ÖVP kritisiert fehlende Arbeitsmedizin für Wiener Lehrer

Mona HopfingerMona Hopfinger
Lehrkräfte in Wien tragen schwere Lasten, während am Schreibtisch ein abgelehntes Ansuchen und ein Arztstuhl warten.
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Wiener Volkspartei wirft der Stadtregierung vor, das eigene Schulgesetz zu missachten. Für fast 18.000 Pflichtschullehrer gebe es keine arbeitsmedizinische Versorgung, obwohl diese gesetzlich vorgeschrieben sei.

Harald Zierfuß, Bildungssprecher und Klubobmann der Wiener Volkspartei, übt scharfe Kritik an der Stadtregierung. Diese ignoriere seit Jahren ihre Pflicht als Dienstgeber, die arbeitsmedizinische Betreuung der Wiener Pflichtschullehrer sicherzustellen. Das sei nicht nur fahrlässig, sondern verstoße gegen das Wiener Schulgesetz.

Laut § 42c des Wiener Schulgesetzes muss der Gesundheitsschutz der Landeslehrer gewährleistet sein. Konkret vorgeschrieben ist der Einsatz von Arbeitsmedizinern im Umfang von mindestens 0,3 Stunden pro Lehrkraft und Jahr. Eine Anfragebeantwortung von Neos-Stadträtin Emmerling zeige jedoch gravierende Defizite, so Zierfuß.

Kein Ansprechpartner, keine Infrastruktur

Für die mittlerweile knapp 18.000 Pflichtschullehrer in Wien existiere derzeit weder ein konkreter Ansprechpartner noch eine funktionierende Struktur für Arbeitsmedizin und Gesundheitsprävention. Die Bildungsstadträtin verweise in ihrer Antwort lediglich auf ein noch nicht finanziertes „Konzept“ in der Bildungsdirektion. „Dass Gesetze im Schulbereich von der Stadtregierung schlichtweg nicht umgesetzt werden, ist eine fahrlässige Pflichtverletzung“, erklärt der ÖVP-Politiker.

Belastung durch Herausforderungen an Schulen

Die fehlenden Arbeitsschutzmaßnahmen treffen die Lehrkräfte in einer Phase enormer Belastung. Massive Herausforderungen prägen den Schulalltag: Die Hälfte der Schulanfänger könne dem Unterricht aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse nicht folgen, Suspendierungen und Schulpflichtverletzungen erreichten Höchstwerte. Geplante Einsparungen bei multiprofessionellen Teams verschärften die Situation zusätzlich.

Pädagoginnen und Pädagogen müssten permanent fehlende Unterstützung kompensieren und Überstunden leisten. Budgetär gestoppte Schulbauten und unzureichender Hitzeschutz verschlechterten die Arbeitsbedingungen weiter. „Wiens Lehrerinnen und Lehrer stehen unter dauerhaftem Druck und werden von der Stadtregierung völlig allein gelassen“, betont Zierfuß. Die Folgen seien Burnouts und ein massiver Verlust an Berufsattraktivität. Während Bundesländer wie Salzburg gezielte Angebote wie Einzelsupervisionen bereitstellten, begnüge man sich in Wien mit Ankündigungen ohne finanzielle Deckung.

Antrag abgelehnt

Die Wiener Volkspartei hat in der vergangenen Landtagssitzung einen Beschlussantrag eingebracht, um die gesetzlich verankerte arbeitsmedizinische Versorgung endlich lückenlos umzusetzen. Dieser wurde von den SPÖ und Neos allerdings abgelehnt.

Gefordert wird die unverzügliche Bereitstellung der nötigen Mittel und die Umsetzung einer arbeitsmedizinischen Versorgung durch eine transparente, effiziente Stadtverwaltung. „Ein Alibi-Pilotprojekt für einige wenige ersetzt keine flächendeckende, professionelle arbeitsmedizinische Versorgung für alle knapp 18.000 Landeslehrerinnen und Landeslehrer in Wien“, fordert Zierfuß abschließend. SPÖ und Neos müssten ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen und für gesunde, wertschätzende Arbeitsbedingungen an den Wiener Schulen sorgen.

Quelle: OTS

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