ÖVP in Niederösterreich nur noch fünf Prozent vor FPÖ

Mathias FischerMathias Fischer
Wahltrend Niederösterreich 2028: ÖVP 35%, FPÖ 30%, SPÖ 19%, Grüne 6%, NEOS 6%
© Mit KI (Gemini) generiert

Eine aktuelle Umfrage zeigt einen schrumpfenden Vorsprung der Volkspartei in Niederösterreich. Die ÖVP liegt bei 35 Prozent, die Freiheitlichen kommen auf 30 Prozent. Erstmals wäre rechnerisch eine Mehrheit ohne die ÖVP möglich.

Das Institut für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD) hat im Auftrag des ORF Niederösterreich eine Umfrage zur Landtagswahl 2028 durchgeführt. Die am Montag veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Die ÖVP würde mit 35 Prozent zwar weiterhin den ersten Platz belegen, die FPÖ rückt mit 30 Prozent aber deutlich näher. Die SPÖ erreicht 19 Prozent, die Grünen kommen auf neun Prozent, die Neos auf fünf Prozent. Zwei Prozent würden für eine andere Partei stimmen.

Im Vergleich zur Landtagswahl 2023 würde die Volkspartei deutlich verlieren. Damals erzielte sie 39,9 Prozent. Die Freiheitlichen lagen vor fünf Jahren bei 24,2 Prozent und würden laut der Erhebung ihren historischen Höchstwert in Niederösterreich erreichen. Die Sozialdemokraten, die 2023 rund 20,7 Prozent verbucht hatten, müssten ein leichtes Minus hinnehmen. Die Grünen würden im Vergleich zu ihrem damaligen Ergebnis von 7,6 Prozent zulegen, die Pinken, die 6,7 Prozent erreicht hatten, würden verlieren.

Blau-Rot hätte rechnerisch eine Mehrheit

FPÖ und SPÖ kommen gemeinsam auf 49 Prozent der Stimmen. Meinungsforscher Christoph Haselmayer erklärte, dass die beiden Parteien aufgrund der Mandatsverteilung erstmals gemeinsam eine Mehrheit im Landtag erreichen könnten. „Zwar hauchdünn, aber gemeinsam könnte man den Landeshauptmann oder die Landeshauptfrau stellen“ – und das ohne ÖVP, wurde Haselmayer zitiert.

Trotz dieser rechnerischen Möglichkeit sprechen sich nur acht Prozent der Befragten für eine blau-rote Zusammenarbeit in der Landesregierung aus. 35 Prozent wünschen sich eine Kooperation von ÖVP und FPÖ, wie sie seit 2023 besteht. 32 Prozent bevorzugen eine Zusammenarbeit von ÖVP und SPÖ. Ein Viertel der Befragten machte dazu keine Angabe.

Haselmayer führt den niedrigen Wert für eine blau-rote Koalition unter anderem darauf zurück, dass eine Mehrheit ohne die ÖVP in Niederösterreich bisher kaum vorstellbar gewesen sei. Die Möglichkeit, dass der Landeshauptmann oder die Landeshauptfrau nicht von der Volkspartei gestellt wird, sei in den Köpfen vieler Menschen noch nicht präsent. „So eine Chance bekommt man in Wirklichkeit nur alle 100 Jahre“, so der Meinungsforscher. „Da braucht es ganz eigene Dynamiken, die wir gerade in den Daten sehen. Hier gibt es wirklich große Verschiebungen zwischen den Wählerströmen.“

Mehrheit mit Schwarz-Blau zufrieden

Die aktuelle Zusammenarbeit von ÖVP und FPÖ wird von 60 Prozent der Befragten positiv beurteilt. Elf Prozent sind damit sehr zufrieden, weitere 49 Prozent eher zufrieden.

Bei einer Direktwahl würden sich 40 Prozent für die amtierende Landeschefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) entscheiden. Udo Landbauer, FPÖ-Landesparteichef und Landeshauptfrau-Stellvertreter, kommt auf 30 Prozent. SPÖ-Landesparteichef und Landesrat Sven Hergovich erreicht 20 Prozent. Grünen-Landessprecherin Helga Krismer kommt auf sechs Prozent, Neos-Landessprecherin Indra Collini auf vier Prozent.

Gesundheit wichtigstes Thema

23 Prozent nennen das Gesundheitssystem und die ärztliche Versorgung als wichtigstes Thema. Die bisherige Nummer eins – Teuerung, Inflation und leistbares Leben – folgt mit 19 Prozent. Zuwanderung, Asyl und Integration nennen zwölf Prozent, Wirtschaft und Arbeitsmarkt zehn Prozent. Klima- und Umweltschutz kommt mit neun Prozent auf Rang fünf.

Den „Gesundheitsplan 2040+“ sehen 59 Prozent der Befragten positiv, 27 Prozent lehnen die Reform ab. „Das ist beeindruckend, weil die Menschen per se kaum Veränderungen wollen“, so Haselmayer. Regional gebe es allerdings Unterschiede: Im Waldviertel und im Mostviertel sei man kritischer. „Zusammengefasst kann man sagen: Den Menschen ist die Wahrheit zuzumuten. Man muss es nur gut erklären.“

Befragt wurden von 27. Juli bis 7. August insgesamt 1.098 wahlberechtigte Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher ab 16 Jahren. Die Stichprobe ist für die wahlberechtigte Bevölkerung Niederösterreichs repräsentativ. Für die Gesamtstichprobe beträgt die maximale Schwankungsbreite drei Prozentpunkte, bei der Sonntagsfrage 3,4 Prozentpunkte.

Quelle: APA

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