Österreichisches Deutsch bleibt stabil und geschätzt

Pia ProdingerPia Prodinger
Scrabble-Steine mit den Wörtern „GERMAN“ und „ADSELL“ auf Holzhintergrund
© Markus Winkler / Pexels (Symbolbild)

Eine umfangreiche Studie mit mehr als 71.000 Befragten zeigt: Das österreichische Hochdeutsch steht gut da. Rund 94 Prozent sehen Deutsch als Sprache mit mehreren gleichwertigen Standards an. Auch Austriazismen bleiben in Medien stabil.

Eine groß angelegte Studie mit mehr als 71.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kommt zu einem eindeutigen Schluss: Das österreichische Hochdeutsch ist weiterhin fest verankert. Rund 94 Prozent der Befragten sehen Deutsch als Sprache mit mehreren gleichwertigen Standardvarietäten. Stefan Dollinger von der University of British Columbia in Kanada bewertet die bei jüngeren Menschen etwas stärkere Akzeptanz bundesdeutscher Sprachformen vor allem als alters- beziehungsweise lebensabschnittsbedingt.

Gemeinsame Sprachhaltung in ganz Österreich

In der Steiermark und in Wien betrachten jeweils mehr als 95 Prozent der Befragten Deutsch als Sprache mit mehreren gleichberechtigten Standardformen. Die Sprachwissenschaft spricht in diesem Zusammenhang von einer „plurizentrischen Sprache“. Auch in Vorarlberg, das einer anderen Dialektregion angehört als der Rest Österreichs, teilen 89 Prozent diese Sichtweise. Für Dollinger ist dies ein Hinweis auf das Bestehen einer gesamtösterreichischen Sprachgemeinschaft mit ähnlichen sprachlichen Einstellungen. Unter in Österreich lebenden Deutschen liegt die Zustimmung mit knapp 78 Prozent etwas niedriger.

Burgenland nimmt Sonderstellung ein

Die Untersuchung zeigt auch leichte Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Im Durchschnitt steigt die Wahrscheinlichkeit, Deutsch als plurizentrische Sprache zu betrachten, mit jedem Lebensjahrzehnt um rund elf Prozent. Eine Ausnahme bildet das Burgenland. Dort sprechen insbesondere jüngere Menschen dem österreichischen Standarddeutsch eine eigenständige Stellung zu. Dollinger vermutet, dass dies mit der traditionell stärker verankerten Mehrsprachigkeit im Bundesland zusammenhängt, die durch kroatisch-, ungarisch- und romanessprachige Bevölkerungsgruppen geprägt ist.

Keine dauerhafte Orientierung am Bundesdeutschen

Der häufig geäußerten Annahme, dass sich jüngere Menschen zunehmend am bundesdeutschen Sprachgebrauch orientieren, misst Dollinger nur begrenzte Bedeutung bei. Zwar zeigen die Daten eine leichte Tendenz in diese Richtung, diese ist jedoch statistisch nicht signifikant. Zudem weisen frühere Untersuchungen darauf hin, dass die Zustimmung zum österreichischen Deutsch seit 2012 beziehungsweise 2013 bei jungen Menschen wieder zugenommen hat.

Eine nachhaltige Anpassung an bundesdeutsche Sprachformen sei daher nicht erkennbar. Vielmehr deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich Spracheinstellungen und Sprachgebrauch im Laufe des Lebens verändern können. Mediennutzung und soziale Netzwerke könnten in jüngeren Jahren zwar zu einer stärkeren Orientierung am Bundesdeutschen führen. Dieser Einfluss könne jedoch mit zunehmendem Alter wieder nachlassen. Vergleichbare Entwicklungen wurden auch in Kanada beobachtet, wo einzelne US-amerikanische Aussprachemerkmale im späteren Lebensverlauf wieder zurückgingen. Denkbar sei zudem, dass heute stärker bundesdeutsch geprägt unterrichtet wird als bei älteren Generationen.

Insgesamt wertet Dollinger die geringfügig niedrigere Zustimmung jüngerer Menschen daher als altersbedingtes Phänomen. Die Daten zeigen zugleich, dass das österreichische Standarddeutsch insbesondere in der Altersgruppe zwischen 30 und 65 Jahren hohe Wertschätzung genießt.

Österreichisches Deutsch wird positiver bewertet

Auch die Frage, welche Sprachvarietät als passender, schöner oder korrekter empfunden wird, wurde untersucht. Die Mehrheit der Befragten bewertet das österreichische Hochdeutsch als passender und korrekter. Zudem wird die österreichische Standardvariante von den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern als weniger arrogant wahrgenommen als andere Ausprägungen des Deutschen.

Austriazismen bleiben erhalten

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine aktuelle Untersuchung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien, die im Fachjournal „Languages“ veröffentlicht wurde. Analysiert wurde die Verwendung typischer Austriazismen wie „Paradeiser“, „Sackerl“ oder „Jänner“ in österreichischen Printmedien.

Die Auswertung zeigt, dass der Gebrauch dieser Begriffe über einen Zeitraum von 23 Jahren bemerkenswert stabil geblieben ist. Grundlage der Studie waren mehr als 50 Millionen Presseartikel aus den Jahren 2001 bis 2023. Die typischen österreichischen Ausdrücke behaupten sich demnach weiterhin deutlich im heimischen Sprachgebrauch.

Quelle: APA

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