Österreicherin nach Entführung im Niger offenbar frei

Mona HopfingerMona Hopfinger
Wüste mit Geländewagen, offenes Tor, zerbrochene Kette, Karte von Niger und Libyen, Sonnenuntergang.
© Mit KI (Gemini) generiert

Eva G. aus Wien ist nach fast über eineinhalb Jahren Geiselhaft offenbar befreit worden. Die im Jänner 2025 im Niger verschleppte Frau soll gemeinsam mit einer Schweizerin in Libyen eingetroffen sein. Das Außenministerium bestätigt die Freilassung noch nicht.

Die zu Jahresbeginn 2025 im westafrikanischen Niger entführte Eva G. ist nach Informationen mehrerer Quellen wieder in Freiheit. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwochabend unter Berufung auf zwei anonyme offizielle Quellen berichtete, trafen die Österreicherin und eine Schweizerin in der ostlibyschen Stadt Benghazi ein. Auch der APA liegen entsprechende Informationen von Insidern vor. Eine offizielle Bestätigung durch das österreichische Außenministerium steht jedoch noch aus.

Das Ministerium sprach am Donnerstag lediglich von „ermutigenden Informationen“ zum Schicksal der im Jänner verschleppten Wienerin. Der „komplexe und sehr gefährliche Prozess der Freilassung und Übergabe“ sei noch nicht positiv abgeschlossen, hieß es auf APA-Anfrage. Bereits im September hatte es Meldungen über eine mögliche Befreiung der beiden Geiseln gegeben.

Haftar-Sohn soll Freilassung vermittelt haben

Der libysche Fernsehsender al-Masar berichtete, die beiden Frauen seien nach eineinhalb Jahren Gefangenschaft dank der Intervention von Saddam Haftar freigekommen. Der Generalleutnant und stellvertretende Oberbefehlshaber habe sich auf Bitten der Familien für ihre Befreiung eingesetzt, teilte der Sender auf der Plattform X mit.

Der Sender al-Masar zeigte ein Video, in dem die beiden Frauen erschöpft wirkten. Sie saßen unter einem Bild von Marschall Khalifa Haftar und dankten ihren Befreiern auf Französisch. Die Schweizerin sagte, sie sei 69 Jahre alt. Vor eineinhalb Jahren sei sie als Geisel genommen worden. Die Österreicherin gab an, 76 zu sein, und sprach von einem Jahr und neun Monaten Geiselhaft. Beide dankten Khalifa Haftar und seinem Sohn Saddam, weil sie freikamen.
Nur wenige Wochen zuvor waren ein US-Amerikaner und zwei frühere Mitglieder der russischen Wagner-Truppe freigekommen. Auch dabei dürfte Haftar eine Rolle gespielt haben. Der Sohn der Österreicherin hatte im Sommer in einem Video Saddam Haftar um Hilfe gebeten. Darin hob er die Verbindungen seiner Mutter zu Libyen hervor. Das Video erschien auf dem X-Account der Plattform Sahel Alerte.

Verschleppung aus Wüstenstadt Agadez

Am Abend des 11. Jänner 2025 drangen laut Augenzeugen bewaffnete Männer in das Haus von Eva G. ein. Sie war damals 73 Jahre alt und wohnte in der Wüstenstadt Agadez im Niger. Die Täter brachten die Frau in einen Geländewagen. Örtliche Medien meldeten, die Entführer hätten die Österreicherin an eine Terrorgruppe übergeben. Möglicherweise war es ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der Sahelzone. Es könnte auch eine Gruppe gewesen sein, die mit dem IS verbunden ist.
Beide Frauen lebten seit vielen Jahren in dem westafrikanischen Land. Sie waren unter anderem bei Bildungs- und Entwicklungsprojekten aktiv. Die Wienerin wohnte vor der Entführung fast 30 Jahre lang in der Stadt am Rand der Sahara. Über ihre Zeit als Geisel ist kaum etwas bekannt. Im April des Vorjahres, zu ihrem Geburtstag, gab es ein Foto als Lebenszeichen. Im Mai dieses Jahres hieß es in Berichten, die 75-Jährige habe eine schwere Infektion.

Angespannte Sicherheitslage in der Sahelzone

Die Sicherheitslage in der Sahelzone ist nach Militärputschen in Mali, Burkina Faso und Niger in den Jahren 2021, 2022 und 2023 sehr angespannt. Wegen der Anschlags- und Entführungsgefahr hat das Außenministerium in Wien eine Reisewarnung für den Niger verhängt. Zuletzt nahmen die Entführungen ausländischer Staatsangehöriger stark zu.
Seit rund einem Jahrzehnt setzen Jihadistengruppen, die Al-Kaida und der Miliz Islamischer Jihad nahestehen, dem Land mit tödlicher Gewalt zu. Daneben sind weitere Islamistenorganisationen wie Boko Haram in der Region aktiv, zudem mischen russische Söldner mit. Laut der Konfliktbeobachtungs-Organisation ACLED kamen allein 2025 mehr als 10.000 Menschen bei politisch motivierter Gewalt in Burkina Faso, Mali und Niger ums Leben.

Libyen zwischen zwei Machtblöcken

Libyen ist nach dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 und dem darauffolgenden Bürgerkrieg gespalten. In Tripolis im Westen des Landes sitzt die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung von Ministerpräsident Abdel Hamid Dbaiba. General Khalifa Haftar und seine Verbündeten in Benghazi kontrollieren den Osten und Süden des Landes. Zwei Regierungen, viele Milizen und fremde Staaten kämpfen in dem ölreichen Wüstenstaat südlich des Mittelmeers um Ressourcen und Macht.
Laut dem libyschen Journalisten Al Al-Badwi habe sich Haftars Rolle in den letzten zehn Jahren stark verändert. Aus dem Militärkommandanten im Osten sei ein politischer und militärischer Akteur mit großem Einfluss geworden. Dieser reiche über den Osten hinaus bis in wichtige Teile des Südens, der Mitte und des Westens Libyens. Das sagte er gegenüber der APA. Sein Sohn Saddam Haftar ist stellvertretender Oberbefehlshaber der Streitkräfte im Osten. Zugleich hat er wichtige Führungsaufgaben im Sicherheitsapparat. Zuletzt versuchten die USA, die verfeindeten Regierungen miteinander zu versöhnen.

Quelle: APA

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