben 35 Sika- und 25 Damtiere samt Nachzucht.

Bierbaumer, die auch Obmann-Stellvertreterin des Wildtierhalterverbandes Niederösterreich ist, erklärt gegenüber noe.ORF.at die Konsequenzen: „Das würde für uns bedeuten, dass wir heuer schon unsere Sikahirsche rausschießen müssen – vor der Brunft – damit es keine Nachzucht mehr gibt. Zudem müssen wir in weiterer Folge bis Ende nächsten Jahres generell alle Sika keulen.“

Wirtschaftliche und emotionale Bedeutung

Für ihren Betrieb ist die Sikawild-Haltung aus wirtschaftlichen Gründen wichtig. Sie hält die Tiere in einem ausbruchssicheren Wildgehege. 2011 begann sie mit Damwild, wechselte aber teilweise zu Sikawild, da dieses in der Haltung einfacher sei und eine bessere Fleischqualität biete.

„Wir wären furchtbar traurig, wenn wir alle unsere Tiere keulen müssten. Ob wir wieder zum Damwild zurückgehen oder etwas ganz anderes machen, wissen wir noch nicht“, sagt Bierbaumer. Sie möchte um die Ausnahmegenehmigung ansuchen.

Ob Österreich von der Europäischen Kommission tatsächlich eine Ausnahmegenehmigung erhält, ist derzeit noch ungewiss.

Quelle: https://noe.orf.at/stories/3364782/

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